Start Medizin

7 umstrittene Therapien – Mehr Schaden als Nutzen?

83
0
TEILEN
Vasektomie Sterilisation Mann
© Kzenon - Fotolia.com

Viele Therapieformen, die in der Vergangenheit als die einzige Lösung für die Erkrankung galten, sind inzwischen überholt oder aber schlicht als falsch nachgewiesen worden. Die folgenden Therapien gelten heute als sehr umstritten und wer sie vorgeschlagen bekommt, sollte gerade bei schwerwiegenden Erkrankungen eine zweite Meinung eines anderen Arztes einholen.

» 1. Die Bandscheibenoperation
» 2. Die Kniegelenkspiegelung
» 3. Die Blinddarm-Entfernung
» 4. Die Infusion beim Hörsturz
» 5. EPO als Krebstherapie
» 6. Gebärmutter entfernen
» 7. Antibiotika gegen Erkältung

1. Die Bandscheibenoperation

Die Bandscheibenoperation galt sehr lange gerade beim Bandscheibenvorfall als die einzig wahre Behandlungsmöglichkeit, die allerdings nicht unerhebliche Risiken und Nachfolgebehandlungen nach sich zieht. Regel ist aber, dass viele Beschwerden nach dem Bandscheibenvorfall auch ohne eine Operation wieder verschwinden. Ärzte selbst, akzeptieren immer seltener die Bandscheibenoperation als Therapiemaßnahme und gerade bei Privatpatienten wird bemängelt, dass bei diesen besonders schnell und gern – oft nutzlos – operiert wird. Da man aber pauschal keine Aussage treffen kann, was in welchem Fall das Richtige ist, stehen Ihnen auf bandscheibenvorfall.de Experten mit Rat und Tat zur Seite.

» Wann sollte doch operiert werden?
Operiert werden sollten nur dann, wenn keine andere Therapieform mehr als akzeptabel erscheint. Treten beispielsweise Lähmungserscheinungen auf oder die Funktion der Blase wird durch den Bandscheibenvorfall beeinträchtigt oder Schmerzen sind trotz intensiver medikamentöser und krankengymnastischer Behandlungen steigend oder bessern sich nicht, dann kann die Operation die richtige Lösung sein.

» Folgen der Bandscheibeoperation
Erwiesene Tatsache ist einfach, dass eine Operation an den Bandscheiben langfristige Probleme nach sich ziehen kann und nicht selten entwickelt sich sogar eine Instabilität der Wirbelsäule, die dann weitere Operationen zur Korrektur benötigt. Auch bei Röntgenbildern sollten sich Patienten von einem scheinbar massiven Bandscheibenvorfall nicht zu stark beeindrucken lassen, denn die Regel zeigt einfach, dass auch sehr ausgeprägte Schmerzen und Röntgenbefunde sich nach rund vier bis sechs Wochen auch ohne Operation verbessern.

Interessant ist hierbei übrigens, dass es zahlreiche Menschen gibt, die sogar mehrere Bandscheibenvorfälle haben und dabei keinerlei Beschwerden aufweisen.

2. Die Kniegelenkspiegelung

Die Kniegelenkspiegelung wird häufig und gern auch zur Reinigung des Kniegelenks, beispielsweise von bakteriellem Befall, genutzt. Dabei ist die Kniegelenkspiegelung eine sehr häufig völlig überflüssige und vermeidbare Therapie.

» Kniegelenkspiegelung – Wann ist sie sinnvoll?
Sinnvoll kann der Eingriff immer dann sein, wenn aufgrund eines Bruchs ein Knochenstück im Kniegelenk steckt oder wenn das Kniegelenk ganz plötzlich komplett blockiert. In der Regel wird aber der überwiegenden Zahl der Patienten mit Kniebeschwerden mit Krankengymnastik und Schmerztherapien ein größerer Gefallen getan. Für Patienten, bei denen sich der Eingriff nicht vermeiden lässt, gibt es auf den Seiten von Dr. Gumpert viele Tipps zur Vorbereitung und Nachbehandlung einer Kniegelenkspiegelung.

Inzwischen sollen rund 50 Prozent der Operationen am Knie als nicht notwendig belegt sein, so schätzen selbst Kniechirurgen. Dabei ist gerade die Kniegelenkspiegelung, die eine Glättung des Knorpels und ein Ausspülen von Partikeln im Kniegelenk nach sich zieht, häufig eine vermeidbare Therapieform. Erfahrene Mediziner gehen inzwischen sogar dazu über, rund 70 bis 80 Prozent der Eingriffe am Knie als nicht notwendig zu bezeichnen.

» Risiken der Kniegelenkspiegelung
Der operative Eingriff bringt auch immer zahlreiche Risiken mit sich, denn Gelenkversteifungen und Infektionen gehören beim Eingriff am Knie zu den Risiken, über die Patienten bereits vor dem Eingriff aufgeklärt werden.

Amerikanische Allgemeinmediziner empfehlen in Fachzeitschriften inzwischen ganz eindeutig, zur so genannten Kniekosmetik “nein” zu sagen und ein Bundesausschuss prüft inzwischen gemeinsam mit Ärzten, Krankenkassen und Krankenhäusern in Stichproben die Notwendigkeit der bereits durchgeführten Knieoperationen.

3. Die Blinddarm-Entfernung

Die Blinddarm-Entfernung wird heute immer noch häufig bei unklaren Bauchschmerzen durchgeführt, bei denen der Verdacht auf die Entzündung des Blinddarms besteht. Gerade bei chronischen Bauchschmerzen bei jungen Frauen ist dieser Eingriff besonders häufig überflüssig. Tendenziell sind eher Männer von der Blinddarmentzündung, der so genannten Appendizitis, betroffen. In der Praxis liegen aber weitaus mehr Frauen als Männer unter dem Skalpell, das den Blinddarm entfernen soll. Hintergrund ist hier wohl, dass gerade Frauen häufig unerklärliche Bauchschmerzen aufweisen, die oftmals aber auch psychische Hintergründe haben. Zwecks Diagnose wird hier häufig eine Bauchspiegelung durchgeführt, bei der der Blinddarm in einem Arbeitsgang mit entfernt wird, obwohl er keinerlei Krankheitssymptome zeigt.

» Blinddarmentfernung häufig völlig nutzlos
Chirurgen sind sich inzwischen sicher, dass rund zwei Drittel der Frauen die Entfernung des Blinddarms medizinisch völlig unbegründet über sich haben ergehen lassen. Bei Männern ist nur ein Viertel der Entfernungen des Blinddarms medizinisch nutzlos gewesen. In Versuchsreihen ist eine deutsche Klinik dazu übergegangen, nur noch bei akuten Entzündungen des Blindarms auch die notwendige Entfernung durchzuführen. Die Zahl der Operationen infolge der Fehldiagnose fiel dabei bei Frauen von 70 Prozent auf dann nur noch 20 Prozent nutzloser Operationen.

» Chronische Schmerzen nicht immer ein Indiz
Die restlichen Fehldiagnosen sind aus der Praxis heraus nicht vermeidbar, denn die akute Blinddarmentzündung lässt sich durch äußerlich angewandte Diagnoseverfahren nicht immer eindeutig feststellen. Ein schneller Eingriff ist aber gerade bei der Entzündung notwendig. Chronische Schmerzen dagegen sind nur ganz selten ein Indiz für den entzündeten Blinddarm. Und in diesen Fällen kann der nutzlose Eingriff mehr Schaden als Nutzen mitbringen, denn nicht selten entstehen Verwachsungen, die dann auch langwierige Probleme mit sich bringen.

Extratipp: Symptome für eine Blinddarmentzündung

4. Die Infusion beim Hörsturz

Oft wird bei einseitigem Hörverlust, der mit Ohrgeräuschen und Druckgefühl begleitet ist, die Infusion eingesetzt. Tatsache ist, dass sie nach Ansicht von Medizinern fast immer sinnlos ist, denn eine medizinische Notwendigkeit und Wirksamkeit der Infusion beim Hörsturz konnte bis jetzt nicht nachgewiesen werden.

» Infusion beim Hörsturz angenehm aber nutzlos
Wer plötzlich auf einem Ohr nicht mehr oder nur noch wenig hört, empfindet es als sehr hilfreich, wenn der behandelnde Arzt oder die Ärztin eine Lösung in Form der durchblutungsfördernden Infusion bereithält. Bekannt ist aber nicht einmal, ob der Hörsturz tatsächlich auf einer Durchblutungsstörung des Innenohrs basiert. Und genau auf dieser Basis sind auch die Erfolge der Infusionstherapie beim Hörsturz nur sehr gering vorhanden. Die so bezeichneten Plasmaexpander überzeugen einfach nicht und in den USA beispielsweise ist diese Therapieform kaum eingesetzt. Allerdings ist auch die in den USA übliche Therapie mit Cortison nach dem Hörsturz nur wenig erfolgreich.

» Hörsturz reguliert sich selbst
Aussagekräftige Studien, dass durchblutungsfördernde Infusionen beim Hörsturz Wirkung zeigen, liegen nicht vor. Tatsache ist hierbei, dass eine große Anzahl der Hörstürze sich innerhalb relativ kurzer Zeit selbst – und zwar ohne spezielle Behandlung – reguliert. Doch auch hier gilt, Vorbeugen ist besser als Heilen. Einige Tipps um dem Hörsturz vorzubeugen finden Sie auf hoersturz.de.

» Hörsturz – Krankenkasse zahlt Infusion nicht
Gefährliche Nebenwirkungen bringt die Infusionstherapie beim Hörsturz allerdings nicht mit sich. Wer sich für die Therapieform entscheidet, muss sie aber häufig selbst bezahlen, denn Krankenkassen leisten hier im Regelfall nicht.

5. EPO als Krebstherapie

EPO ist ein Präparat, das bei Krebspatienten gern nach einer Chemotherapie eingesetzt wird. In den meisten Fällen sind die Risiken dieser Behandlung allerdings größer als der Nutzen, der daraus hervorgehen soll. Die geschwächten Patienten, die unter einem Mangel an roten Blutkörperchen leiden und deshalb kaum Kräfte haben, sollen durch das Hormon namens Erythropoietin, kurz EPO, wieder zu Kräften gelangen. Das Mittel, das durch Doping-Skandale große Bekanntheit erlangt hat, soll hier auch bei Krebspatienten gute Wirkung tun.

» EPO – Mehr Schaden als Nutzen?
Der Effekt, der aus dieser EPO-Therapie resultiert, ist allerdings mehr als umstritten. Studien zu diesem Thema bringen inzwischen allerdings noch einen schlimmen Verdacht auf, der besonders Brustkrebspatientinnen betrifft. Wurden diese mit EPO behandelt, starben sie häufig früher an Krebs als andere Patientinnen ohne diese Hormonbehandlung. Vermutungen liegen nah, dass EPO das Tumorwachstum sogar begünstigen kann.

Die amerikanische Gesundheitsbehörde namens FDA hat schon im Jahr 2007 Warnungen vor dem ungeprüften Einsatz dieser Mittel ausgesprochen. In den USA wird EPO noch verabreicht, wenn die dringend erforderliche Bluttransfusion so vermieden werden kann. In Deutschland ist EPO aber eher noch ein beworbenes Mittel, das zudem auch noch einen hohen Preis hat.

6. Gebärmutter entfernen

Die Gebärmutter wird heute nicht nur bei bösartigen Tumoren entfernt. Auch Myome oder Blutungsbeschwerden, gerade in den Wechseljahren, ziehen häufig eine operative Entfernung der Gebärmutter nach sich.

Immer dann, wenn sanfte Alternativen bestehen, ist die Entfernung der Gebärmutter schon aufgrund der OP-Risiken vermeidbar. In Deutschland unterzogen sich im Jahr 2008 etwa 130.000 Frauen einer Entfernung der Gebärmutter, dabei ist der Eingriff nur bei Krebs und sehr schweren Blutungsproblemen, in denen eine massive gesundheitliche Beeinträchtigung besteht, medizinisch wirklich vertretbar. Mediziner bestätigen inzwischen, dass nur rund zehn Prozent der Gebärmutter-Operationen wirklich medizinisch erforderlich sind. Liegen gutartige Erkrankungen vor, dann gibt es schonendere Behandlungsmöglichkeiten. So können Progesteron oder auch pflanzliche Mittel die Gebärmutter-OP vermeiden und ersetzen.

» Gebärmutter als notwendiges Organ
Noch immer hat sich in den Köpfen vieler Gynäkologen nicht fixiert, dass die Gebärmutter auch für Frauen, die keine Kinder mehr bekommen wollen oder aufgrund ihres Alters dies auch nicht können, Notwendigkeit als Organ hat. Die Gebärmutter hat nicht nur eine Stützfunktion im Becken, sie liefert auch für das sexuelle Empfinden viele Einflüsse, die eine sinnlose Operation beeinträchtigen kann.

Leider findet noch immer nur eine mäßige Aufklärung über Behandlungsalternativen statt. Die Operation zur Entfernung der Gebärmutter stellt einen großen Eingriff dar, der oftmals durch sanfte Alternativen ersetzt werden kann. Alle Alternativen zur Gebärmutter-OP hier im Überblick.

7. Antibiotika gegen Erkältung

Antibiotika werden gern und häufig zur Behandlung von Erkältungskrankheiten und Atemwegsinfektionen aller Art eingesetzt. Dabei ist inzwischen erwiesen, dass in etwa 75 Prozent der Fälle, in denen Antibiotika eingesetzt werden, diese medikamentöse Behandlung überflüssig ist. Fakt ist, dass rund 90 Prozent der Erkältungen und Bronchitiserkrankungen eine Virusinfektion zugrunde liegt. Das von Ärzten gern verschriebene Antibiotikum wirkt aber nur gegen Bakterien. Oftmals werden Antibiotika nur deshalb verschrieben, weil Ärzte sicher sein wollen, Bakterien auszuschalten oder auch, weil der Patient die Erwartung an seinen behandelnden Arzt hat, ein Antibiotikum verschrieben zu bekommen.

» Mehr Schaden als Nutzen
In nur ungefähr jedem vierten Fall ist die Behandlung der Atemwegsinfektion mit Antibiotika auch wirklich berechtigt, schätzen Mediziner. Tatsache ist, dass Patienten durch die Behandlung mit antibiotischen Medikamenten eher Schaden als Nutzen erfahren. Risiken wie Nebenwirkungen durch Pilzinfektionen oder Durchfall sind häufig nicht berücksichtigt, wenn Antibiotika schnell und unkompliziert verabreicht werden.

» Resistent gegen Antibiotika
Neben dem Einzelnen hat auch die Allgemeinheit Schaden aus diesem großzügigen Umgang mit Antibiotika zu verzeichnen. Zum einen entstehen mehr Kosten, zum anderen werden die Krankheitserreger gegen Antibiotika mehr und mehr resistent. So sprechen bei schwerwiegenden Harnwegsinfekten, die mit dem Keim E.coli verursacht werden, inzwischen rund 25 bis 50 Prozent der Patienten auf die Behandlung mit gängigen Antibiotika überhaupt nicht mehr an, denn diese wurden bereits zu häufig unkritisch für Atemwegsinfekte verschrieben. Auch die Nebenhöhlenentzündung, bei der sehr häufig Antibiotika verschrieben werden, begründet diese Medikamenteneinnahme nur in Ausnahmefällen, entgegen bisherigen Ansichten.

» Antibiotika bei Kindern
Eltern stehen häufig vor der Frage, ob es gut ist ihrem Kind Antibiotika zu verabreichen. Sicher steht der Genesungsprozess an erster Stelle, allerdings nicht mit Macht und Gewalt. Wann Antibiotika bei Kindern nötig sind lesen Sie hier.