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Bandscheibenvorfall (Discus prolaps) – Die neuen, sanften Behandlungsmethoden

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Bandscheibenvorfall Behandlung Methoden
© Alexander Raths - Fotolia.com

Die neuen, sanften Behandlungsmethoden

Starke Schmerzen im Rücken, die bis in die Beine ausstrahlen können, Taubheitsgefühle und sogar Lähmungserscheinungen der unteren Extremitäten – all diese Symptome können auf einen Bandscheibenvorfall, den so genannten Discus prolaps, hinweisen. Das gefürchtete und weit verbreitete Leiden entsteht dadurch, dass der gallertartige Kern der Bandscheibe, die sozusagen als Dämpfer zwischen den Wirbeln der Wirbelsäule liegt, in den Wirbelkanal austritt. Dadurch wird das Rückenmark oder eine der dort austretenden Nervenwurzeln gereizt.

Der Bandscheibenvorfall ist in der Regel durch eine meist langjährige Vorschädigung der Bandscheibe und dessen Faserringgewebes bedingt. Belastungen im Beruf und in der Freizeit, Unfälle und muskuläre Schwächen tragen zudem in den meisten Fällen die Hauptschuld an der Erkrankung. Das durchschnittliche Erkrankungsalter liegt ungefähr bei 40 Jahren. Am häufigsten sind die Wirbel im Lendenwirbelbereich betroffen.

Früher: Operation das erste Mittel der Wahl
Früher bedeutete die Diagnose eines Bandscheibenvorfalls in den meisten Fällen eine Operation, bei welcher die ausgetretene Knorpelmasse entfernt wurde. Eine weitere Operationsmethode bestand in der Versteifung der benachbarten Wirbelkörper durch eingebrachtes Metallmaterial. In vielen Fällen brachten diese Methoden nur zweifelhafte Erfolge und bei manchen Patienten waren die Schmerzen nach dem Eingriff sogar noch schlimmer als vorher, wenn zum Beispiel Narbengewebe auf das Rückenmark und die Nervenwurzeln drückte.

Heute: Physiotherapie und Chiropraktik
Heute geht es dagegen zunächst um den Erhalt der wichtigen Stoßdämpfer und um sanftere Formen der effektiven Therapie, weil sich die Symptome in vielen Fällen auch ohne einen Eingriff zurückbilden können. Neue Therapieformen wie zum Beispiel Ozon-Behandlungen oder auch Zellkuren sollen die verbleibende Knorpelmasse aufbauen oder zumindest so sehr stärken, dass eine dauerhafte Schmerzfreiheit der Patienten erreicht werden kann. Physiotherapie und Chiropraktik sind weitere wichtige Elemente der sanften Behandlungsmethoden, die auch in der konservativen Behandlung seit langem Erfolge vorzuweisen haben.

Sanfte Operationsmethoden bringen Erfolge
Versagen die verschiedenen Formen der Therapien und der Patient leidet dennoch dauerhaft unter starken Schmerzen, ist eine Operation auch heute noch in den meisten Fällen unausweichlich. Derselbe Fall tritt ein, wenn die Nerven in Gefahr sind, dauerhafte Schädigungen zu erleiden. Allerdings wird heute im Gegensatz zu früher meist minimal-invasiv operiert, so dass die Belastung für den Patienten insgesamt geringer ist. So wird zum Beispiel bei der mikroskopischen Operation ein Mikroskop verwendet, mit dem sehr präzise und auf kleinstem Raum operiert werden kann. Hautschnitt und Gewebeschädigung sind kleiner und auch die Narbenbildung ist im Vergleich zur offenen Operation geringer. Liegt eine schmerzhafte Vorwölbung der Bandscheibe ohne akute Gefahr für die Nerven vor, kann auch noch sanfter mit einem Laserkatheter operiert werden. Mit dem Laser, der über den Katheter mitten in die Bandscheibe gelangt, wird deren Kern verkleinert und die Vorwölbung geht zurück. Bei einem kompletten Verschleiß kann die Bandscheibe heute auch ganz durch einen künstlichen Puffer ersetzt werden, was vor allem bei jüngeren Patienten meistens relativ erfolgreich ist.

Die Ursachenklärung
Grundsätzlich müssen bei der Therapie eines Bandscheibenvorfalls immer auch die Ursachen mit in die Therapie einbezogen werden, um langfristige Erfolge zu erzielen. Fehlhaltungen und Überbelastungen der Wirbelsäule sollten zum Beispiel in so genannten Rückenschulen insofern therapiert werden, als dass hier das richtige Heben, Entlastungsstellungen der Wirbelsäule und Muskelkräftigung trainiert werden. Rückenschulprogramme sind dann besonders wirksam, wenn sie vorbeugend zum Einsatz kommen. Starke Muskeln können Bandscheiben und Gelenke besser stützen und so letztendlich dazu beitragen, dass es gar nicht erst zu einem Bandscheibenvorfall kommt. Auch kann die Rückenschule den Patienten helfen, die Entstehung von Rückenschmerzen zu verstehen und nach einem erlittenen Bandscheibenvorfall einem möglichen Rückfall durch das richtige Verhalten vorzubeugen.

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