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Computersucht und Onlinesucht – Symptome und Folgen

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Computersucht
© Photographee.eu - Fotolia.com

Der Computer hat sich innerhalb von knapp zwei Jahrzehnten von einem wenig genutzten Exoten zum täglich benötigten Gerät etabliert. Ob man aber von einer Etablierung sprechen kann, das ist zumindest bei einigen Nutzern sehr fraglich. Nicht selten ist es nämlich der Fall, dass der Computer nicht mehr ausschließlich zur Einholung von Informationen, Erledigung des Schriftwechsels oder dem schnellen Austausch per E-Mail genutzt wird.

Eine neue Sucht ist auf dem Vormarsch und die heißt Computersucht oder auch Onlinesucht. Während die meisten Menschen den Computer als nützlichen und praktischen Teil ihres Lebens betrachten, ist es dann bei den Süchtigen eher der Fall, dass der Aufenthalt vor dem Computer sich über mehrere Stunden des Tages hinzieht und auch nicht mehr freiwillig unterbrochen wird.

Computersucht bei Kindern und Jugendlichen
Computersüchtig nach Online Games
Computersucht – Eltern tragen Verantwortung
Computersucht – Jungen sind häufiger betroffen
World of Warcraft gilt als gefährlichstes Online Game
Computersucht – Symptome
Computersüchtige sind häufig Einzelgänger
Computersucht verläuft schleichend

Computersucht bei Kindern und Jugendlichen

Computersucht – das klingt für Nichtbetroffene irgendwie lustig – für die Betroffenen ist es das aber keinesfalls. Auch wenn die Computersucht nicht mit Beschaffungskriminalität oder ähnlichen Begleiterscheinungen verbunden ist und auch nicht öffentlich, sondern hinter verschlossenen Türen stattfindet, ist sie dennoch eine ernstzunehmende Erkrankung, die dringender Behandlung bedarf.

Und auch hier sind es häufig wieder die Jugendlichen, die besonders stark betroffen sind. Statistische Erhebungen haben ergeben, dass Neuntklässler sich teilweise schon etwa 130 Minuten täglich vor dem Computer aufhalten. Dabei ist nicht von Recherchen für die Hausaufgaben die Rede, sondern lediglich von der Zeit, die in Spiele auf dem PC investiert wird.

Computersüchtig nach Online Games

Schon heute werden aus diesen Erhebungen heraus etwa 14.000 Jugendliche wirklich ernsthaft als Computersüchtig eingestuft. Dabei sind es Spiele, die häufig recht kostengünstig aus dem Web heruntergeladen werden können und die gemeinsam mit anderen – anonymen – Spielern online betrieben werden, die zur Computersucht führen. Eltern wähnen ihre jugendlichen Sprösslinge vor dem PC, wo dann vermeintlich gechattet oder E-Mails ausgetauscht werden. Tatsächlich ist der Nachwuchs aber bereits seit Stunden damit beschäftigt, virtuelle Gegner zu besiegen und dabei wird die Zeit völlig vergessen, die in dieses Spiel investiert wird.

Insgesamt sind es Erhebungen des Kriminologischen Forschungsinstitutes in Niedersachsen, kurz: KFN, rund 23.000 Jugendliche, die als stark gefährdet eingestuft werden, innerhalb der nächsten Monate oder Jahre in die Computersucht hineinzurutschen. Für die Untersuchung des Institutes wurden 44.610 Jugendliche im Alter von 15 Jahren intensiv zu ihren Gewohnheiten hinsichtlich der Computernutzung befragt. Die Studie wurde bereits veröffentlicht – an der Computernutzung der Jugendlichen hat sich aber nicht viel verändert.

Computersucht – Eltern tragen Verantwortung

Eltern sind hier auch inzwischen auf einem völlig anderen Level gefordert. Im Gegensatz zu Alkohol und Drogen, deren Konsum auch nicht leicht nachgewiesen werden kann von Eltern, ist es aber beim Computer so, dass dieser in den meisten Haushalten Deutschlands einen völlig normalen Teil des Lebens darstellt. Erst spät – wenn überhaupt – spüren Eltern, dass das Nutzungsverhalten des Nachwuchses im Hinblick auf den Computer deutlich gefährliche Ausmaße annimmt. Und der Schritt, dann aktiv zu werden, ist selbst dann häufig noch weit entfernt. Einerseits sind die Eltern selbst nicht selten betroffen davon, den Computer viel zu häufig zu nutzen, anderseits fehlt es an adäquaten Ansprechpartnern, wenn Eltern bei den eigenen Kindern eine Computersucht vermuten.

Computersucht – Jungen sind häufiger betroffen

Bundesweit gelten inzwischen rund drei Prozent der Schüler der neunten Klassen als computersüchtig. Insgesamt sind es dabei lediglich 0,3 Prozent der gleichaltrigen Schülerinnen, die auch als süchtig nach dem PC eingestuft werden. Weiterhin hat sich gezeigt, dass in den letzten Jahren die tägliche Nutzungszeit des Computers drastisch gestiegen ist. 40 Minuten mehr sind es heute als noch vor vier Jahren, die Jugendliche am PC zubringen und das an Schultagen.

Das Wochenende bringt noch drastischere Ergebnisse, denn an denen sitzen Schüler teilweise rund 167 Minuten pro Tag vor dem PC. Im Jahr 2005 waren es noch 140 Minuten, die vor dem Computer von Jugendlichen zugebracht wurden.

Weitere Forschungen auf dem Gebiet der Computersucht, besonders im Hinblick auf gefährdete Jugendliche, haben ergeben, dass jeder sechste Junge am Tag mehr als 4,5 Stunden am Computer sitzt. Auch hier sind Schulaufgaben ausgeklammert und die erfassten Zeiten beziehen sich lediglich auf reine Spielzeiten. Auch wenn Mädchen generell weniger Zeit am Computer zubringen, haben sich bei ihnen die Nutzungszeiten in den letzten Jahren an Schultagen auf die dreifache Zeit erhöht. An Wochenenden nutzen Mädchen doppelt so lange wie noch vor vier Jahren den Computer, um dort zu spielen.

World of Warcraft gilt als gefährlichstes Online Game

Die Forscher haben herausgefunden, dass das intensive Spielen nicht automatisch in die Computersucht führt. Aber gerade die Online-Rollenspiele, die zum Teil sehr günstig erhältlich sind, haben ein hohes Suchtpotential in sich. Ein besonders gern gespieltes Online-Spiel, das weltweit 11,5 Millionen Nutzer in seinen Bann gezogen hat, ist World of Warcraft. Dieses Spiel gilt gleichzeitig als das meistgekaufte, meistgenutzte und auch gefahrenträchtigste Onlinespiel im Hinblick auf die Computersucht.

Dabei ist dieses Spiel freigegeben ab 12 Jahren. Das KFN fordert, dass gerade bei diesem Spiel die Altersbeschränkung drastisch heraufgesetzt werden sollte. Die derzeit aktuellen 12 Jahre sollen zum Schutz der Jugend auf 18 Jahre heraufgesetzt werden. Spiele werden auch heute nur nach ihrem Inhalt bewertet, wenn die Altersfreigabe festgelegt wird. Die Suchtgefahr spielt aktuell bei der Einstufung des Spiels noch keine Rolle. Und genau das wollen die Mitarbeiter des KFN aufgrund der Ergebnisse ihrer Forschungen geändert wissen.

Computersucht – Symptome

Grundsätzlich ist eine Computersucht im Übrigen immer dann gegeben, wenn ein zwanghafter Drang besteht, sich mit diesem Gerät zu beschäftigen bzw. online zu sein. Eine wirkliche Trennung zwischen der Onlinesucht und der Spielsucht hinsichtlich des Spielens a am Computer kann inzwischen nicht mehr erfolgen. Die Computersucht tritt oftmals gemeinsam mit den zahlreichen Sonderformen auf. Gerade die Sucht nach dem Onlinegame oder dem Computerspiel an sich ist nur sehr schwer auszumachen, denn Jugendliche beschäftigen sich heute zunehmend auch dann mit dem PC, wenn es um Recherchen für Hausaufgaben geht oder aber wenn Kontakte zu Freunden mittels Chat oder E-Mail gepflegt werden. Gerade hier ist es für Eltern oftmals problematisch, den Übergang von der normalen Nutzung des PCs zur Sucht zu erkennen. Laien können die Sucht nur daran ausmachen, dass ein unbändiger Drang danach besteht, den Computer zu nutzen. Oftmals sind auch Stimmungsschwankungen feststellbar, wenn der Computer nicht genutzt werden kann.

Die Sucht ist generell durch den zwingenden Drang gekennzeichnet, sich täglich und dazu möglichst in langen Zeiträumen mit dem PC oder an diesem zu beschäftigen. Die Computer- und die Onlinesucht gehen schwimmend ineinander über und können nicht mehr voneinander getrennt bewertet werden. Süchtige sind offensichtlich unterschiedlich für Außenstehende erkennbar.

Computersüchtige sind häufig Einzelgänger

Gerade bei der Computersucht ist die Dunkelziffer der Betroffenen sehr hoch. Daher wird diese Sucht auch nur sehr selten behandelt. Woran es liegt, dass diese Sucht in ihrer Gefahr sehr unterbewertet wird, ist nicht klar definierbar. Zum einen kann es sich hier um ein gesellschaftliches Problem handeln, weil der PC eben ohnehin immer mehr Bedeutung im Leben gewinnt und somit die Nutzungsdauer des PCs sich ständig erhöht. Zum anderen wird der Onlinesucht seitens der Medizin noch sehr wenig Beachtung geschenkt. Tendenziell erkennbar ist, dass Süchtige bereits vor Eintreten der echten Sucht schon eher Einzelgänger waren und die sozialen Kontakte für diese Betroffenen auch vor der Sucht schon einen geringen Stellenwert im Leben hatten. Eine grundsätzliche Bereitschaft von Einzelgängern zur Computersucht daran festzumachen, wäre aber eine gefährliche Einstufung.

Wenige bisher bekannte Fälle geben auch den Forschern und Medizinern nur wenig Basiswissen für weitere Erforschungen an die Hand. Erwiesen ist allerdings, dass ein großer Teil der Süchtigen über eine überdurchschnittliche Intelligenz verfügt. Auch die Allgemeinbildung bei den Betroffenen ist häufig als deutlich überdurchschnittlich zu bezeichnen

Computersucht verläuft schleichend

Der Verlauf der Computersucht ist, wie bei den meisten anderen Süchten auch, schleichend. Zunächst wird jemand von seiner Umgebung als Computerfan bezeichnet und nicht selten ist es auch bei Erwachsenen so, dass 70 oder mehr Stunden in der Woche am PC verbracht werden. Dabei wird nicht selten das gesamte Sozialverhalten auf den PC ausgerichtet. Entertaste statt Kommunikation, das ist häufig dann schon ein eindeutiges Indiz dafür, dass der Betroffene seiner Leidenschaft nicht mehr freiwillig, sondern unter einem Zwang nachkommt.

Studien unterscheiden die Computerfreaks in drei Gruppen. In der ersten Gruppe wird der Computer als reines Spielzeug betrachtet, das dem Vergnügen dient und zugunsten anderer Aktivitäten in den Hintergrund rückt. Die zweite Gruppe nutzt den Computer bereits als Arbeitsgerät, nimmt ihn als Hilfsmittel sehr ernst und nutzt den PC auch als Lernhilfe und für andere Aufgabenerfüllungen. In der dritten Gruppe befinden sich schließlich die Menschen, denen der Computer wichtiger Ersatzpartner oder ersatzweiser Sozialkontakt geworden ist. Diese Gruppe vernachlässigt zugunsten der Beschäftigung am PC auch soziale Kontakte.

Zwar ist die dritte Gruppe tendenziell gefährdet eine Sucht zu entwickeln, dennoch sollte man auch hier mit der Definition sehr vorsichtig umgehen. Während nämlich Autofanatiker und Musikfreaks ihre Leidenschaft als gesellschaftlich akzeptiert betreiben können, wird beim Computerfreak häufig ein strengerer Maßstab im Hinblick auf das Suchtverhalten angelegt.

Dennoch lohnt es sich, dass man sich selbst im Umgang mit dem PC beobachtet, gerade wenn ein Verhalten der dritten Gruppe verzeichnet wird. Hier kann der Fachmann, also ein Psychologe, eine gute Anlaufstelle sein um eine mögliche Computersucht, auch und gerade bei Kindern und Jugendlichen, im Vorfeld eingrenzen zu können.