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EHEC-Virus Symptome erkennen – Schutz contra Panik

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EHEC
© Bounlow-pic - Fotolia.com

Nach der Schweinegrippe ist EHEC nun eine weitere Erkrankung, von der ein erhöhtes Risiko für die Gesundheit ausgeht. Schon einige Erkrankte befinden sich in stationärer medizinischer Betreuung. Daher ist es wichtig, über die Krankheit aufgeklärt zu ein, ohne dabei in Panik zu verfallen.

Generell kann die Infektion mit den EHEC-Bakterien bei Menschen zu blutigen Durchfällen bis hin zu Nierenversagen führen. Gerade Menschen mit geschwächter Gesundheit oder einem insgesamt instabilen Organismus sind besonders gefährdet. Auch wenn die Erkrankung meisten ohne Symptome verläuft und daher kein Grund für Panik besteht, ist es dennoch sinnvoll, über die Krankheit informiert zu sein. Derzeit sind in Norddeutschland gehäuft Fälle von EHEC zu verzeichnen. Der Infekt breitet sich aber langsam über die Republik aus und auch Süd- und Ostdeutschland sind schon von Fällen des EHEC-Virus betroffen.

Über die Infektionsquelle wird derzeit noch spekuliert und gerade kontaminiertes Gemüse gilt als Risikofaktor. Häufig tritt der EHEC-Virus bei Kindern auf. Allerdings sind inzwischen auch vermehrt Erwachsene – und hier insbesondere Frauen betroffen. Über die genaue Quelle der Bakterien herrscht bislang noch Uneinigkeit, denn sie konnte noch nicht identifiziert werden. Die gewöhnlich häufigste Ursache für Infektionen aus der Nahrung, nämlich das Fleisch, ist diesmal wohl nicht der Bakterienträger. Daher nimmt man an, dass Obst und Gemüse die EHEC-Bakterien überträgt.

Wichtig zu wissen ist, dass die meisten Fälle einer Infektion mit EHEC unbemerkt und völlig beschwerdefrei verlaufen. Die Infektion wird durchlaufen, ohne dass der Betroffene davon etwas bemerkt.

Nachfolgend die wichtigsten Fragen und Antworten zur EHEC Erkrankung.

» Was ist EHEC überhaupt?
» Welche Symptome treten bei einer EHEC-Erkrankung auf?
» Was ist das HUS-Syndrom?
» Wie lange ist die Inkubationszeit beim EHEC-Virus?
» Wie lange ist man als Erkrankter ansteckend?
» Wer ist besonders gefährdet, am EHEC-Virus zu erkranken?
» Wann ist es sinnvoll, zum Arzt zu gehen?
» Wie wird die EHEC-Erkrankung behandelt?
» Wie wird der EHEC-Virus übertragen?
» Kann man einer Infektion mit EHEC vorbeugen?

Was ist EHEC überhaupt?

Die Bezeichnung EHEC wird aus dem Begriff enterohämorrhagische Escherichia coli abgekürzt. Dabei handelt es sich um Bakterien, die beim Menschen zu einem blutigen Durchfall führen. Teilweise kann der Durchfall sogar sehr bedrohliche Ausmaße annehmen. In einigen Fällen – und hier gerade bei alten Menschen und Kindern – kann sich das sogenannte hämolytisch-urämische Syndrom, kurz HUS, einstellen. Dabei handelt es sich um eine Komplikation während der Durchfälle, die sogar lebensbedrohliche Ausmaße annehmen kann. Diese besonderen Verläufe von EHEC sind allerdings sehr selten, wirken dennoch durch die Medienpräsenz besonders bedrohlich auf die Bevölkerung.

Die Bakterien aus dem Stamm der Escherichia coli, also E. coli, sind grundsätzlich harmlose Darmbakterien. Diese Bakterien gehören zu den normalen Darmbakterien. Bei den EHEC-Bakterien ist es allerdings so, dass sie Zellgifte, die sogenannten Shigatoxine, produzieren. Genau diese Zellgifte sind es, die die EHEC-Bakterien gefährlich machen, denn sie sorgen für die intensiven Krankheitsbeschwerden. Dabei gilt die Regel, dass der Organismus umso empfänglicher und auch empfindlicher auf die Zellgifte reagiert, je schwächer er ist und je höher die Belastung des Immunsystems ist.

Welche Symptome treten bei einer EHEC-Erkrankung auf?

» intensiver Durchfall
Wer sich mit den EHEC-Bakterien infiziert und die Erkrankung auch durchläuft, leidet unter einem intensiven Durchfall. Dieser ist wässrig und kann teilweise sogar etwas blutig sein.

» starke Bauchschmerzen
Begleitend zum ausgeprägten Durchfall können sich dazu auch starke Bauchschmerzen einstellen.

» Erbrechen und Übelkeit
In vielen Fällen sind bei den Symptomen auch Erbrechen und Übelkeit zu verzeichnen. Teilweise sogar sehr stark.

» gelegentlich Fieber
Gelegentlich kann es zu einer erhöhten Körpertemperatur kommen, was aber nicht zwingend der Fall sein muss.

» Nierenversagen
In etwa 10 bis 20 Prozent der Erkrankungsfälle nimmt die Infektion mit EHEC einen sehr schweren Verlauf. Von allen Erkrankten sind rund 5 bis 10 Prozent von so schweren Symptomen betroffen, die mit so starkem blutigen Durchfall einhergehen, dass sich lebensbedrohliche Komplikationen entwickeln. Hierbei sprechen Mediziner dann von dem hämoyltisch-urämischen Syndrom, das auch kurz als HUS bezeichnet wird. Die Folge des HUS kann sich in akutem Nierenversagen sowie Blutarmut zeigen. Die Beschwerden beim HUS treten innerhalb von etwa sieben Tagen auf, nachdem der Durchfall begonnen hat. Von diesem schweren Verlauf der Erkrankung sind gerade Kinder häufig betroffen.

Was ist das HUS-Syndrom?

Das hämolytisch-urämische Syndrom ist sehr selten. Gemäß dem Infektionsschutzgesetz ist eine Erkrankung mit HUS allerdings meldepflichtig. Das Toxin Verotoxin ist der Auslöser für HUS. Im Falle der HUS ist eine starke Schwächung des Körpers zu verzeichnen, die mit Blässe und einem Rückgang oder sogar einem Ausbleiben der Urinproduktion einhergeht. Gelegentlich kann es auch zu Krampfanfällen oder Eintrübungen des Bewusstseins kommen, was dann auf eine Beteiligung des Gehirns an der HUS hindeutet. In diesen wenigen Fällen sind die Prognosen für den Krankheitsverlauf sehr ungünstig. Eine Dialysebehandlung kann die Auswirkungen der HUS im Rahmen des Nierenversagens allerdings auffangen. Antibiotika und auch Antidiarrhoika, also Durchfallhemmer, dürfen in Fällen von HUS nicht eingenommen werden, denn sie halten das Bakterium länger im Körper, das eigentlich ausgeschieden werden soll. Weitere Informationen zum hämolytisch-urämischen Syndrom finden Sie auf www.aerzteblatt.de.

Wie lange ist die Inkubationszeit beim EHEC-Virus?

Bei der Inkubationszeit spricht man vom Zeitpunkt der Infektion bis zum Ausbruch der Erkrankung. Ist eine Infektion mit EHEC erfolgt, dann liegt die Inkubationszeit – je nach körperlichem Status und Alter – bei drei bis vier Tagen. In einigen Fällen ist aber auch eine Inkubationszeit von zwei oder sogar 10 Tagen möglich.

Wie lange ist man als Erkrankter ansteckend?

Die Zeiträume, in denen Infizierte sich auch auf andere Menschen als ansteckend auswirken, sind sehr variabel. Eine Infektionsgefahr bei einer EHEC-Erkrankung kann einige Tage betragen. Allerdings kann die Infektionsgefahr für andere Menschen auch mehrere Monate dauern, in denen die Bakterien dann im Organismus noch aktiv sind, obwohl die Krankheit bereits überstanden wurde. Wichtig zu wissen ist, dass für andere Menschen auch eine Infektionsgefahr besteht, wenn keine Symptome beim Infizierten zu verzeichnen sind, dieser aber trotzdem Bakterienträger ist.

Wer ist besonders gefährdet, am EHEC-Virus zu erkranken?

Infizieren kann sich jeder mit den Bakterien, allerdings bricht die Erkrankung längst nicht bei allen Infizierten aus. Gerade ältere Menschen, Kinder sowie Personen, die ein geschwächtes Immunsystem haben, sind besonders gefährdet, auch tatsächlich am der EHEC-Virus zu erkranken. Bei den aktuellen Fällen der Infektion sind nur zu einem sehr geringen Anteil Erwachsene als Erkrankte betroffen.

Wann ist es sinnvoll, zum Arzt zu gehen?

Wenn ein Durchfall ausbricht, ist für Panik noch lange kein Grund. Zum einen sind Durchfallerkrankungen in der warmen Jahreszeit nicht selten. Weiterhin ist eine Infektion oder eine Erkrankung mit dem EHEC-Bakterium auch noch kein Grund für übermäßige Ängste, die oftmals durch die Medien noch geschürt werden. In einigen Fällen einer Durchfallerkrankung ist es allerdings sehr sinnvoll, einen Arzt aufzusuchen.

Das ist besonders dann der Fall, wenn

  • der Durchfall länger als drei Tage andauert, obwohl er nicht blutig ist
  • der Durchfall blutig ist, denn dann ist es dringend notwendig, die Ursachen hierfür medizinisch abklären zu lassen

Bei Kindern sollten Durchfallerkrankungen generell von einem Arzt kontrolliert und behandelt werden, auch wenn es sich hierbei nicht um eine Infektion mit EHEC handelt.

Besonders wichtig und dringend ist der Besuch des Arztes mit dem Kind, wenn

  • es sich um ein Baby handelt, das mehr als viermal innerhalb von 24 Stunden Durchfall hat
  • ein Kleinkind über sechsmal innerhalb von 24 Stunden Durchfall zu verzeichnen hat
  • ein Schulkind acht- bis zehnmal Durchfall innerhalb von 24 Stunden hat

Diese Vorgehensweise sollte unabhängig von einer möglichen Infektion mit EHEC beachtet werden, da für Kinder ein Durchfall schneller gefährlich werden kann. Darüber hinaus kann die EHEC-Erkrankung einen intensiveren Verlauf als bei Erwachsenen nehmen.

Wie wird die EHEC-Erkrankung behandelt?

Ähnlich wie bei anderen bakteriellen Erkrankungen, die mit Antibiotika zur Abtötung der Bakterien behandelt werden, wird bei EHEC nicht gearbeitet. Diese Behandlung kann sich im Falle der EHEC-Infektion nämlich sehr ungünstig auf den Krankheitsverlauf auswirken. Zudem ist durch den Einsatz von Antibiotika die Gefahr gegeben, dass die ohnehin Zellgifte produzierenden Zellen noch mehr Gifte produzieren, den Patienten damit noch mehr schädigen.

Bei der EHEC-Infektion erfolgt die Behandlung dahingehend, dass in erster Linie die Symptome behandelt werden. Flüssigkeitsverluste werden durch neue Flüssigkeit sowie Elektrolyte ersetzt. So wird der Körper gestärkt, sich selbst gegen die Bakterien zu wehren. Damit wird gleichzeitig ein Austrocknen verhindert.

Kommt es zu Komplikationen – wie beispielsweise HUS, also dem hämolytisch-urämischen Syndrom, dann ist üblicherweise eine Behandlung auf der Intensivstation erforderlich.

Wie wird der EHEC-Virus übertragen?

Das klassische Reservoire, in dem sich die EHEC-Bakterien aufhalten, sind Wiederkäuer. EHEC lebt also sowohl in Hirschen als auch Rehen, Ziegen, Schafen und Rindern. Diese Wiederkäuer scheiden dann das Bakterium mit ihrem Kot aus, was zu einem Kontakt mit anderen Tieren und letztlich auch mit dem Menschen führen kann.

Eine weitere Übertragung findet über den Menschen auf andere Menschen statt. Weil die Infektion mit EHEC bei den meisten Menschen völlig ohne Symptome verläuft, sind Mediziner sich inzwischen relativ sicher, dass die EHEC-Bakterien im menschlichen Organismus stärker verbreitet sind, als bisher vermutet.

Die Übertragung der EHEC-Bakterien ist auf unterschiedlichen Wegen gegeben. Zum einen führen kontaminierte Lebensmittel – also rohe Milch und rohes Fleisch – zu einer Infizierung.

Ungewaschenes Obst und Gemüse ist nur selten für eine Infektion verantwortlich und auch nur dann, wenn mit EHEC infizierter Kot zur Düngung von Obst und Gemüse verwendet wurde.

Auch ein Kontakt mit Menschen, die mit dem EHEC-Bakterium infiziert sind, kann zu einer Übertragung der Bakterien führen. Diese Übertragung erfolgt dann in aller Regel über die sogenannte Schmierinfektion von hand zu Hand, wenn also Betroffene nach dem Toilettengang die Hände nicht ausreichend reinigen. Durch diese mangelnde Handhygiene kann auch eine Übertragung auf Lebensmittel erfolgen, die dann wiederum auf andere Menschen einwirken.

Auch der Kontakt mit Nutztieren, die mit EHEC-Bakterien infiziert sind, kann zu einer Übertragung führen.

Weiterhin kann die Erkrankung durch das Baden in Gewässern übertragen werden, die mit dem Bakterium infiziert sind.

Kann man einer Infektion mit EHEC vorbeugen?

Die Übertragung hierzulande geschieht in erster Linie zwischen Menschen durch Schmierinfektion sowie durch rohes Fleisch oder rohe Milch. Nur in seltenen Fällen sind Gemüse und Salate oder Obst für eine Übertragung der Bakterien verantwortlich.

Damit das Risiko, sich selbst mit EHEC zu infizieren, gering ausfällt, sind einige Vorkehrungsmaßnahmen sehr effektiv.

» Lebensmittel erhitzen
Das Zellgift, das den Körper krank macht, wird durch Erhitzen zerstört. Lebensmittel sollten also mindestens für 10 Minuten bei mindestens 70 Grad C erhitzt werden. Rohes Fleisch sollte tabu sein.

Milch sollte vor dem Verzehr erhitzt sein – also ultrahocherhitzt oder pasteurisiert. Rohe Milch, die vom Bauern stammt, kann die Bakterien dagegen enthalten und eine Infektion möglich machen.

» Hygiene ist das A und O
Bei der Zubereitung von Lebensmitteln im Rohzustand sollte Vorsicht walten. Rohe Milch, rohe Eier und rohes Fleisch sollte nur unter besonderen Hygienemaßnahmen zubereitet werden. Die Utensilien, die mit dem Lebensmittel in Kontakt geraten sind, sollten gründlich gereinigt und nicht ungereinigt für andere Lebensmittel verwendet werden. Das Messer, das Fleisch geschnitten hat, sollte danach nicht für das Schneiden von Salat eingesetzt werden, ohne dass es gründlich und heiß gespült wurde. Auch Schneidbretter sollten nach möglicherweise kontaminierten Lebensmitteln ausgetauscht werden und nicht für verschiedene Lebensmittel zum Einsatz kommen.

» Weitere vorbeugende Maßnahmen

  • Gründliches Händewachsen nach dem Kontakt mit rohen Lebensmitteln ist absolut oberstes Gebot.
  • Gemüse und Obst müssen vor dem Verzehr gründlich gewaschen werden.
  • Die Hände müssen vor der Zubereitung von Lebensmitteln und auch vor dem Essen gründlich gewaschen werden.
  • Auch wenn es immer die Regel sein sollte, nach jedem Toilettengang die Hände gründlich zu waschen, ist diese Hygienemaßnahme zur Vermeidung einer Infektion mit EHEC besonders wichtig. Erst recht bedeutsam wird das gründliche Händewaschen, wenn man schon an Durchfall leidet.

Eine gründliche Hygiene ist die wichtigste Voraussetzung, um eine Infektion mit EHEC und auch anderen Bakterien und Viren zu verhindern. Ein Grund zur Panik besteht aber auch bei dieser Infektionserkrankung grundsätzlich nicht!

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