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Erkältungs-Mythen – Welche stimmen, welche nicht?

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Erkältungs-Mythen
© Alexander Raths - Fotolia.com

Statistiken zufolge ist jeder Erwachsene etwa zwei- bis dreimal im Jahr erkältet. Kinder fangen sich einen Schnupfen sogar bis zu dreizehn Mal jährlich ein. Da eine Erkältung in der Regel harmlos ist und ohne Komplikationen verläuft, kurieren die meisten Menschen die vorübergehende Infektion mit Hausmitteln aus. Kein Wunder, dass über die Jahrhunderte diverse Mythen und Halbwahrheiten überliefert worden sind. Ob heiße Zitrone, warmes Bier oder kräftiges Schwitzen: Viele Rezepte gegen Erkältungen haben wir von unseren Müttern und Großmüttern. Inwieweit die Hausmittel eine hartnäckige Erkältung wirklich vertreiben können, ist eine andere Frage. Folgenden 10 Erkältungsmythen sind wir einmal auf den Grund gegangen:

» Mythos 1 & Eine Erkältung kommt durch die Kälte
» Mythos 2 & Nasse Haare und kalte Füße machen krank
» Mythos 3 & Nur wer niest und hustet, ist ansteckend
» Mythos 4 & Aus einer Erkältung kann schnell eine Grippe werden
» Mythos 5 – Bei einer starken Erkältung helfen nur noch Antibiotika
» Mythos 6 & Vitamin C macht wieder gesund
» Mythos 7 & Heiße Zitrone mit Honig hilft
» Mythos 8 & Warmes Bier ist gut gegen Erkältung
» Mythos 9 & Schwitzen vertreibt die Viren
» Mythos 10 – Eine Erkältung dauert mit und ohne Behandlung neun Tage

Mythos 1 & Eine Erkältung kommt durch die Kälte

Stimmt nicht. Eine Erkältung ist nichts anderes als eine Infektion mit einem Virus, der in der Regel die leicht erreichbaren Atemwege befällt und sich von dort vermehrt. Normalerweise macht ein intaktes Immunsystem dem Treiben schnell ein Ende. Doch fährt die Immunabwehr im dunklen Winter auf Sparflamme und sind bei trockener Heizungsluft die Schleimhäute zusätzlich gereizt, haben die Viren leichtes Spiel. Die Vielzahl hunderter unterschiedlichster Viren und ihrer Subtypen erklärt, warum Menschen so häufig an einer virusbedingten Erkältung erkranken können.

Zwei wesentliche Eigenschaften der Erkältung tragen zum Mythos bei, die Krankheit entstehe durch Kälte:

  • Zum einen treten die Infektionen vorzugsweise im Winter auf – also, wenn es kalt ist. Eine der Erklärungen ist, dass das Immunsystem durch den Lichtmangel generell immer etwas geschwächt ist. Eine Erkältung kann man bei geschwächtem Immunsystem ebenso gut im Sommer bekommen.
  • Zum anderen ist das erste Symptom einer Erkältung das typische Frösteln. Das Immunsystem reagiert auf die Virusinfektion mit der Freisetzung von Botenstoffen, welche die Thermoregulation im Hypothalamus (Region im Zwischenhirn) zu einer Erhöhung der Körpertemperatur veranlassen. Bei diesem Vorgang werden die Extremitäten weniger durchblutet, die Haut kühlt ab, man bekommt eine Gänsehaut und die Muskeln zittern – für eine Erkältung charakteristische Kälteempfindungen.

Mythos 2 & Nasse Haare und kalte Füße machen krank

Stimmt nicht. Jeder kennt ihn: Großmutters weisen Rat: „Kind, gehe nicht mit nassem Haar nach draußen. Du erkältest dich.“ Wer sich nach dem Duschen mit nassem Kopf ins Freie begibt, ist nicht automatisch stärker den Angriffen von Viren ausgesetzt. So trägt auch kein nasser Schopf im Freibad zu einer Erkältung bei. Im Gegenteil: Bei hochsommerlichen Temperaturen schützt die kleine Abkühlung zwischendurch sogar vor Überhitzung. Bedenklich wird es erst, wenn nasses Haar den Körper merklich auskühlt und die dadurch bedingte verminderte Durchblutung die Nasenschleimhäute austrocknet. Zum Thema kalte Füße: Diese sind eine Folge einer Erkrankung und nicht umgekehrt. Aufgrund der Virusinfektion werden die Füße weniger durchblutet und sind deshalb kalt (siehe Mythos 1).

Mythos 3 & Nur wer niest und hustet, ist ansteckend

Stimmt nicht. Zwar verbreitet sich eine Erkältung durch die Tröpfcheninfektion äußerst rasant, doch gibt es noch andere Wege, sich von Mensch zu Mensch anzustecken. Etwa durch Händeschütteln, nasse Handtuchrollen, Türgriffe oder Computertastaturen. Da diese leisen Schmierinfektionen weniger Beachtung finden als laut hustende Mitmenschen, lauern gerade hier die Gefahren. Hygiene ist hier das A und O.

Mythos 4 & Aus einer Erkältung kann schnell eine Grippe werden

Stimmt nicht. Eine Erkältung ist keine Vorstufe einer Grippe, da beide Krankheiten von völlig unterschiedlichen Viren hervorgerufen werden. Während die typischen Erkältungsviren völlig harmlos sind, kann eine Infektion mit dem echten Influenza-Virus einen lebensbedrohlichen Verlauf nehmen. Gegen Grippe kann man sich impfen lassen, gegen eine Erkältung nicht.

Mythos 5 – Bei einer starken Erkältung helfen nur noch Antibiotika

Stimmt nicht. Antibiotika helfen nur bei Bakterien. Und da die meisten Erkältungskrankheiten von Viren verursacht werden, sind Antibiotika bei einer Erkältung nutzlos. Im Gegenteil: Das vermeintliche Allheilmittel schadet sogar, denn es greift bei einem ohnehin geschwächten Organismus den Magen-Darm-Trakt an, führt zu Übelkeit und Pilzinfektionen. Antibiotika helfen nur bei so genannten Sekundärerkrankungen, die bei längerer Erkältung bzw. stark geschwächtem Immunsystem auftreten können und dann von Bakterien verursacht werden.

Mythos 6 & Vitamin C macht wieder gesund

Stimmt nicht. Wenn sich die Viren erst einmal verbreitet haben, kann mehr Vitamin C als gewohnt nichts mehr ausrichten. Vergleichsstudien zufolge kann mehr Vitamin C noch nicht einmal die Beschwerden lindern. Ein Zuviel des Guten kann sogar zu Durchfall führen. Vorbeugend stärkt die regelmäßige Einnahme von Vitamin C jedoch das Immunsystem. Mediziner und Ernährungswissenschaftler raten dabei von zusätzlichen Vitaminpräparaten ab. Wer sich ausgewogen ernährt und viel frisches Obst und Gemüse zu sich nimmt, versorgt sich automatisch und im ausreichendenden Maße mit Vitaminen. Eine vitaminreiche Kost während und nach einer Erkältung unterstützt das Immunsystem und den Organismus dabei, sich schneller wieder zu erholen.

Mythos 7 & Heiße Zitrone mit Honig hilft

Bei der Gonorrhoe, die umgangssprachlich auch als Tripper bezeichnet wird, erfolgt eine Ansteckung mittels Bakterien. Die Ansteckung erfolgt ausschließlich durch den direkten Kontakt von Schleimhäuten. Gerade beim Geschlechtsverkehr erfolgt die Infektion über Penis und Scheide, den Mund oder den Po. Hier sind auch die ersten Anzeichen der Infektion zu erkennen, denn Entzündungen weisen auf eine Erkrankung hin.

Wird der Tripper nicht behandelt, steigen die Erreger in den Geschlechtsorganen auf, was letztlich zu einer Unfruchtbarkeit führt. Die Erreger des Tripper können nach einem bis sechs Tagen, in seltenen Fällen erst nach zwei Wochen durch den Arzt nachgewiesen werden. Das große Problem dieser Krankheit besteht darin, dass sie oftmals keinerlei Beschwerden verursacht, und dass deshalb kein Arzt aufgesucht wird. Jede zweite Frau, die sich mit dem Tripper infiziert hat, spürt diese Infektion überhaupt nicht.

Mythos 8 & Warmes Bier ist gut gegen Erkältung

Stimmt nicht. Warmes Bier macht zwar innerhalb kurzer Zeit sehr schön müde, doch am nächsten Morgen rächt sich die alkoholische Einschlafhilfe. Wer zu tief ins Glas geschaut hat, hat noch stärkere Kopfschmerzen und auch die anderen Beschwerden wie Halsschmerzen und verstopfte Nase haben sich nicht gebessert. Zum besseren Einschlafen bewährt hat sich dagegen ein anderes Hausmittel: warme Milch mit Honig.


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Mythos 9 & Schwitzen vertreibt die Viren

Stimmt nur zum Teil. Wer sich einer kurzen Schwitzkur unterzieht, erzeugt ein künstliches Fieber, das unter Umständen einige Viren abtöten kann – allerdings bei weitem nicht alle. Von einer Schwitzkur bei fortgeschrittener Erkältung raten Experten sogar ab, da Herz und Kreislauf unnötig belastet werden. Schwitzen ist nur bei absoluter Gesundheit und im Winter als vorbeugende Maßnahme zu empfehlen (z.B. regelmäßiges Saunieren). Wärme ist bei einer Erkältung jedoch immer besser als Kälte, da die durch die Wärme geweiteten Blutgefäße eine bessere Blutversorgung der Schleimhäute gewährleisten und das unangenehme Muskelzittern beenden. Hühnerbrühe, Lindenblütentee und eine mollig warme Decke erzeugen eine angenehme und gesundheitsfördernde Wärme.

Mythos 10 – Eine Erkältung dauert mit und ohne Behandlung neun Tage

Stimmt. Wirkungsvolle Medikamente gegen Erkältungsviren gibt es nicht. Der Körper bekämpft die Krankheit mit eigenen Mitteln und das dauert eben ein paar Tage. Schnupfen, Husten und Halsschmerzen können nur gelindert werden. Und dann gilt. lieber ein natürliches Hausmittel zu viel und ausreichend Schlaf als die chemische Keule aus der Apotheke. Selbst die rezeptfreien Arzneistoffe Paracetamol und Iboprofen zeigen bei Überdosierung und längerer Einnahme mehr schädliche Nebenwirkungen als heilende Wirkung.