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Glaube an Gesundheit und Heilung versetzt Berge

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Krankheit Glaube
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Glaube versetzt Berge – schon lange ist dies eine bekannte Weisheit. Dass der Glaube an eine Gesundung auch bei schwerwiegenden Erkrankungen eine große Hilfe sein kann, ist inzwischen auch in der Schulmedizin unumstritten. Leiden zwei Menschen an der gleichen Erkrankung, hat derjenige, der den Glauben an seine Genesung noch hat, größere Chancen, diese auch zu erreichen als der Patient, der sich bereits aufgegeben hat.

Wissenschaftliche Versuche haben in zahlreichen Wiederholungen den Beleg geliefert, dass eine Heilung unterstrichen werden kann und die Gesundheit gefördert wird, wenn der Glaube an die Gesundheit beim Patienten vorhanden ist. Aber insgesamt sind sowohl Neurologen als auch Mediziner und Psychologen noch nicht wirklich schlüssig, warum dieses körpereigene Gesundheitssystem funktioniert – und vor allem: wie.

Glaube bedeutet Willenskraft

Allen gemeinsam ist bisher lediglich die Erkenntnis, dass die Herkunft des Glaubens an die Gesundung ziemlich gleichgültig ist. Ob ein Mensch nun die Kraft für den Glauben aus religiösen oder esoterischen Hintergründen bezieht oder ob es – ganz weltlich – schlichtweg die enorme Willenskraft ist, die den Glauben erzeugt, wieder gesund zu werden oder auch zu bleiben, ist ziemlich unwichtig. Der Glaube an sich ist das Geheimnis, das zum Erfolg führt.

Wichtig und nicht unbedeutend ist aber, dass allein der Glaube natürlich nicht helfen kann. Wer nun darauf vertraut, unangenehme oder teilweise auch schmerzhafte Behandlungen bei einer lebensbedrohenden Krankheit vermeiden zu können und allein auf seinen Glauben setzt, kann hier natürlich keine zufriedenstellenden Ergebnisse feststellen. Der Glaube an die Gesundheit kann nur unterstreichen, Therapien kann er nicht ersetzen.

Forschung beweißt, dass Glaube hilft

Die Forschung arbeitet aber ebenso wie in der Medizin auch im Bereich der Psychologie ständig weiter und so wurden verschiedene Forschungsergebnisse zur Thematik des Glaubens an die Gesundheit erst zum Anfang des Jahres 2009 vorgestellt. Hier waren es Erklärungsversuche, die sich auf die positive Wirkung des Glaubens an die Gesundheit ergaben.

Die Erkenntnis, dass der Glaube an Gesundheit und Gesundung eine wichtige Rolle spielt, war dabei aber schon eher Selbstverständlichkeit als Forschungsthema. Die Erkenntnis, dass der Glaube an Gesundheit und Gesundung stark fördernde Wirkung auf den Verlauf einer Krankheit hat, konnte durch verschiedene Forschungsergebnisse unterstrichen werden.

Religion und Glaube helfen beim Gesundwerden

Interessant in diesem Zusammenhang ist auch, dass die Religion des Menschen immer dann, wenn er überzeugt hinter ihr steht, auch wesentlichen Anteil an der Gesundung nehmen kann. Ein regelmäßiger Kirchgänger oder ein gläubiger Mensch kann also bei einer schweren Erkrankung ein niedrigeres Sterberisiko haben als ein Mensch, der keinerlei Glauben hat – unabhängig von der Religion. Selbst der Verlauf der Erkrankung bei Aids-Kranken oder HIV-Infizierten nahm einen deutlich positiveren Verlauf als bei Erkrankten oder Infizierten, die sich in ihr Schicksal gefügt hatten und an ihre Gesundung nicht wirklich glaubten.

Wichtig ist nach den Thesen der Forscher dabei übrigens nicht die Religionszugehörigkeit, sondern eher die Bereitschaft, an positive Einflüsse im Leben generell zu glauben. Diese Menschen haben übrigens auch ohne Erkrankung eine höhere Lebenserwartung. Der Glaube an positive Einflüsse und Verläufe – gleich welcher Art – kann auch für gesunde Menschen zwei bis drei Jahre mehr Lebenserwartung bedeuten, völlig unabhängig von Religionszugehörigkeit, sondern allein aus der positiven Einstellung heraus.

Ein stabiles Umfeld fördert den Heilungsprozess

Menschen, die an positive Verläufe glauben, können generell mit Krankheiten besser umgehen – und das gilt auch für Menschen mit lebensbedrohlichen Erkrankungen. Der Hintergrund, warum es häufig religiöse Menschen sind, denen diese Fähigkeiten zugeordnet werden liegt darin, dass eben gerade in religiösen Gemeinschaften ein guter Zusammenhalt, funktionierende gegenseitige Hilfen und damit eine Stabilität für das gesamte Leben gewährleistet werden.

Sozialforscher sehen diese Hintergründe eher umfassend und beurteilen damit die Möglichkeit, für alle Menschen, die eine positive Einstellung zum Leben haben und darüber hinaus über ein stabiles soziales Umfeld verfügen, als sehr gewinnbringend für den Verlauf einer Erkrankung. Diese Erkenntnis wurde von Sozialforschern der Universität Texas erarbeitet.

Glaube und Seelsorge im Einklang

Nicht nur Theologen, auch Wissenschaftler gehen inzwischen dazu über, dass die Kombination von Medizin und Seelsorge eine sinnvolle Möglichkeit ist, Kranken bei ihrer Gesundung unter die Arme zu greifen. Inzwischen sehen es viele Wissenschaftler sogar als sinnvoll an, wenn der Onkologe während seiner Behandlung des Krebspatienten von einem Seelsorger unterstützt wird. Dieser Seelsorger kann natürlich auch durch eine andere, stabilisierende Person aus dem sozialen Umfeld des Erkrankten gestellt werden.

Wichtig ist eben, dass der Mensch, der von einer schweren Erkrankung betroffen ist, sich dieser Erkrankung nicht hilflos ausgesetzt fühlt, was oftmals auch durch die für Laien undurchschaubaren Therapien unterstützt wird, sondern dann der Erkrankte das Gefühl vermittelt bekommt, einen wesentlichen Teil zur Gesundung aktiv beitragen zu können.

Leider ist die Bereitschaft von sozial und seelisch betreuenden Personen, sich an der Gesundung des Patienten aktiv zu beteiligen, noch immer deutlich größer als die Offenheit der Gesundheitsexperten für diese unterstützenden Personen. Umfragen von Psychologen der Universität Indiana haben verdeutlicht, dass rund 75 Prozent der erkrankten Personen für eine seelsorgerische Unterstützung im Rahmen ihrer Behandlung sehr offen waren und diese auch als unterstützend beurteilten.

Medizinische Behandlung bleibt Basis für den Genesungsprozess

Schon im Jahr 1988 hat ein Kardiologe aus San Francisco ein Projekt gestartet, bei dem die soziale Unterstützung und deren Bedeutung für Herzpatienten erforscht wurde. So wurde im Rahmen dieser Studien festgestellt, dass Menschen, die ein stabiles soziales Umfeld hatten und auch konkrete Ansprechpartner für Krisensituationen einen deutlich günstigeren Verlauf der Erkrankung verzeichnen konnten, als dies für Patienten galt, die sich lediglich auf medizinische Maßnahmen verließen und ansonsten der Erkrankung mehr oder weniger allein begegneten.

Allerdings ist es grundsätzlich schwer belegbar, welche Dosis an Glauben an die Gesundheit erforderlich ist, um tatsächlich positive Ergebnisse zu erzielen. Die medizinische Behandlung ist und bleibt natürlich die Basis für den Gesundungsprozess. Allerdings sollte der Glaube an den Gesundungsprozess eben – auch nach Meinung von Wissenschaftlern – nicht unterschätzt werden beim Prozess der Heilung. Ob es allerdings für stark auf den Erfolg konzentrierte Patienten ebenso in der Relation messbar höhere positive Verläufe der Erkrankung gibt als für Menschen, die in ihrem Glauben an die Gesundung wankelmütiger sind, bleibt bis heute offen.

Der Glaube an die Gesundung oder die Gesundheit kann eben nicht in medizinisch messbaren Dosen verabreicht werden.

Ist der Glaube an die Genesung nur ein Placebo Effekt?

Der positive Einfluss des Glaubens von Patienten an ihre Gesundung ist eben auch im sogenannten Placebo-Effekt belegt, der nachweislich vorhanden ist und auf einen Krankheitsverlauf günstige Einflüsse nimmt.

Wichtig für Patienten soll nach Tests übrigens auch sein, dass andere Menschen an ihre Gesundung glauben. Wer hier ein stabiles soziales Umfeld hat, das unterstützend auf den Krankheitsverlauf wirkt, hat deutlich bessere Prognosen als ein Patient, der weder selbst noch aus dem sozialen Umfeld heraus den Glauben an die Gesundung findet. Auch diese Erkenntnis wird mit dem Placebo-Effekt gemeinsam betrachtet.

Das Gehirn ist auch hier wieder die Basis und das Zentrum des menschlichen Körpers, das lernfähig ist und auch Körperfunktionen in Krankheiten günstiger oder ungünstiger beeinflussen kann.

Die Scheitellappen im Gehirn sind verantwortlich für den Glauben

Der Scheitellappen des Gehirns soll nach neurologischen Forschungen für Glauben zuständig sein. Dazu sind es die Stirnlappen, die wichtigen Einfluss auf den Glauben eines Menschen an positive Ereignisse nehmen. Bei der Konzentration des Menschen auf einen Glauben an bestimmte Abläufe wurde in neurologischen Untersuchungen eine ruhigere Aktivität der Stirnlappen verzeichnet.

Und das sind zunächst auch die einzigen organischen Erklärungen, die für den Erfolg einer Behandlung in Kombination mit dem Glauben des Patienten an seine Gesundung vorhanden sind. Wirklich medizinisch belegbar sind die komplexen Vorgänge im Menschen im Hinblick auf seinen Gesundungsverlauf nicht. Hier sind es Erfahrungswerte, auf die gesetzt wird und die genau diese Thesen zum Thema „Verlauf einer Erkrankung und Chance auf Heilung“ bestätigen.

Viele von uns haben diese Erfahrung bereits machen müssen, wenn ein Mensch, der aus medizinischer Sicht Erfolg auf Heilung gehabt hätte, plötzlich und unerwartet an genau dieser Erkrankung stirbt. Nicht selten erfolgt dann auch der Ausspruch „er/sie hat sich aufgegeben“.

Welchen Einfluss der Glaube an Gesundheit auf den Körper nimmt, diese Verläufe befinden sich weiterhin in der Forschung und Stück für Stück werden hier Erkenntnisse auch im Zusammenhang mit Hirnfunktionen zutage kommen.

Bis dahin hilft eben einfach der Glaube an Gesundheit.