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Kinder stressfrei erziehen – Sieben Regeln schonen die Nerven der Eltern

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Kinder stressfrei erziehen - Sieben regeln schonen die Nerven der Eltern
© markzfilter - Pixabay.com

Kindererziehung ist eine echte Aufgabe und wer meint, dass allein das Vorleben von gutem Umgang miteinander ausreicht, ist spätestens dann eines Besseren belehrt, wenn die Umwelt mehr und mehr Einfluss auf das Familienleben gewinnt.

Während ein Baby noch fast ausschließlich durch die Einflüsse des Elternhauses geprägt wird, fängt es schon im Kindergarten an, dass Kinder sich Verhaltensweisen anderer Kinder abschauen und auch aneignen. Weiter geht es dann in der Schule und Eltern sind so permanent gefordert, ihre Erziehungsmuster zu hinterfragen. Interessant ist, dass es eher sinnvoll in der Erziehung ist, wenn Eltern eine gewisse Konsequenz walten lassen. Auch wenn die Sprösslinge immer quengeln und Vergleiche zu anderen Kindern anstellen, eine gewisse Konsequenz in der Erziehung hat unschlagbare Qualität.

Regel 1 – Das Kind als Kind sehen
Regel 2 – Vermitteln Sie immer Schutz und Sicherheit
Regel 3 – Machen Sie ihr Kind nicht für ihr Glück oder Unglück verantwortlich
Regel 4 – Lassen Sie ihrem Kind Freiheiten
Regel 5 – Schenken Sie ihrem Kind bedingungslose Liebe
Regel 6 – Seien Sie behilflich und beweisen Sie Geduld
Regel 7 – Lassen Sie zu das ihr Kind sie braucht

Entspannt und stressfrei erziehen

Buchtipp: Entspannt erziehen!

Das Buch „Entspannt erziehen“ ist unser Geheimtipp für genervte Eltern. Ja es sollte unserer Meinung nach sogar Pflichtlektüre werden. Die 25 Jahre Praxiserfahrung merkt man dem Autor deutlich an. In fast jedem Kapital haben wir uns selbst wieder erkannt und gehen Kindererziehung nun anders an.

Das Bauchgefühl sprechen lassen

Bauchgefühl contra Erziehungsratgeber, das ist die Empfehlung, die Erziehungsberater vermehrt geben, wenn Eltern an der Erziehung ihrer Sprösslinge Zweifel haben. Ein Kind benötigt klare Regeln und die freie Entfaltung der Persönlichkeit des Kindes sollte nicht zulasten der Umgebung gehen. Wenn das Kind permanent dazwischenredet, wenn die Eltern telefonieren, ist es beispielsweise für Eltern nach neuen Erkenntnissen und Beobachtungen nicht mehr zumutbar, wiederum die Erklärungen dafür anzubringen, warum dieses Verhalten nicht toleriert wird. Hier darf es auch einmal eine klare Ansage sein, die an das Kind gerichtet wird.

Konsequentes Verhalten ist das A und O

Eltern sollten sich wieder mehr abgrenzen, sich nicht als Kumpel des Kindes darstellen, sondern ganz klar Stellung zur Erziehungsaufgabe nehmen. Die Erziehung sollte nicht autoritär, sondern intuitiv sein. Das heißt im Klartext, dass nicht starre Regeln aufgestellt werden sollen, sondern dass Eltern auch ihre eigenen Bedürfnisse klar darlegen. Möchte der besagte Elternteil also gern telefonieren, so ist es keine Beschneidung der Persönlichkeit des Kindes, wenn dieser Wunsch auch deutlich durchgesetzt wird.

Nicht selten wird aber heute eher der Weg gewählt, das Telefonat auf die Schlafzeiten des Kindes zu legen und anstelle dessen für das Kind bereitzustehen und seinem Redebedürfnis nachzukommen. Oder aber – noch schlimmer – zunächst geduldig zu funktionieren und dann irgendwann zu explodieren. Für das Kind ist ein solch inkonsequentes Verhalten weniger nachvollziehbar als eine konsequente und intuitive Erziehung.

Eine partnerschaftliche Umgangsweise mit dem Problem des Telefonates ist häufig langwierig, müßig und zudem wird das Kind wieder und wieder ein Argument finden, warum sein Anliegen nun gerade höheren Stellenwert hat als das Telefonat des Elternteils. Wer hier klar Stellung bezieht und das Kind notfalls auch aus dem Raum verweist, um das Telefonat ungestört führen zu können, hat seine Aufgabe als Eltern wahrgenommen und sich nicht auf eine partnerschaftliche Lösung auf Augenhöhe mit dem Kind eingelassen.

Kinder nicht als Partnerersatz ansehen

Neue Erkenntnisse, die im Zusammenhang mit verhaltensauffälligen Kindern aus Forschungen hervorgehen, belegen, dass Eltern auch immer ihre Aufgabe und Rolle als Eltern wahrnehmen sollen und Kinder nicht als Partnerersatz nutzen sollten. Kinder sind keine gleichwertigen Partner und deshalb sollten sie auch nicht als solche behandelt werden. Und wer der Ansicht ist, dass ein Kind glücklich ist, wenn es langwierige Erklärungen regelmäßig wieder für selbstverständliche Abläufe erhält, der irrt nach neuesten Erkenntnissen nämlich.

Kinder mögen klare Linien, die ihnen einen bestimmten Spielraum für ihr Handeln ermöglichen, die aber auch klar erkennen lassen, wann eben diese Grenzen erreicht sind. Diese Grenzen zu setzen, ist Aufgabe der Eltern. Und genau hier sollten Eltern auch das Bewusstsein haben, dass sie die Regeln festlegen müssen.

Aber welches sind denn jetzt die sieben goldenen Regeln, die Eltern stressfreier leben lassen und Kinder zu wirklich glücklichen, weil geführten, Kindern machen?

Regel 1 – Das Kind als Kind sehen

Ein Kind sollte grundsätzlich als Kind gesehen werden und das ist möglich, wenn es sich nicht mit Erwachsenenproblemen herumschlagen muss. Ob ein Film altersgerecht ist und warum vielleicht nicht, ob die Eltern gerade einen finanziellen Engpass haben oder ob aktuell Beziehungsprobleme bei den Eltern bestehen – diese und alle anderen Erwachsenenthemen sollten solche bleiben. Kinder müssen von diesen Problematiken unbelastet bleiben. Eine klare Aussage wie „der Film ist für dich noch nicht geeignet“ reicht aus und muss nicht in umständliche Erklärungen ausufern.

Regel 2 – Vermitteln Sie immer Schutz und Sicherheit

Die zweite goldene Regel lautet, dass Kinder sich immer und zu jeder Zeit darüber sicher sein sollten, dass Eltern ihnen den erforderlichen Schutz bieten. Ob dies im Straßenverkehr oder in anderen riskanten Situationen ist, spielt überhaupt keine Rolle. Kinder müssen sich von Eltern beschützt fühlen und nicht das Empfinden haben, dass sie auf sich ganz allein gestellt sind.

Regel 3 – Machen Sie ihr Kind nicht für ihr Glück oder Unglück verantwortlich

Regel Nr. 3 lautet, dass sich Kinder nicht für die Erwachsenen oder deren Glück verantwortlich fühlen dürfen. Ob es nun eine schwierige Phase in der Beziehung der Eltern ist oder aber der Stress bei der Arbeit – Kinder übernehmen schnell die Verantwortung für diese schlechten Phasen und genau das darf nicht geschehen. Verantwortungsvolle Eltern geben ihrem Kind klar zu verstehen, dass es für das Glück der Erwachsenen nicht verantwortlich ist.

Regel 4 – Lassen Sie ihrem Kind Freiheiten

Regel vier lautet, dass Kinder Freiheiten genießen dürfen, die eben nur Kindern zustehen. Ob es nun die völlig verschmutze Hose ist, mit der man vom Spielplatz kommt oder die Ausgelassenheit, die häufig auch mit Albernheit übersetzt wird. Kinder haben ihrem Alter entsprechende Freiheiten, die sie auch nutzen dürfen und sollten. Dabei sollte den Kindern aber klar gemacht werden, dass auch diese Freiheiten durch klare Grenzen begrenzt sind, wenn es zum Beispiel um Sicherheit oder Rücksicht auf andere geht.

Eltern müssen hier ein ganz besonderes Fingerspitzengefühl entwickeln, zumal es häufig so ist, dass ein Kind in der Familie besonders viele kindgerechte Freiheiten benötigt, während das andere auf diese eher weniger Wert legt. Die Chance darauf sollten aber alle Kinder haben.

Regel 5 – Schenken Sie ihrem Kind bedingungslose Liebe

Regel fünf setzt klar fest, dass Kinder einen Anspruch auf Liebe haben. An diese Liebe dürfen keine Bedingungen geknüpft werden. Kinder sollen und müssen sich der Liebe ihrer Eltern zu jeder Zeit sicher sein. Für Kinder ist es enorm wichtig, sich ständig der Liebe und Zuwendung ihrer Eltern sicher zu sein. Ein Kind muss keine Bedingungen erfüllen, um geliebt zu werden und Eltern sollten sich auch nicht das Recht herausnehmen, Kinder mit Liebesentzug zu strafen. Ein sicheres Gefühl in der Familie stellt für Kinder die Basis der Entwicklung dar.

Regel 6 – Seien Sie behilflich und beweisen Sie Geduld

Regel sechs in der sinnvollen Kindererziehung besagt, dass es vieler Übungen bedarf, bevor das Kind etwas allein beherrscht. Das Kind hat das Recht, dass Eltern zur Verfügung stehen, um bei der Übung verschiedener Aufgaben behilflich zu sein. Geduld bei der Übung ist hierzu ebenso erforderlich wie ausreichende Erklärungen, damit es dann irgendwann auch allein klappt. Kinder haben auch das Recht darauf, von Eltern regelmäßig zu verschiedenen Aufgabenerfüllungen ermutigt zu werden. Nur so kann sich ein gesundes Selbstbewusstsein entwickeln, Aufgaben lösen zu können und auch Niederlagen einzustecken, ohne in Verzweiflung zu verfallen.

Des Weiteren ist es die Aufgabe von Eltern, hier wieder intuitiv einzugreifen, wenn ein Kind beispielweise in fortgeschrittenem Kleinkinderalter noch immer auf den Nuckel besteht oder aber, wenn plötzlich das Fläschchen wieder eingefordert wird oder von diesem auch im Kleinkinderalter nicht gelassen wird. Hier sind Eltern gefordert, ihrer Intuition zu folgen und dem Kind auch helfend unter die Arme zu greifen, indem klare Regeln aufgestellt werden, dass zum Beispiel ein Verhalten überhaupt nicht mehr altersgemäß ist. Das soll natürlich liebevoll und mit viel Ermunterung geschehen. Nur so kann ein Fortschritt erzielt werden und manche Kinder benötigen hier den einen oder anderen liebevollen Anstoß der Eltern zum Ablegen nicht altersgerechter Gewohnheiten.

Regel 7 – Lassen Sie zu das ihr Kind sie braucht

Die letzte und siebte Regel der sinnvollen Kindererziehung legt fest, dass Kinder ein Recht darauf haben, Eltern und Erwachsene zu brauchen. Das Kind darf niemals das Gefühl vermittelt bekommen, unlösbare Aufgaben allein bewältigen zu müssen. Fühlt sich ein Kind ständig auf sich selbst gestellt und damit überfordert, reagiert es möglicherweise ängstlich oder aber gleichgültig. Auch der Lernprozess kann nur durch die Sicherheit, dass Eltern im Bedarfsfall helfend eingreifen, sinnvoll gefördert werden.

Eltern müssen sich wieder mehr der Elternrolle bewusst werden

Grundsätzlich appellieren Erziehungswissenschaftler tendenziell an die Eltern, sich wieder mehr der Elternrolle bewusst zu werden und aus der partnerschaftlichen Haltung, die sich im Laufe der letzten Jahre in vielen Familien eingebürgert hat, wieder herauszufinden. Ein gutes Verhältnis zum Kind heißt nicht, sich auf Augenhöhe zu begeben und auch auf dieser Augenhöhe permanent Diskussionen zu führen. Kinder müssen wissen, dass Eltern die Zügel in der Hand halten. Von einer rein autoritären Erziehung ist diese Haltung übrigens weit entfernt.

Viel mehr ist dies eine intuitive Erziehung, die eben aus dem Bauch heraus stattfindet. Viele Eltern beschweren sich im fortgeschrittenen Alter ihrer Sprösslinge häufig, dass sie zum Beispiel das Gefühl haben, viel zu häufig diskutieren zu müssen. Genau hier ist die Intuition aktiv, wird aber eben in der Konsequenz nicht realisiert.

Die sieben goldenen Regen einzuhalten, erfordert sicherlich gerade in der Anfangsphase einige Überwindung und auch Selbstkontrolle. Wer dem Kind aber erst einmal – vielleicht auch wieder – vermittelt hat, wer die Regeln aufstellt und das Vertrauen des Kindes uneingeschränkt zurückgewonnen hat, wird sich im gesamten Familienleben besser fühlen.

Ein dreijähriges Kind kann eben noch nicht entscheiden, welche Schuhe für welche Temperaturen die besten sind. Und ein Grundschüler wird den Sinn des Lernens nicht im beruflichen Fortkommen suchen. Hier braucht es eben die liebevoll führende Hand der Eltern, damit Kinder sich in ihrer ständig größer werdenden Welt sicher, gut geleitet und beschützt fühlen.