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Legionärskrankheit – Symptome und Behandlung bei Legionellen

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Legionärskrankheit
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Bei der Legionärskrankheit handelt es sich um eine sehr schwere Infektionskrankheit, die die Lunge befällt. Ausgelöst wird die Legionärskrankheit durch das Bakterium Legionella pneumophila, wie es Mediziner bezeichnen.

Ihren Namen hat die Legionärskrankheit aufgrund eines Treffens verschiedener Veteranen der US-Streitkräfte, im Jahr 1986 in einem Hotel in den USA (Philadelphia). Verschiedene Männer erkrankten an einer Infektion, die mit Husten und Atembeschwerden sowie hohem Fieber einherging. Seitens der Ärzte wurde bei den Männern eine Lungenentzündung diagnostiziert, die daraufhin mit Penicillin behandelt wurde. Die Behandlung erfolgte allerdings erfolglos und 34 der betroffenen Männer verstarben. Nach sechs Monaten konnten die Erreger der Erkrankung nachgewiesen werden. In Deutschland ist gemäß dem Infektionsschutzgesetzt vom 1. Januar 2001 die Legionärskrankheit sowohl bei direktem als auch bei indirektem Nachweis meldepflichtig.

» Wie häufig tritt die Legionärskrankheit auf?
» Ursachen und Übertragung der Legionärskrankheit
» Welche Risikofaktoren begünstigen die Legionärskrankheit?
» Symptome der Legionärskrankheit
» Diagnose der Legionärskrankheit
» Behandlung der Legionärskrankheit
» Der Legionärskrankheit vorbeugen

Wie häufig tritt die Legionärskrankheit auf?

Insgesamt ist das Auftreten der Legionärskrankheit weltweit betrachtet sehr sporadisch zu verzeichnen. Dabei sind Ausbrüche gerade in den Sommer- und Herbstmonaten zu verzeichnen. Bis heute ist das Erkennen der Erkrankung noch nicht immer sofort gegeben, so dass aufgrund von Fehldiagnosen zunächst eine falsche Behandlung der Krankheit erfolgt. Insgesamt konnten im Jahr 2008 nur 523 Fälle der Legionärskrankheit aufgrund der Meldepflicht verzeichnet werden. Mediziner schätzen aber, dass von allen Lungenentzündungen, die weltweit verzeichnet werden, rund sechs Prozent auf eine Infektion mit den Legionellen zurückzuführen sind. Nach diesen Schätzungen kann man von weltweit jährlich 30.000 Infektionen ausgehen.

» Das Pontiac-Fieber

Durch die Erreger der Legionärskrankheit kann auch eine weitere Infektionskrankheit ausgelöst werden, das sogenannte Pontiac-Fieber. Dieses Fieber ist nach der Stadt Pontiac in den USA benannt, weil es hier zum ersten Ausbruch kam. Die Krankheit hat einen Verlauf wie eine Grippe, bringt aber keine Lungenentzündung mit sich. Das Pontiac-Fieber hat einen sehr viel milderen Verlauf als die Legionärskrankheit, ein tödlicher Ausgang ist daher sehr selten.

Ursachen und Übertragung der Legionärskrankheit

Die Legionärskrankheit wird durch das Bakterium Legionella pneumophilia ausgelöst. Dabei handelt es sich um stäbchenförmige Bakterien. Eine besonders günstige Voraussetzung für die Vermehrung der Legionellen ist im Temperaturbereich von 25 °C bis 45 °C gegeben. Bei Temperaturen ab 60 °C sterben die Bakterien langsam, ab 70 °C sehr schnell ab.

Generell stellen im Süßwasser vorhandene Bakterien keine Gefahr für die Gesundheit dar, auch wenn die Legionellen im Süßwasser in geringen Mengen vorhanden sind. Eine Infektion kann sich erst dann ergeben, wenn der Erreger in den Mund-Nasen-Rachenraum gelangt.

» Dusche und Klimaanlage

Hierfür muss das zerstäubte Wasser als sogenanntes Aerosol eingeatmet werden. Dies ist beim Dusch genauso möglich wie durch Klimaanlagen oder in Whirlpools. Durch diese Übertragung gelangt das Bakterium in den Bronchialbereich.

» Luftbefeuchter und Inhalatoren

Sehr große Gefahr einer Infektion kann sich auch aus Luftbefeuchtern ergeben, die in Wohnräumen oder im Arbeitsbereich das Raumklima verbessern sollen. Auch medizinische Inhalatoren können eine Gefahr mit der Infektion des Bakteriums bergen.

Die Infektion wird nicht wie eine Erkältung direkt zwischen den Mengen übertragen. Innerhalb der Lunge findet die Vermehrung der Bakterien in den sogenannten Monozyten statt. Hierbei handelt es sich um eine Form der Leukozyten, also den weißen Blutkörperchen.

» Inkubationszeit

Die Inkubationszeit beträgt zwischen zwei und zehn Tagen. Ist eine Infektion mit dem Pontiac-Fieber erfolgt, dann ist die Inkubationszeit deutlich kürzer – 1 bis 2 Tage.

Welche Risikofaktoren begünstigen die Legionärskrankheit?

Ein großer Teil der Menschen, die an der Legionärskrankheit erkranken, haben dadurch günstigere Bedingungen für die Infektion, dass mittels Medikamenten das Immunsystem unterdrückt wurde. Gerade Menschen, die eine Organtransplantation hinter sich haben, weisen daher ein erhöhtes Risiko für eine Infektion auf. Denn die eingenommenen Bakterien hemmen zur Verhinderung von Abstoßungsreaktionen das Immunsystem. Dies genau bewirkt aber eine günstigere Basis für Infektionskrankheiten wie auch die Legionärskrankheit.

  • » Behandlung mit Kortikoiden

    Ein erhöhtes Risiko, an der Legionärskrankheit zu erkranken, ist auch dann gegeben, wenn eine Behandlung mit Kortikoiden erfolgt. Auch hier ist eine Schwächung des Immunsystems zu erwarten.

  • » Umfangreiche Operationen

    Auch nach großen Operationen ist der Körper geschwächt und damit empfänglicher für eine Infektion mit den Legionellen.

Generell erkranken Männer an der Legionärkrankheit deutlich häufiger als Frauen. Die Hintergründe hierfür sind allerdings noch nicht ausreichend erforscht.

Symptome der Legionärskrankheit

Die Legionärskrankheit beginnt mit Symptomen, die einer Grippe sehr ähnlich sind. Unwohlsein und Kopf- sowie Gliederschmerzen sind typisch für die Legionellose. Dazu kommt oftmals ein Reizhusten.

  • Der Fortschritt der Infektion ist sehr rasant, denn schon nach Stunden stellen sich Brustschmerzen und Schüttelfrost, dazu in der Regel hohes Fieber ein.
  • Einige Betroffene klagen auch über Bauchschmerzen, Durchfall und Erbrechen. Dieses sind aber keine klassischen Symptome für die Legionellose.
  • In einigen Fällen ist auch das zentrale Nervensystem von der Legionellose betroffen. Dann sind Benommenheit und in einigen sehr intensiv verlaufenden Fällen sogar schwere Verwirrungszustände zu verzeichnen.

Diagnose der Legionärskrankheit

Der Verdacht auf die Erkrankung ergibt sich für den Mediziner bereits durch die typischen Symptome der Legionärserkrankung. Allerdings sind auch häufig Fehldiagnosen zu verzeichnen, bei denen dann eine normale Lungenentzündung vom Mediziner diagnostisiert wird. Gerade bei geschwächten Patienten kann diese Fehldiagnose zu einem tödlichen Verlauf der Erkrankung führen.

» Antigennachweis durch Urintest

Besteht der Verdacht auf Legionellose, dann muss, für eine eindeutige Sicherheit, der spezielle Erreger nachgewiesen werden. Hierzu wird ein Antigennachweis durchgeführt, der mittels Urintest stattfindet. Auch eine Probenentnahme aus den Atmungsorganen kann zu einer genauen Diagnose führen.

Die Anzucht des Erregers wird dann im Labor mittels Mikroskop durchgeführt. Der Nachweis des Erregers muss schnell stattfinden, um eine kurzfristige Diagnose und damit die richtige Therapie durchführen zu können.


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Behandlung der Legionärskrankheit

Die Behandlung der Legionärskrankheit verläuft dahingehend, dass der Patient Antibiotika über einen längeren Zeitraum einnehmen muss. So wird gewährleistet, dass die Bakterien komplett abgetötet werden und dass sie darüber hinaus keine Chance haben, eine Resistenz gegen das Antibiotikum zu entwickeln. Die Therapie mit Antibiotika verläuft über einen Zeitraum von mindestens 14 Tagen. Bei geschwächten Personen muss die Therapie sogar über einen Zeitraum von drei Wochen erfolgen. Erythromycin ist eines der Präparate, dass bei der Legionärskrankheit bevorzugt verabreicht wird. Ist der Verlauf sehr schwer, wird zusätzlich hierzu Rifampicin verschrieben.

Bei einem geschwächten Immunsystem der Erkrankten müssen gegebenenfalls spezielle Präparate zum Einsatz kommen. Gegen Penicillin dagegen ist das Bakterium resistent.

Zusätzlich zur Bekämpfung der Legionellen erfolgt oftmals eine Therapie, die die Symptome der Erkrankung reduziert, um so das Wohlbefinden des Erkrankten zu steigern.

Der Legionärskrankheit vorbeugen

Es ist möglich, der Legionärskrankheit wirksam vorzubeugen. Gerade ältere, immunschwache Menschen und Personen mit Atemwegserkrankungen sollten besondere Vorsichtsmaßnahmen walten lassen, um sich mit dem Bakterium erst gar nicht zu infizieren.

» Wasser regelmäßig laufen lassen

Die Warmwasserversorgung des Hauses sollte hygienisch verlaufen. Warmwassergeräte sollen regelmäßig betätigt und dabei eine Wassertemperatur von mindestens 70 Grad C erreichen. Bei dieser Temperatur sterben die Bakterien ab.

Untersuchungen haben allerdings ergeben, dass einzelne Bakterien diese Überhitzung manchmal überleben, da es sich hierbei um relativ große Einzeller handelt.

» Besserer Schutz durch Filteranlagen

Ein wirklich komplett sicherer Schutz vor der Legionärskrankheit ist nur dann gegeben, wenn Filteranlagen verwendet werden, bei denen der Filter eine Porengröße von 0,2 µm aufweist. Nachteilig ist, dass der Einbau einer solchen Filteranlage hohe Kosten mit sich bringt.

» Vorsichtsmaßnahmen im Urlaub

Bei Aufenthalten in warmen Ländern sollte darauf geachtet werden, dass vor der Benutzung der Dusche Vorsichtsmaßnahmen getroffen werden, um eine Infektion zu vermeiden. Die Dusche sollte so heiß wie möglich eingestallt werden, dabei immer ausatmen. Nun wird der Raum verlassen, um die Dusche einige Minuten laufen zu lassen. So lässt sich die Aufnahme des Nebels, der die meisten Legionellen enthält, weitgehend verhindern.

Gesetzliche Vorschriften zu Vermeidung der Legionellose
Damit die Bakterien keine Chance auf Verbreitung haben, gibt es inzwischen spezielle Wasservorschriften, die auch eine Verwendung bestimmter Kunststoffe für Warmwasserleitungen vorschreiben. So wird verhindert, dass unnötig viele Nährstoffe aus den Rohren in das Wasser gelangen.

  • Tote Leitungen müssen schnellstens beseitigt werden.
  • Enthärtetes Wasser bietet den Bakterien weniger dringend benötigte Nährstoffe.
  • In öffentlichen Einrichtungen wird Chlor oder Chlordioxid verwendet, um das Wasser zu desinfizieren.

» Meldepflicht der Legionärskrankheit

Gemäß dem Infektionsschutzgesetzt ist in der Bundesrepublik Deutschland die Legionellose meldepflichtig. Sowohl der direkte als auch der indirekte Nachweis der Erkrankung bedingt eine Meldung beim zuständigen Gesundheitsamt. Die Erfassung erfolgt seit 2001 zentral beim Robert-Koch-Institut. Hier wurden beispielsweise für das Jahr 2004 insgesamt 475 Fälle der Legionärskrankheit verzeichnet.

Die Meldung muss nicht vom Betroffenen selbst erfolgen. Eine Verpflichtung der Meldung der Krankheit hat allerdings der Leiter der Untersuchungsstelle, in der der Nachweis der Legionellen erfolgte. Die Verpflichtung ist zwar noch nicht eindeutig bestimmt, allerdings sollte auch eine Meldung erfolgen, wenn mindestens zwei weitere Personen Kontakt mit der potentiell ermittelten Infektionsquelle hatten.