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Phimose bei Kindern und Erwachsenen – Behandlung der Vorhautverengung

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Phimose
© Bounlow-pic - Fotolia.com

Bei der Phimose handelt es sich um eine Vorhautverengung. Typisch hierfür ist, dass sich die Vorhaut des Penis entweder überhaupt nicht oder nur unter erschwerten Bedingungen über die Eichel zurückziehen lässt. Die Hintergründe für die Phimose sind sehr vielfältig. Dabei kann es sich um eine angeborene Verengung des Vorhautringes oder aber auch um eine nachträglich noch erworbene Verengung handeln. Die Phimose bezeichnet ein Missverhältnis von Eichelgröße und dem dehnbaren Teil der Vorhautöffnung.

Unterschieden werden muss die Phimose allerdings von der Vorhautverklebung. Letztere wird als physiologische Phimose bezeichnet. Die physiologische Phimose tritt vorzugsweise bei kleinen Kindern auf. Die Verklebung der Vorhaut wird auch als Präputium bezeichnet. Hierbei handelt es sich um ein entwicklungsbedingtes Phänomen. Es ist völlig normal, wenn sich bei einem Säugling oder Kleinkind, bedingt durch eine Verklebung, die Vorhaut nicht zurückziehen lässt. Eine Vorhautverklebung entwickelt sich im Laufe der ersten fünf Lebensjahre zurück, wenn die Reifung des kindlichen Körpers voranschreitet. Die meisten Kinder mit Vorhautverklebung legen diese im Alter zwíschen drei und fünf Jahren ab. Ist allerdings nach diesem Alter das Zurückziehen der Vorhaut noch immer nicht möglich, dann ist eine krankhafte Phimose gegeben, die dann auch eine Therapie notwendig macht.

» Die zwei Formen der Phimose
» Paraphimose & Schmerzhaft und gefährlich
» Welche Symptome deuten auf Phimose hin?
» Wie erfolgt die Diagnose der Phimose?
» Wie wird die Phimose therapiert?
» Unterschiedliche Behandlungstechniken
» Verlauf der Phimose
» Welche Komplikationen sind bei Phimose zu befürchten?
» Kann man der Vorhautverengung vorbeugen?

Die zwei Formen der Phimose

Die Phimose wird in zwei wesentliche Formen unterschieden. Zum einen ist die angeborene, also die primäre, Phimose gegeben. Des Weiteren gibt es die sekundäre, also die erworbene Phimose.

» Die angeborene Phimose (primär)

Bei der angeborenen Phimose ist die Vorhautverengung von Geburt an vorhanden. Dabei sollten Sie aber bedenken, dass bei Kleinkindern und Säuglingen die Vorhaut oftmals nicht zurückzuziehen ist. Die Vorhautverklebung ist ein normales Phänomen bei Säuglingen und Kleinkindern, das nicht mit der Phimose verwechselt werden sollte und das auch in der Regel keiner Behandlung bedarf. Während die Vorhautverklebung sich im Laufe der ersten drei bis fünf Jahre selbst zurückentwickelt, bleibt die primäre Phimose dauerhaft bestehen, wenn sie nicht therapiert wird.

Wichtig ist es, dass die Vorhaut in den ersten Lebensjahren nicht gewaltsam zurückgezogen wird. Die Vorhautverklebung entwickelt sich selbst zurück. Die Phimose muss therapiert werden wenn

  • wenn sich Probleme beim Wasserlassen ergeben
  • wenn die Vorhaut sich beim Wasserlassen aufbläht
  • wenn sich immer wieder Entzündungen im Bereich der Eichel ergeben.

» Die erworbene Phimose (sekundär)

Bei der erworbenen Phimose, die auch als sekundäre Phimose bezeichnet wird, handelt es sich um eine Verengung der Vorhaut, die sich erst im Laufe des Lebens ergibt. Die Vorhaut hat zunächst eine normale Weite. Durch Entzündungen oder aber durch gewaltsame Einwirkungen auf die Vorhaut ergeben sich Einrisse, Blutungen oder narbige, entzündliche Abheilungen, die dann eine Phimose als Folge haben. Deshalb ist es auch sehr wichtig, im Säuglings- und Kleinkinderalter nicht gewaltsam die Vorhaut zurückzuziehen, denn hieraus können sich Verletzungen und Vernarbungen ergeben Diese Vernarbungen bewirken ein Schrumpfen des Gewebes, was wiederum eine so starke Verengung nach sich ziehen kann, dass die Vorhaut beseitigt werden muss.

Aber auch durch Erkrankungen kann sich eine erworbene Phimose ergeben. So haben beispielsweise Diabetiker häufig eine sekundäre Phimose aufzuweisen.

Paraphimose & Schmerzhaft und gefährlich

Wenn eine Phimose besteht und die Vorhaut dennoch hinter die Eichel des Penis gezogen wird, kann es sich ergeben, dass die Vorhaut hinter dem Eichelkranz hängen bleibt. Der Mediziner spricht in diesem Fall von einer Paraphimose oder auch einem sogenannten Spanischen Kragen. Die Paraphimose ist sehr schmerzhaft und gefährlich. Durch die sehr enge Vorhaut ergeben sich Abschnürungen, die die Durchblutung der Eichel behindern. Wird die Paraphimose nicht sofort behandelt, können sich Schädigungen des Gewebes ergeben, die bis zum Absterben der Eichel reichen können. Eine Paraphimose muss daher sofort ärztlich behandelt werden.

Welche Symptome deuten auf Phimose hin?

Eine Phimose zeigt sich durch unterschiedliche Symptome.

  • Die Vorhaut lässt sich nur sehr schwer, überhaupt nicht, oder nur unter Schmerzen zurückziehen.
  • Beim erwachsenen Mann geht die Erektion immer mit einem Gefühl von Spannung oder sogar Einrissen einher.
  • Beim Wasserlassen kann sich die Vorhaut aufblähen, weil die Öffnung im vorderen Bereich nicht groß genug ist, um den Urin problemlos durchfließen zu lassen.
  • Bei der Phimose ist die Harnentleerung häufig sehr stark erschwert, so dass der Harnstrahl dann dünn oder auch abgelenkt wirkt.
  • Eichel als auch Vorhaut sind in vielen Fällen entzündet.
  • Bei Männern bilden sich nach der Pubertät, bedingt durch erschwerte hygienische Bedingungen, innerhalb der Vorhaut häufig weißliche Ablagerungen auf der Eichel. Die dann wiederum zu einer Entzündung führen.

Wie erfolgt die Diagnose der Phimose?

Die Diagnose der Phimose kann nur durch die typischen Symptome erfolgen. Lässt sich die Vorhaut nicht zurückziehen oder aber nur teilweise über die Eichel nach hinten schieben, entstehen Schmerzen beim Zurückziehen der Vorhaut oder bilden sich regelrechte Schnürringe, die auch optisch erkennbar sind, dann ist die Vorhaut zu eng – es besteht eine Phimose. Oft erfolgt die erste Diagnose der Phimose direkt durch den Betroffenen selbst, statt durch den Mediziner.

Bei der Diagnose durch den Arzt sind Informationen zu Verletzungen der Vorhaut oder aber vorangegangene Entzündungen sehr wichtig und hilfreich für die weiteren Therapiepläne.

Wie wird die Phimose therapiert?

Die Therapiemöglichkeiten bei Phimose liegen darin, dass die Vorhaut entweder mechanisch erweitert oder aber entfernt wird. Die Behandlung der Phimose dient sowohl der

  • Verbesserung der Harnentleerung,
  • der Begünstigung der Sexualität,
  • und der Verbesserung der Körperhygiene.

» Phimose-Behandlung mit Kortisonsalbe

Die konservative und nicht-operative Therapie liegt in der Behandlung mit Kortisonsalbe. Diese Behandlung kann dann erfolgversprechend sein, wenn die Phimose nur mäßig ausgeprägt ist. Die Kortisonsalbe wird zweimal täglich aufgetragen. Die Behandlung erfolgt über einen Zeitraum von vier bis acht Wochen. Nach einer zweiwöchigen Anwendungsdauer kann begonnen werden, die Vorhaut leicht und sanft zurückzuschieben, die Haut damit zu dehnen. Die Haut darf aber keinesfalls einreißen, weil dies nicht nur schmerzhaft ist, sondern auch zu Vernarbungen des Gewebes und einer Verstärkung der Phimose führt. Eine leichte Phimose lässt sich in 50 bis 75 Prozent der Fälle durch die Behandlung mit Kortisonsalben heilen.

Diese Methode ist aber leider nicht in allen Fällen erfolgreich. Bestehen trotz Behandlung mit Kortison weiter Probleme, muss eine andere Methode angewandt werden. Das ist besonders dann der Fall, wenn die Harnentleerung erschwert ist und sich aus diesem Aspekt heraus Harnwegsinfektionen ergeben. In diesem Fall sollte über eine Beschneidung, also die operative Entfernung der Vorhaut, nachgedacht werden.

» Operative Behandlung – Die Beschneidung

In einigen Fällen, wenn die Phimose stark ausgeprägt ist oder wenn andere Behandlungsmethoden nicht greifen, kann die operative Entfernung der Vorhaut sehr sinnvoll sein. Die sogenannte Beschneidung kann auch dann Erfolge bieten, wenn die Vernarbungen an der Vorhaut sehr intensiv sind und sich schon wiederholt Entzündungen ergeben haben. Auch wenn eine Paraphimose besteht, sollte die Vorhaut operativ entfernt werden. Gleiches gilt auch, wenn die Entleerung der Harnblase durch die verengte Vorhaut erschwert ist. Dann können sich nämlich gefährliche Harnwegsinfekte ergeben, die letztlich sogar die Nieren schädigen könnten.

Vor dem Eingriff selbst muss man sich nicht fürchten. Die Operation gehört zu den kleinen Eingriffen innerhalb der Medizin. Die Vorhautentfernung wird in der Regel ambulant vorgenommen. Die Beschneidung selbst dauert nur wenige Minuten. Bei kleinen Kindern sollte die Beschneidung möglichst erst nach dem dritten Lebensjahr erfolgen, da erst dann die Gewissheit besteht, ob nicht doch nur eine Verklebung vorliegt. Vorteilhaft ist auch, dass die Kinder ab diesem Alter „trocken“ sind, was die Heilung natürlich unterstützt. Zudem kann sich bis zum dritten Lebensjahr noch eine spornte Weitung der Vorhaut ergeben. Ist die Vorhaut extrem verengt und bestehen Probleme beim Wasserlassen, dann sollte die Operation durchaus schon vor dem dritten Lebensjahr stattfinden. Auch bei häufiger auftretenden Entzündungen oder bei Vernarbungen sollte mit dem Eingriff nicht bis nach dem dritten Lebensjahr gewartet werden.

Wichtig für die erfolgreiche Beschneidung ohne nachfolgende Komplikationen ist eine gute Wundbehandlung.

Unterschiedliche Behandlungstechniken

Die Behandlung der Phimose kann bei der Operation mit verschiedenen Techniken erfolgen. In der Regel wird eine sparsame Beschneidung durchgeführt, bei der die Vorhaut in Teilen erhalten bleibt. Es kann aber auch eine radikale, also vollständige, Beschneidung durchgeführt werden, die dann die gesamte Eichel komplett freilegt. Bei einer sehr intensiven Vorhautverengung kann die radikale Methode erfolgversprechender sein, weil sich ansonsten erneut ein Schnürring um die Eichel bilden könnte. Dieser würde dann zu einem erneuten operativen Eingriff führen. Die Teilbeschneidung wird nur dann erfolgreich durchgeführt, wenn es sich um eine leichte Phimose handelt.

» Plastic-Bell-Methode

Eine Beschneidung kann auch mittels Abschnürung unter einer Kunststoffglocke erfolgen. Hierbei handelt es sich um die als Plastic-Bell-Methode bezeichnete Technik. Die Vorhaut, die mit der Glocke abgeschnürt wurde, fällt nach einigen Tagen aufgrund mangelnder Blutversorgung ab. Die Methode ist nicht anwendbar, wenn die Phimose sehr intensiv oder narbiges Gewebe vorhanden ist. Auch dann, wenn das Vorhautbändchen stark verkürzt ist, empfiehlt sich diese Methode nicht. In der Regel wird die Glocken-Methode nur bei Kleinkindern angewandt.

» Frenulumplastik

Wer die Phimose nicht durch eine Beschneidung entfernen lassen möchte, kann eine Erweiterungsplastik nutzen. In diesem Fall wird durch den Operateur die Vorhautöffnung mittels speziellem Schnitt und anschließender Nahttechnik erweitert. Die Vorhaut bleibt bei diesem Eingriff fast komplett erhalten. Auch eine Verlängerung des Vorhautbändchens kann in diesem Falle erfolgen. Diese Methode wird als Frenulumplastik bezeichnet.

» Dorsale Inzision

Ist die Vorhaut gewaltsam zurückgeschoben worden und lässt sich dann nicht mehr in die Ausgangsposition bringen, dann ist ein urologischer Notfall gegeben. Die Paraphimose wird durch einen schnellen Eingriff behoben. Hier wird ein kleiner Einschnitt in die Vorhaut vorgenommen, der als dorsale Inzision bezeichnet wird. Durch den schnellen Eingriff wird die Verminderung der Durchblutung der Eichel verhindert. Schäden lassen sich nur bei einem schnellen Eingriff verhindern. Ist die typische Reaktion in Form einer Entzündung nach dieser Paraphimose abgeklungen, sollte eine zusätzliche Beschneidung in Erwägung gezogen werden, um ein erneut auftretendes Problem zu verhindern.

Verlauf der Phimose

Wird die Phimose behandelt, ist der Verlauf in der Regel sehr günstig. Die operative Methode dauert nur einige Minuten und der Betroffene kann nach erfolgreichem Eingriff schnell wieder nach Hause gehen. Wichtig ist allerdings die perfekte Wundversorgung. Nur in zwei Prozent aller Fälle kommt es nach einer Beschneidung zu Komplikationen, dauerhaften Problemen oder Rückfällen, wobei diese sich oftmals aus der mangelnden Wundversorgung durch den Betroffenen ergeben.

Welche Komplikationen sind bei Phimose zu befürchten?

Phimose, die unbehandelt bleibt, kann dauerhafte Komplikationen mit sich bringen.

  • Erfolgt keine Behandlung der Phimose, obwohl diese stark ausgeprägt ist, können sich Eichel und Vorhaut stark entzünden. Die chronische Entzündung dieses Bereiches kann wiederum das Krebsrisiko erheblich erhöhen.
  • Andere Komplikationen ergeben sich aus gehäuften Harnwegsinfekten. Diese können sich daraus ergeben, dass der Harnstrahl durch die geringe Öffnung der Vorhaut behindert wird. So wird das Wasserlassen erschwert und dem Infekt Nährboden geboten. Im schlimmsten Fall kann der Betroffene die Harnblase nicht mehr spontan entleeren. Der Mediziner spricht jetzt von einem akuten Harnverhalt.
  • Eine weitere Komplikation kann durch das gewaltsame Zurückschieben der Vorhaut auftreten: Paraphimose. Die Vorhaut kann dann nicht mehr in die Ausgangsposition gebracht werden. Jetzt ist ein schnelles Eingreifen durch den Arzt erforderlich, damit kein Gewebe abstirbt.

Kann man der Vorhautverengung vorbeugen?

Grundsätzlich lässt sich einer Vorhautverengung nicht vorbeugen. Sie können allerdings verhindern, dass sich die Vorhaut vernarbt und sich so eine Phimose bildet. Daher sollten Sie keinesfalls mit Gewalt die Vorhaut zurückziehen. So entstehen winzige Verletzungen, die zu Schmerzen und Vernarbungen führen können. Auch wenn häufig Entzündungen der Vorhaut und der Eichel gegeben sind, oder wenn oftmals Harnwegsinfekte auftreten, kann der Phimose durch gezielte und schnelle Behandlung vorgebeugt werden. Zudem sollte zukünftig alles daran gesetzt werden, dass diese Entzündungen nicht auftreten. Optimale Körperhygiene ist hier die beste Basis.

Der angeborenen Phimose dagegen kann nicht vorgebeugt werden. Ist die Vorhaut auch beim Kind zwischen drei und fünf Jahren noch nicht zurückzuschieben, muss eine Behandlung der Phimose erfolgen – vorbeugen kann man hier als Elternteil allerdings in keiner Weise.


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