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Postnatale Depression der Frau nach der Geburt

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Postnatale Depression
© tiagozr - Fotolia.com

Der sogenannte Baby Blues ist fast jeder Frau bekannt, die schon einmal ein Kind entbunden hat. Die hormonellen Veränderungen nach Schwangerschaft und Geburt bewirken, dass die Frau sich häufig sehr traurig fühlt und dass Stimmungsschwankungen innerhalb von nur sehr wenigen Minuten von fröhlich zu traurig in den ersten Tagen nach der Geburt des Kindes an der Tagesordnung sind. Dieser Baby Blues ist völlig normal und keine Frau muss sich Sorgen machen, dass diese Stimmungstiefs dauerhaft anhalten. Allerdings kann sich der Baby Blues bei einigen Frauen auch in einer handfesten Depression fixieren. Die Postnatale Depression ist es dann, die nach der Geburt für Traurigkeit oder Gefühlsleere sorgt.

Daher sollten Baby Blues und Postnatale Depression nicht verwechselt werden. Auch wenn die Postnatale Depression sich in einigen Fällen unbehandelt wieder gibt, sollte man hier genauer beobachten und unter Umständen auch fachliche Hilfe holen.

» Wie häufig tritt die Postnatale Depression auf?
» Wann fängt die Postnatale Depression an?
» Symptome bei Postnataler Depression
» Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit daran zu erkranken?
» Faktoren, die das Risiko für eine Postnatale Depression erhöhen
» Behandlung der Postnatalen Depression
» Gesprächstherapie gegen Postnatale Depressionen
» Freunde und Familie – Wie können sie helfen?
» Wie können sich betroffene Frauen selbst helfen?
» Beim nächsten Baby wieder Depressionen?
» Lässt sich eine Postnatale Depression verhindern?

Wie häufig tritt die Postnatale Depression auf?

Rund zehn Prozent der Frauen, die erstmalig ein Kind bekommen, leiden unter der Postnatalen Depression, die kurz auch als PND bezeichnet wird. Sie sollte mit dem Baby Blues nicht verwechselt werden. Der Baby Blues beginnt sofort nach der Geburt, sorgt dafür, dass Frauen weinerlich werden und sich elend fühlen, sich um sich selbst und ihr Baby dauernd sorgen, dass sie angespannt, gereizt oder müde sind. Ein oder zwei Tage nach der Geburt verschwindet der Baby Blues – die Postnatale Depression kann viel später auftreten und verschwindet nicht so einfach.

Nur 20 bis 25 Prozent der Frauen bekommen nach der Geburt den Baby Blues, nur ein geringer Teil dieser Frauen entwickelt Postnatale Depressionen – die Krankheit ist also nicht sehr häufig, sollte aber trotzdem ernst genommen werden.

Wann fängt die Postnatale Depression an?

Die Postnatale Depression ist weitaus schwerwiegender als der Baby Blues. Haben die anderen Frauen nach der Geburt ihre weinerliche Phase hinter sich gebracht und beginnen dann, sich intensiv am Kind sowie an der Mutterschaft zu erfreuen, so ist es bei der Frau, die an der Postnatalen Depression leidet, genau umgekehrt.

» Wachsende Ängste und Unsicherheit
Hier werden die Ängste und Unsicherheiten sowie das Unglücksgefühl immer stärker. In einigen Fällen war die Frau unter Umständen schon vor der Geburt deprimiert und ist es einfach nach der Geburt nur weiterhin.

» Manchmal erst Monate nach der Geburt
Bei anderen Frauen fängt die Postnatale Depression einige Wochen oder sogar Monate nach der Geburt erst an. Diese Frauen haben es zunächst genossen, ihr Baby zu hegen und zu pflegen und sich um das Neugeborene zu kümmern, werden dann allerdings im Laufe von Wochen und Monaten immer depressiver, bis das Leben mit dem Kind schließlich einen Stillstand erleidet.

Die Postnatale Depression ist sehr vielfältig und da sie eben häufig erst Monate nach der Geburt ihre Spitze erreicht, wird sie in der Regel nicht mehr mit der vorangegangenen Geburt in Verbindung gebracht. Hier ist das soziale Umfeld der Frau gefragt, um die Postnatale Depression möglichst schnell zu erkennen und entsprechend zu behandeln, denn die Frau selbst erkennt oftmals zuletzt, dass sie an einer Depression leidet. Nicht selten gestehen sich Mütter diese Depression auch nicht zu, weil sie sich als schlechte Mütter fühlen.

Symptome bei Postnataler Depression

Eine Postnatale Depression kann gegeben sein wenn:

  • sich die Frau die meiste Zeit des Tages elend fühlt, insbesondere am Morgen und am Abend
  • die Frau das Leben als nicht mehr lebenswert betrachtet und nichts hat, worauf sie sich freuen kann
  • sie sich ständig schuldig fühlt und sofort bereit ist, für alles was falsch läuft, die Verantwortung zu übernehmen
  • sie häufig gereizt ist und den Partner sowie die Kinder „anfährt“
  • sie häufig weinerlich ist
  • sie immer erschöpft ist, dennoch nicht schlafen kann
  • sie nicht in der Lage ist, Spaß zu haben
  • sie ihren Sinn für Humor verloren hat
  • sie der Ansicht ist, anstehende Aufgaben nicht zu bewältigen
  • sie in übermäßiger Sorge um das Baby ist und permanente Bestätigung von Medizinern und Experten sucht, dass die gesundheitliche Entwicklung des Kindes in Ordnung ist
  • sie in Sorge um ihre eigene Gesundheit ist und unter Umständen befürchtet, an einer schweren Krankheit zu leiden, die dann die Begleitung des Kindes bis ins Erwachsenenalter verhindert
  • sie unfähig ist, sich auf irgend etwas anderes als das Kind zu konzentrieren
  • sie das Gefühl hat, das Baby sei ein Fremder und überhaupt nicht ihr eigenes Kind

Weitere mögliche Symptome für eine Postnatale Depression:

  • Die Frau verliert den Sexualtrieb
  • Die Frau ist energie- und antriebslos
  • Die Frau hat Gedächtnisprobleme
  • Die Frau tut sich schwer damit, Entscheidungen zu treffen
  • Die Frau leidet entweder unter Appetitlosigkeit oder unter Frustfresserei
  • Die Frau hat Schlafstörungen und erwacht immer sehr früh am Morgen

Besteht nur ab und zu eines der genannten Symptome, dann ist davon auszugehen, dass die Frau nicht an einer Postnatalen Depression leidet. Generell ist Mutterschaft eine emotionale und körperliche Achterbahnfahrt, die sowohl beim körperlichen als auch beim psychischen Befinden Spuren hinterlässt. Bestehen allerdings dauerhaft einige oder auch zahlreiche der genannten Symptome, dann ist es an der Zeit, den Arzt zu konsultieren und auf die Problematik anzusprechen.

Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit daran zu erkranken?

Ärzte können bis heute nicht erklären, warum die eine Frauen nach der Geburt in eine Depression verfallen, andere Frauen lediglich vom Baby Blues betroffen sind oder aber nicht einmal diesen zu verzeichnen haben. Vermutungen gehen dahin, dass individuelle biochemische Vorgänge im Gehirn die Empfindlichkeit für eine Depression unterstützen, während bei anderen Menschen diese biochemischen Vorgänge dahingehend gestaltet sind, dass sie ein Leben lang von Depressionen aller Art verschont werden und das damit auch keine Postnatale Depression auftritt. Einige Faktoren können allerdings das Risiko einer Postnatalen Depression erhöhen.

Faktoren, die das Risiko für eine Postnatale Depression erhöhen

  • Die Frau hat auch in der Vergangenheit bereits an Depressionen gelitten.
  • Die Frau war auch während der Schwangerschaft häufig deprimiert.
  • Die Mutter der betroffenen Frau verstarb, als diese noch ein Kind war.
  • Die Frau hat keine unterstützende Familie oder einen unterstützenden Partner in der Nähe.
  • Das Baby wurde zu früh geboren.
  • Es bestehen finanzielle Probleme oder die Frau hat überhaupt kein richtiges Zuhause.
  • Es bestanden noch vor kurzer Zeit Turbulenzen im Leben, beispielsweise der Verlust des Partners, des Jobs oder eines nahen Verwandten oder Freundes durch einen Todesfall.

Die normale und durchschnittliche Anfallsdauer liegt bei zwei Minuten. Dabei sind die einzelnen epileptischen Anfälle sehr unterschiedlich in ihrem Verlauf. Bei einzelnen Betroffenen bleiben die Symptome bei jedem Anfall gleich – eine Veränderung ist hier nicht gegeben.

Behandlung der Postnatalen Depression

Beruhigend für Frauen ist, dass es auf dem Markt inzwischen sehr viele sehr gute Medikamente gibt, mit der die Postnatale Depression behandelt werden kann.

» Keine Angst vor Abhängigkeit
Bis heute sind viele Frauen, die an der Postnatalen Depression leiden, der Ansicht, dass Antidepressiva in eine Abhängigkeit führen und vermeiden allein aus diesem Grund die Behandlung der Depression mit Medikamenten oder nehmen die verordneten Medikamente aus Angst vor einer Abhängigkeit nicht ein. Das ist ein Irrtum, denn die heutigen Medikamente gegen Depressionen machen nicht abhängig, verändern nicht die Persönlichkeit und können so minimal dosiert werden, dass sie fast nebenwirkungsfrei helfen.

» Geduld zeigen
Wichtig bei der Behandlung der Depression ist, dass die verordneten Medikamente in der richtigen Dosierung und auch zur vorgeschriebenen Zeit regelmäßig eingenommen werden. Die betroffene Frau sollte sich darauf einstellen, dass es zu einer Verbesserung ihres allgemeinen Zustandes einige Wochen vergehen können. Die Medikamente sollten daher nicht umgehend wieder abgesetzt werden, wenn keine kurzfristige und deutliche Verbesserung der Symptome zu verzeichnen ist. Die Medikamente wirken, benötigen allerdings einige Zeit, bis sie sich im System der Frau aufbauen können und dann auch spürbare Wirkungen zeigen.

» Medikamente in der Stillzeit
Die Einnahme der Medikamente verläuft mindestens über sechs Monate. Werden die Medikamente vorher eigenständig wieder abgesetzt, besteht die Möglichkeit, dass die Depression wieder zurückkehrt.
Auch stillende Mütter dürfen die Medikamente einnehmen. Der behandelnde Arzt verschreibt, stillenden Müttern ausschließlich Antidepressiva, die die Gesundheit des Kindes nicht beeinträchtigen.

Gesprächstherapie gegen Postnatale Depressionen

Für viele Frauen kann es auch schon sehr hilfreich sein, wenn eine Person zuhört und versteht, wie die Frau sich fühlt. Der behandelnde Arzt hat die Möglichkeit, die Frau zu einem Therapeuten zu überweisen oder bei entsprechender Ausbildung die Gesprächstherapie auch selbst durchzuführen.

Auch der Kontakt zu einer Selbsthilfegruppe kann für die Frau sehr hilfreich sein, die sich dann mit ihrem Problem, für das sie sich oft schämt, nicht mehr alleine ist.

Auch Gespräche mit Freundinnen oder Partnern können hilfreich sein. Allerdings haben diese Personen häufig Schwierigkeiten damit, zu verstehen, was die betroffene Frau durchlebt. Die Gespräche können helfen, ersetzen allerdings nicht die medikamentöse Therapie oder die Gesprächstherapie.

Freunde und Familie – Wie können sie helfen?

Wenn die Partnerin, die Freundin, die Tochter oder die Schwester an einer Postnatalen Depression leidet, können Freunde, Verwandte oder Partner oftmals völlig fassungslos und hilflos sein. Es ist durchaus möglich, dass das soziale Umfeld der betroffenen Frau sich ebenso deprimiert fühlt wie die Frau selbst. Sobald Freunde und Familie festgestellt haben, dass es sich bei der Depression um ein ernstes Problem handelt und sobald sie wissen, wie sie helfen können, fühlen sich die Personen in der Umgebung gleich viel besser.

Offenheit ist sehr wichtig und betroffene Frauen sollten sich ihrem Umfeld öffnen und genauer erklären, wie sie sich fühlen und welche Hilfen sie von Freunden und Familie erwarten.

Bedenken sollten alle Beteiligten, dass die Depression der jungen Mutter mit der Zeit wieder vergehen wird.

Hilfen, die von Partner, Verwandtschaft und Freunden kommen können und die sehr hilfreich sind:

  • Das Umfeld sollte darauf achten, dass die betroffene Frau ihre Medikamente nach Vorschrift einnimmt und dass sie auch die verschriebenen Therapiestunden wahrnimmt.
  • Nimmt die Frau die Medikamente nur sehr ungern ein, sollte sie ermutigt werden, ein Gespräch mit dem Arzt zu führen um Alternativbehandlungen in Erwägung zu ziehen.
  • Geht die Frau nicht gern allein zum Arzt, sollte man die Begleitung anbieten, da sonst das Risiko besteht, dass der Arztbesuch nicht stattfindet.
  • Vermeiden sollte man die Aussage „reiß dich doch mal zusammen“. Könnte die Frau dies, würde sie es ganz sicher tun!
  • Hilfen im Haushalt und beim Baby sind sehr sinnvoll, die Babypflege sollte der Frau aber nie komplett abgenommen werden.
  • Hat die Frau Angst, allein zu sein, sollte man bei ihr bleiben.
  • Die betroffene Frau sollte regelmäßig daran erinnert werden, dass sich ihr Befinden bald verbessern wird.
  • Die Konzentration bei der Beschäftigung mit der Frau sollte dahin gehen, sie als Partnerin, als Frau oder als Freundin zu behandeln, nicht aber als Mutter eines Kindes.

Wie können sich betroffene Frauen selbst helfen?

» Abwechslungsreiche Ernährung
Eine gesunde und abwechslungsreiche Ernährung stellt eine wichtige Basis für die Verbesserung des allgemeinen Zustands dar. Ist kein Appetit vorhanden, sollten wenigstens sehr kleine, dafür aber regelmäßige Mahlzeiten gegessen werden. Das Frühstück ist eine besonders wichtige Mahlzeit, bei der möglichst viele Kohlenhydrate und Vitamine auf den Tisch kommen sollten. Insgesamt sollte die Ernährung möglichst reich an Kohlenhydraten sein. Brot und Cerealien, Reis und Bananen sowie Nudeln, kombiniert mit frischem Obst und Gemüse, versorgen den Körper mit hochwertiger Energie. Muss ab und zu auch Schokolade sein, dann sollte man sich diese gönnen , allerdings sollte die Ernährung nicht den ganzen Tag aus Schokolade und anderen Süßigkeiten bestehen.

» Viel Ruhe und ausreichend Schlaf
Viel Ruhe ist wichtig. Es gilt, sich so häufig wie möglich auszuruhen. Schlafen sollte man immer dann, wenn man es kann. Ansonsten kann auch dösen oder entspannen sehr hilfreich sein. Steht eine Babybetreuung zur Verfügung, sollte man sich in dieser Zeit entspannen. Auch am Morgen oder am Nachmittag sollte man sich gönnen, ins Bett zu gehen und dort zu entspannen.

» Nett zu sich selbst sein
Nett zu sich selbst zu sein und sich keinen Vorwurf zu machen, krank zu sein, kann sehr hilfreich sein. Zeit und Raum für eine angemessene Erholung von der Erkrankung ist jetzt sehr wichtig. Aufgaben, die nicht unbedingt erledigt werden müssen, sollte man liegen lassen. Wichtige Entscheidungen und wichtige Gespräche sollten auf die Zeit vertagt werden, in der das Allgemeinbefinden wieder besser ist. Kleine Belohnungen erhellen den Alltag und sorgen für Wohlbefinden.

Beim nächsten Baby wieder Depressionen?

Dass die Depressionen auch beim nächsten Baby wieder auftreten, ist durchaus möglich. Schließlich befinden sich in der Krankengeschichte einige Fakten, die das Auftreten einer Depression begünstigen. Andererseits gibt es viele Frauen, die nach dem ersten Kind an einer Depression gelitten haben, diese aber nach weiteren Kindern nicht durchlaufen mussten.

Da die Depression beziehungsweise deren Auftreten nicht genau prognostiziert werden kann, ist es zumindest hilfreich, bei der Planung der nächsten Schwangerschaft eine mögliche Depression mit einzubeziehen. Unterstützungen können so schon im Vorfeld organisiert werden. Vorteilhaft ist zudem, dass die Depression beim zweiten und bei weiteren Kindern schneller erkannt und behandelt werden kann.

Lässt sich eine Postnatale Depression verhindern?

Ob sich die Depression selbst verhindern lässt, ist bisher nicht bekannt. Eine umfassende Unterstützung während der Schwangerschaft kann aber Ressourcen bei den Kräften einsparen. Betroffene Frauen können so mit mehr Energie und mehr Zuversicht in die bevorstehende Mutterschaft gehen. Frauen, die bereits nach einer vorangegangenen Schwangerschaft an einer Depression gelitten haben, sollten sich bei einer erneuten Schwangerschaft sehr viel mehr um das eigene Wohlbefinden kümmern. Stressabbau und die Inanspruchnahme von Hilfen sind jetzt sehr wirksame Maßnahmen zur Vorbeugung.

Manche Ärzte vermuten, dass das Risiko einer Postnatalen Depression damit gesenkt werden kann, dass die Frau nach der Entbindung in regelmäßigen Abständen Injektionen mit dem Gelbkörperhormon namens Progesteron erhält. Wissenschaftlich untermauert ist diese These bisher nicht – einen Versuch ist sie aber wert.

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