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Das Restless-Legs-Syndrom & Wenn die Beine keine Ruhe finden

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Restless-Leg-Syndrom
© ibreakstock - Fotolia.com

Ein unangenehmes Ziehen, Zucken oder Kribbeln in den Beinen und Füßen, verbunden mit einem starken Drang nach Bewegung, welche die Symptome augenblicklich deutlich verbessert – knapp zehn Prozent der Menschen in Deutschland leidet unter diesen Beschwerden, die auch als das Restless-Legs-Syndrom (RLS) bzw. Syndrom der ruhelosen Beine bezeichnet wird. Über die Hälfte der Patienten sind Frauen, und typischerweise treten die störenden Symptome vor allem in Ruhephasen und während der Nacht auf.

Vielfältige Symptome – Schwierige Diagnose

Wenn die Beine in der Nacht keine Ruhe finden, ist in der Regel auch der Schlaf gestört, und die Betroffenen quälen sich meist durch unruhige Nächte. Oft treten in den Ruhephasen auch unbewusste Bewegungen der betroffenen Gliedmaßen auf, die ebenfalls sehr beeinträchtigend sein können. Der starke Drang, sich zu bewegen und die Symptome durch Muskeltätigkeit zu lindern, bringt oft nur bis zur nächsten Ruhepause ein wenig Erleichterung, dann setzen die Beschwerden in der Regel wieder in voller Stärke ein. Das Ausmaß des Schlafmangels kann bei den RLS-Patienten je nach Stärke der auftretenden Symptomatik relativ groß sein, so dass es in der Folge oft zu chronischer Tagesmüdigkeit, Antriebslosigkeit, Erschöpfung und Konzentrationsstörungen kommt. Als häufige Spätfolgen sind bei einem unbehandelten Fortbestehen daher ein allgemeiner Leistungsabfall, soziale Isolation und als schwerwiegendste Konsequenz Depressionen zu beobachten.

Eine Diagnose des Restless-Legs-Syndroms wird oft erst von einem Neurologen gestellt, wobei die klinische Symptomatik im Vordergrund steht. Dabei ist es wichtig, dass das RLS von anderen neurologischen und organischen Erkrankungen abgegrenzt wird, die ähnliche Beschwerden hervorrufen. Die psychischen Begleiterscheinungen von RLS führen oft zunächst zu einer falschen Diagnose, da die eigentliche zugrunde liegende Erkrankung oftmals nicht erkannt wird. Werden eine psychosomatische Störung, eine Depression oder auch eine hypochondrische Erkrankung als Ursache angenommen, kommt es oft zu „Patientenkarrieren“, die durch zahlreiche erfolglose Arztwechsel geprägt sind.

Krankheit meist erblich bedingt

Das Restless-Legs-Syndrom ist generell weiter verbreitet, als angenommen, da es bei 80% der Betroffenen nur schwach ausgeprägt auftritt und oft nicht erkannt wird. Dabei gehen Mediziner davon aus, dass bis zu 20% der allgemeinen Schlafstörungen durch unerkannte Formen des RLS verursacht werden. Mittlerweile wird angenommen, dass die Krankheit vererbt wird. Ist eine Familie von RLS betroffen, konnte zudem beobachtet werden, dass die Symptome mit jeder Generation früher auftreten und stärker ausgeprägt sind.

Zwei Formen des RLS

Generell werden zwei Formen des Restless-Legs-Syndroms unterschieden, die sekundäre und die primäre Form. Die sekundäre Form wird durch Krankheiten und bestimmte Medikamente verursacht. Auch im Rahmen einer Schwangerschaft kann diese Form auftreten. Sie verschwindet für gewöhnlich, wenn die Ursache beseitigt wurde. Die primäre, auch als idiopathisch bezeichnete Form, wird in der Regel vererbt und beginnt meist um das dreißigste Lebensjahr. Meist ist dann mit fortschreitendem Lebensalter eine Tendenz zur Verschlechterung der Symptomatik festzustellen.

Oft helfen nur Medikamente

Bis heute sind die Ursachen des RLS nicht eindeutig geklärt. Man geht aber davon aus, dass der Botenstoff Dopamin im Gehirn eine zentrale Rolle spielt. Vermutlich sind gewisse Stoffwechselprozesse mit Dopaminbeteiligung gestört. Dementsprechend erweist sich eine Therapie mit Medikamenten, welche auf den Dopaminstoffwechsel wirken, in den meisten Fällen als recht erfolgreich. Dabei richtet sich eine Therapie nach dem individuellen Auftreten der Beschwerden, meist steht vor allem eine Verbesserung der Schlafqualität im Vordergrund. Unterstützend und in eher leichten Fällen können auch nicht-medikamentöse Maßnahmen wie leichter Sport, Massagen oder Wechselduschen bei einzelnen Patienten Linderung bringen. Entspannungsmaßnahmen wie etwa Meditation oder autogenes Training dagegen verschlechtern die Symptomatik in der Regel. In schweren Fällen mit einem hohen Leidensdruck dagegen ist eine dauerhafte Therapie mit Medikamenten meist die einzige Möglichkeit einer erfolgreichen Behandlung der Krankheit. Bis heute lässt sich diese noch nicht vollständig heilen, sondern es erfolgt lediglich eine Linderung der Symptome.