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Scharlach – mehr als eine harmlose Kinderkrankheit

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Scharlach - Mehr als eine Kinderkrankheit
© Daniel Jędzura - Fotolia.com

Der Scharlach ist den meisten Menschen als eine einmalige, typische Kinderkrankheit bekannt, was nicht der Wahrheit entspricht. Scharlach ist eine durch Streptokokken-Bakterien ausgelöste Erkrankung, welche mehrmals im Leben auftreten und auch Erwachsene betreffen kann. Die Scharlach-Bakterien müssen mit einem bestimmten Virus, einem so genannten Bakteriophagen, zusammenkommen, damit das Scharlach-Toxin produziert werden kann. Dieser Stoff löst dann letztendlich die Symptome der Erkrankung aus. Besitzen die Streptokokken im Moment der Infektion keinen Bakteriophagen, kommt es lediglich zu einer eitrigen Mandelentzündung. Da es verschiedene Typen der Scharlach-Bakteriophagen gibt, von denen jeder in der Lage ist, eine Infektion auszulösen, kann man mehrmals im Leben an Scharlach erkranken. Die Ansteckung erfolgt über Tröpfcheninfektion, also über Husten, Niesen und Sprechen. Auch so genannte Kontaktinfektionen über Mund und Rachen, sowie Infektionen über offene Wunden sind möglich. Das Heimtückische ist auch, dass viele Gesunde den Erreger in sich tragen und zu einer Infektionsquelle werden können.

Wie äußert sich die Erkrankung?

Ungefähr zwei bis vier Tage nach einer akuten Infektion beginnen die Symptome der Krankheit. Diese sind zunächst Fieber, Schüttelfrost und eine Rachenentzündung. Dabei ist eine tiefrote Färbung des Rachens typisch, und die Gaumenmandeln sind angeschwollen. Die Patienten haben Schmerzen beim Schlucken, außerdem können die Hals- und Kieferlymphknoten geschwollen sein. Die Zunge ist weiß belegt, nach einigen Tagen lösen sich diese Beläge und die Zunge ist glänzend rot. Dabei stehen die Geschmacksknospen hervor, was man auch als Erdbeer- oder Himbeerzunge bezeichnet. Diese ist typisch für eine Scharlacherkrankung. Ein weiteres typisches Symptom ist ein Hautausschlag, der sich in kleinen, ungefähr stecknadelkopfgroßen, roten und dicht beieinanderstehenden Flecken zeigt. Diese sind leicht erhoben und finden sich bevorzugt in der Achsel- und der Leistengegend. Der Ausschlag kann aber auch den ganzen Körper befallen, wobei das Dreieck um Mund und Kinn frei bleibt, was auch Milchbart genannt wird. Etwa zwei Wochen nach Beginn der Erkrankung beginnt sich die Haut an den Finger- und Zehenkuppen oder auch an den gesamten Handflächen und Fußsohlen zu schuppen. Durch diese charakteristische Schuppung kann die Diagnose auch noch im Nachhinein gestellt werden.

Die Behandlung erfolgt mit Antibiotika

Scharlach gilt als eine der gefährlichsten Infektionskrankheiten, die vor allem vor der Entdeckung der Antibiotika eine hohe Sterblichkeit aufwies. Denn unbehandelte Verläufe besitzen ein relativ hohes Risiko für Komplikationen, die lebensbedrohlich werden können. Generell spricht Scharlach aber gut auf eine Behandlung mit Penicillin an, welches eines der ältesten Antibiotika darstellt. Die Antibiotikatherapie sollte für mindestens zehn Tage durchgeführt werden, um das Auftreten von Komplikationen zu vermeiden. Weiterhin können Sie auch die unangenehmen Symptome behandeln, beispielsweise die Schluckbeschwerden durch Gurgeln oder schmerzstillende Lutschtabletten. In den vergangenen Jahren sind vermehrt Scharlach-Streptokokken aufgetreten, welche gegen Penicillin resistent waren, was die Behandlung deutlich erschwert hat.

Komplikationen sind gefürchtet

Die gefürchteten Komplikationen des Scharlachs sind so genannte Streptokokken-Nacherkrankungen. Diese können sich zum Beispiel in Herzmuskelentzündungen, Nierenentzündungen und rheumatischem Fieber äußern und sind in der Regel immunologische Erkrankungen durch die Abwehrreaktion des Immunsystems gegen die Scharlacherreger. Die Erkrankungen treten in der Regel etwa vier bis sechs Wochen nach dem akuten Scharlach auf. Wenn Sie eine offene Wunde oder auch nur Schürfwunden besitzen, sollten Sie im Umgang mit Scharlach-Patienten ebenfalls eine besondere Vorsicht an den Tag legen. Der Erreger kann die Haut infizieren und zu einer gefährlichen Infektion der Unterhaut führen.