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Schlafkrankheit – Symptome, Behandlung und Verlauf

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Schlafkrankheit
© shidlovski - Fotolia.com

Die afrikanische Schlafkrankheit wird vom Mediziner als Trypanosomiasis bezeichnet. Hierbei handelt es sich um eine Infektionskrankheit, die im tropischen Afrika beheimatet ist. Die Erreger der Schlafkrankheit sind die Trypanosomen, die durch den Stich der sogenannten Tsetsefliege übertragen werden.

» Varianten der Schlafkrankheit
» Wie wird die Schlafkrankheit erkannt?
» Schlafkrankheit & Symptome
» Der Erreger der Schlafkrankheit
» Übertragung der Schlafkrankheit
» Schlafkrankheit – Inkubationszeit
» Die zwei Stadien der Schlafkrankheit
» Wie erfolgt die Diagnose der Schlafkrankheit?
» Die Behandlung der Schlafkrankheit
» Wie ist der Verlauf der Schlafkrankheit?
» Kann man der Schlafkrankheit vorbeugen?

Varianten der Schlafkrankheit

Die afrikanische Schlafkrankheit wird in zwei Varianten, unterschieden. Hierbei handelt es sich um die westafrikanische und die ostafrikanische Form der Erkrankung. Beide haben unterschiedliche Erreger und auch die Dauer des Krankheitsverlaufs ist sehr unterschiedlich.

Die ostafrikanische Erkrankung wird durch Trypanosoma brucei rhodesiense ausgelöst. Die Schlafkrankheit verläuft sehr schnell und schon im zweiten Stadium der Erkrankung besteht Lebensgefahr. Von der ostafrikanischen Schlafkrankheit werden nicht nur Menschen, sondern auch Haus- und Wildtiere betroffen.

Die westafrikanische Schlafkrankheit tritt ausschließlich beim Menschen auf.

Wie wird die Schlafkrankheit erkannt?

Die Erreger der Schlafkrankheit können mikroskopisch nachgewiesen werden. Im ersten Stadium ist ein Nachweis im Blut möglich, im zweiten Stadium können die befallenen Lymphknoten oder auch die Rückenmarkflüssigkeit die Erreger nachweisen. Durch neue und moderne Medikamente kann die Sterblichkeit bei der Erkrankung auf drei bis zehn Prozent reduziert werden. Findet keine Therapie statt, dann verläuft die Krankheit im Regelfall immer tödlich. Wer nach Afrika reist, sollte daher schon vorbeugende Maßnahmen ergreifen und auch an lange Kleidung für die Reise denken.

Schlafkrankheit & Symptome

In ihren Anfängen verursacht die Schlafkrankheit

  • Fieber
  • Kopfschmerzen
  • Gliederschmerzen

Danach kommen die klassischen Schlafstörungen hinzu. Auch Verhaltensauffälligkeiten und eine Hirnhautenzündung sind klassische Verläufe der Krankheit. Wird die Krankheit nicht behandelt, führt sie bei beiden Varianten zum Tod.

Klassisch für die Erkrankung ist auch

  • die Störung der Bewegungsabläufe,
  • die Reizbarkeit des Betroffenen,
  • die Versteifung der Muskulatur

und die Wesensänderungen, die sich im Verlauf der Krankheit ergeben.

Der Erreger der Schlafkrankheit

Trypanosomen sind eingeißliche Flagellaten, die aus der Gruppe der Parasiten stammen. Beim Menschen können diese Parasiten im Blut und auch der Flüssigkeit der Lymphe überleben. Die Krankheitsbilder, die diese Erreger auslösen, sind sehr vielfältig. Zusätzlich zur afrikanischen Schlafkrankheit kann auch die sogenannte Chagas-Krankheit durch die Erreger ausgelöst werden.

Es wird grundsätzlich eine Unterscheidung in zwei verschiedene Erreger vorgenommen. Der Trypanosoma brucei rhodesiense ist der Erreger, der die ostafrikanische Schlafkrankheit auslöst und der Trypanosoma brucei gambiense ist der Erreger der westafrikanischen Schlafkrankheit.

Übertragung der Schlafkrankheit

Die Schlafkrankheit wird über die Tsetsefliege übertragen. Der Überträger der westafrikanischen Schlafkrankheit ist die Tsetsefliege der Palpalis Gruppe, die sich bevorzugt in Uferwäldern und in der Nähe von Flüssen und Seen aufhält. Die ostafrikanische Schlafkrankheit wird durch die sogenannte Morsitans Gruppe übertragen, die wiederum im trockenen Busch ihren Lebensraum hat. Gerade das stellt für Touristen ein Problem dar, wenn sie beispielsweise an einer Safari teilnehmen.

Innerhalb der Tsetsefliege nehmen die Parasiten einen Formenwandel vor und vermehren sich innerhalb der Fliege auch immens. Nach ungefähr drei Wochen, nachdem sie eine Blutmahlzeit hatten, können sich die Trypanosomen innerhalb der Speicheldrüse der Tsetsefliege anreichern. Wenn die Fliege dann erneut saugt, werden die Parasiten auf diesem Wege an den Menschen übertragen.

Schlafkrankheit – Inkubationszeit

Die Inkubationszeit von der Ansteckung bis zum Ausbruch der Erkrankung liegt bei der ostafrikanischen Schlafkrankheit bei einer bis drei Wochen. Die westafrikanische Schlafkrankheit hat eine Inkubationszeit von zwei bis drei Wochen.

Die zwei Stadien der Schlafkrankheit

» Stadium 1
Schon allein der Stich der Tsetsefliege ist sehr schmerzhaft. An der Einstichstelle bildet sich sehr schnell eine intensive Schwellung, die stark gerötet und auch schmerzhaft ist. Die Einstichstelle verheilt dann nach einigen Tagen bis Wochen eigenständig. Innerhalb des ersten Stadiums der Schlafkrankheit verzeichnen Betroffene Fieber. Bei der westafrikanischen Variante kommen noch Schwellungen der Lymphknoten hinzu, die besonders im hinteren Lymphknoten des Halses zu verzeichnen sind.

Das Stadium eins hat bei der ostafrikanischen Schlafkrankheit einen schwereren Verlauf als bei der westafrikanischen Variante.

» Stadium 2
Haben sich die Parasiten vermehrt, können sie über das Blut und die Lymphe im Körper verschleppt werden. Jetzt können sie die Blut-Hirn-Schranke durchdringen und in das Zentralnervensystem vordringen. Dies ist bei der westafrikanischen Variante nach einigen Wochen bis Monaten, manchmal auch erst nach Jahren, nach dem Stadium eins gegeben. Bei der ostafrikanischen Variante beträgt der Übergang nur wenige Tage bis maximal Wochen.

Das Stadium zwei bringt Fieberschübe in weniger intensiver Stärke mit sich. Der Betroffene leidet jetzt unter Kopfschmerzen und Wesensveränderungen. Dazu kommen Störungen im Wach-Schlaf-Rhythmus. Das Endstadium ist dann, dass der Betroffene apathisch ist und er nicht mehr in Kontakt mit der Umgebung treten kann. Außerdem nehmen Infizierte in dieser Phase keine Nahrung und Getränke mehr auf, das dann wiederum zu Auszehrung und weiteren Infekten führt, die letztlich den Tod nach sich ziehen.

Wie erfolgt die Diagnose der Schlafkrankheit?

Wichtig für die Behandlung der Schlafkrankheit ist, dass die Diagnose richtig und vor allem rechtzeitig erfolgt. Immer dann, wenn nach einem Aufenthalt in Afrika Fieber auftritt, heißt der erste Verdacht Malaria. Ist der wiederholte Malariabefund negativ, sollte der Verdacht der afrikanischen Schlafkrankheit genauer verfolgt werden. Eine Absicherung der Diagnose kann nur durch einen Erregernachweis gelingen.

Schon im ersten Stadium der Erkrankung kann der Nachweis der Parasiten der Schlafkrankheit im Blut erbracht werden. Im fortgeschrittenen Stadium können die Erreger dann in der Lymphflüssigkeit oder durch eine Liquorpunktion nachgewiesen werden. Im fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung ist das Zentralnervensystem befallen. Dieser Nachweis ist für die Therapie wichtig, denn nur lebende Trypanosomen können aufgrund ihrer Beweglichkeit gut erkannt werden.

Auch durch eine Erhöhung der sogenannten IgM-Globuline, kann die Schlafkrankheit nachgewiesen werden. Hierbei handelt es sich um eine bestimmte Antikörperuntergruppe im Blut, als auch im Liquor. Die vermehrte Anzahl der Globuline wird durch den Wechsel der Oberflächenantigene der Parasiten bewirkt. Weiterhin stehen inzwischen sogenannte serologische Methoden für die Diagnose zur Verfügung.

Die Behandlung der Schlafkrankheit

Die Schlafkrankheit muss aufgrund ihrer hohen Toxität dringend und in den meisten Fällen stationär behandelt werden.

Vor der eigentlichen Behandlung erfolgt eine Liquorpunktion, bei der geklärt wird, ob das Zentralnervensystem bereits befallen ist. Wenn dieses noch nicht der Fall ist, liegt das sogenannte Primärstadium vor, das eine Behandlung mit Suramin oder Pentamidin nach sich zieht. Suramin hat als Therapeutikum den Nachteil, dass sich hieraus fast immer eine Schädigung der Nieren ergibt, während bei Pentamidin ein schneller Blutdruckabfall zu verzeichnen ist.

Hat bereits ein Befall des Zentralnervensystems stattgefunden, dann sind diese Medikamente ohne Wirkung. In diesem Fall muss nach der Vorbehandlung mit Suramin oder Pentamidin das sogenannte Melarsoprol verabreicht werden. Dieses enthält Arsen in einer organischen Verbindung, die toxische Wirkung hat. Die Sterblichkeit durch die Behandlung liegt bei zwei bis fünf Prozent.

Eine Behandlung der westafrikanischen Schlafkrankheit kann auch mit Eflornithin sowie Nifurtimox erfolgen.

Wie ist der Verlauf der Schlafkrankheit?

In einigen Fällen wurde bei der westafrikanischen Schlafkrankheit eine Spontanheilung beobachtet, die vor dem Befall des Zentralnervensystems erfolgte. Im weiteren Verlauf, also wenn das Nervensystem bereits betroffen ist, ist die Spontanheilung nahezu ausgeschlossen. Nachdem das Zentralnervensystem befallen ist, ist der Verlauf bei beiden Formen der Erkrankung, der westafrikanischen wie auch der ostafrikanischen Form, immer tödlich, wenn keine Therapie erfolgt.

Die Verläufe der Krankheit sind sehr unterschiedlich. Bei der ostafrikanischen Schlafkrankheit wird häufig das Herz betroffen, bei der westafrikanischen Schlafkrankheit ist die chronische Hirnentzündung häufiger zu verzeichnen, die dann Persönlichkeitsveränderungen, Verwirrung und Kräfteverfall nach sich zieht.

Der Verlauf der westafrikanischen Schlafkrankheit ist insgesamt langsamer als bei der ostafrikanischen Variante. Das zweite Stadium erreicht diese Krankheit oftmals erst nach einigen Monaten. Findet bei der westafrikanischen Variante keine Therapie statt, sind Mangelernährung und Sekundärinfektion sehr wahrscheinlich.

Das Voranschreiten der ostafrikanischen Schlafkrankheit ist sehr viel schneller. Sie verläuft akut und mit intensivem Fieber. Bei dieser Variante kann der Herztod noch eintreten, bevor Stadium zwei erreicht wurde. Insgesamt ist das Stadium zwei bei dieser Variante innerhalb weniger Wochen erreicht.

Kann man der Schlafkrankheit vorbeugen?

» Schutz vor Stichen aufbauen
Die Vorbeugung vor der Schlafkrankheit liegt in erster Linie darin, die Überträgerin, nämlich die Tsetsefliege, zu bekämpfen bzw. einen Schutz vor den Stichen der Fliege zu erwirken. Schützende Kleidung, ein Anti-Mücken-Spray sowie Moskitonetze bringen einen guten Schutz mit sich.

» Vorbeugung durch Medikamente
Theoretisch kann die Vorbeugung vor der Infektionskrankheit auch auf chemischem Wege erfolgen. Das ist durch Suramin oder Pentamidin zu erzielen. Der Schutz durch diese Medikamente hält für etwa drei Monate an. Allerdings ist die Resistenzentwicklung hier ein Problem und auch die Giftigkeit der Medikamente spricht gegen die Chemoprophylaxe.

Je mehr man über die afrikanische Schlafkrankheit weiß, desto besser. Für Reisende empfehlen wir deshalb das Medizinisches Gesundheitshandbuch zur Hilfe und Selbsthilfe auf Reisen.