Start Medizin

Wirkungsvoll: Progesteron gegen Beschwerden in den Wechseljahren

477
0
TEILEN
Progesteron Wechseljahre
© Monkey Business - Fotolia.com

Hitzewallungen, Schweißausbrüche, Schlafstörungen, mangelnde Konzentration, Stimmungsschwankungen, Bluthochdruck, Gewichtszunahme – dies sind typische Symptome des Klimakteriums. Die Ursache der Beschwerden hängt mit der allmählichen Hormonumstellung zusammen, denn das Gleichgewicht zwischen Östrogen und Progesteron gerät für eine paar Jahre aus den Fugen.

» Die Wirkung von Östrogen und Progesteron
» Hormonersatztherapien & Mehr Risiken als Nutzen
» Östrogendominanz & Hierzulande kaum beachtet
» Die möglichen Folgen von Östrogendominanz
» Natürliches Progesteron in rezeptpflichtigen Präparaten
» Natürliches Progesteron in Nahrungsmitteln und klassischen Heilpflanzen

Die Wirkung von Östrogen und Progesteron

Der weibliche Zyklus basiert auf einem wechselseitigen Zusammenwirken mehrerer Hormone. Plakativ ausgedrückt: Während Östrogen den Eisprung bewirkt, sorgt Progesteron dafür, dass sich das befruchtete Ei einnisten kann. Progesteron wird darüber hinaus im hohen Maße während der Schwangerschaft produziert. Schon weit vor dem Einsetzen der Wechseljahre lässt die Produktion von Progesteron nach, während der Östrogenspiegel nach und nach sinkt und bis zum Ende der Wechseljahre auf einem gewissen Level verbleibt. Die damit verbundene Östrogendominanz führt zu den bekannten Beschwerden. Nach dem Ende des letzten Zyklus sinkt der Östrogenspiegel deutlich ab. Die Produktion des Hormons wird dabei nicht gänzlich eingestellt.

Die üblichen Beschwerden gehen zwar zurück, jedoch kündigt sich jetzt die von vielen Frauen gefürchtete Knochenerkrankung an: die Osteoporose. Studien zufolge sind 30% aller Frauen nach der Menopause von der Osteoporose betroffen, die mit zunehmendem Alter verstärkt zu Frakturen führt, die entsprechend immer schlechter und langsamer heilen. Zudem nimmt nach der Menopause das Risiko zu, einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall zu erleiden.

Hormonersatztherapien & Mehr Risiken als Nutzen

Um die Osteoporose aufzuhalten, die Risiken für Herz- und Kreislauferkrankungen zu minimieren sowie die Symptome der Wechseljahre zu lindern, begann man in den 60er Jahren mit der Hormonersatztherapie, die allein auf der verstärkten Gabe von Östrogen basierte. Die ausgleichende Wirkung des Progesterons war zu dem Zeitpunkt wenig erforscht, obwohl bereits bekannt war, dass der Progesteronspiegel mit dem Einsetzen der Wechseljahre sinkt. Das Hormon hatte in der Praxis lediglich bei der Entwicklung der Antibabypille eine Rolle gespielt.
Die Folge: Viele Frauen erkrankten am Korpuskarzinom – einer Krebserkrankung der Gebärmutterschleimhaut. Erst durch die Behandlung mit Östrogen und Gestagen verzeichneten die Statistiken einen Rückgang des Korpuskarzinoms.

Die Wirkungen von Hormonersatztherapien wurden erstmals zu Beginn des 21. Jahrhunderts zum Mittelpunkt systematischer wissenschaftlicher Studien. In diesem Zusammenhang musste im Jahr 2002 die langjährige WHI-Studie (women´s health initiative) mit mehr als 16.000 Frauen abgebrochen werden, da die Hormone die Risiken nachweislich nicht senkten, sondern sie im Gegenteil noch erhöhten.
Die Erkenntnis der Studie: Hormonersatztherapien können verstärkt zu Herzinfarkt und Brustkrebs führen. Weitere Studien amerikanischer Wissenschaftler führten zu dem Schluss, dass Östrogen seine natürliche Schutzfunktion lediglich bei jungen Frauen entfaltet. Nach der Menopause würde ein hoher Östrogenspiegel mehr schaden als nützen. Jahrzehntelang waren Frauen demnach falsch behandelt worden.

Östrogendominanz & Hierzulande kaum beachtet

In der Zwischenzeit wurde das Phänomen der Östrogendominanz in den 90er Jahren vom amerikanischen Arzt Dr. John Lee entdeckt und beschrieben. Viele seiner Patientinnen litten unter den Folgen der Osteoporose, durften aber aufgrund anderer Erkrankungen keine Östrogenpräparate einnehmen. Durch einen Kollegen hatte Lee erfahren, dass progesteronhaltige Cremes gegen Osteoporose halfen. Lee wandte die in den USA frei im Handel erhältlichen Cremes an – mit messbarem Erfolg.

In der Folgezeit fand Lee heraus, dass die Gabe von Progesteron noch weitere typische Frauenleiden lindert. Er erkannte, dass es auf die Relation zwischen Östrogen und Progesteron ankam und nicht auf die absoluten Werte. Sein 1997 in Deutschland erschienenes Buch „Natürliches Progesteron: Ein bemerkenswertes Hormon“ (www.amazon.de) fand im englischsprachigen Raum größeren Anklang als hierzulande. So kommt es, dass das Phänomen der Östrogendominanz in deutschen Arztpraxen noch wenig bekannt ist und die Patientinnen nach wie vor auf ihren Östrogenspiegel angesprochen werden, anstatt weiter auf den hormonellen Gegenspieler Progesteron einzugehen. Viele Mediziner und Fachautoren führen dies darauf zurück, dass die aus Pflanzen gewonnenen Progesterone (Phytohormone) nicht patentiert werden können und für die pharmazeutische Industrie daher uninteressant seien.

Die möglichen Folgen von Östrogendominanz

Jeder Organismus reagiert anders. Deshalb muss nicht jede Frau in den Wechseljahren unter den gleichen Beschwerden leiden. Studien zufolge werden bei Östrogendominanz generell folgende Symptome beobachtet:

  • Akne
  • Brustspannen, schmerzhafte Brustknospen
  • Bluthochdruck
  • Depressionen
  • Erhöhte Anfälligkeit gegenüber Brustkrebs
  • Haarausfall
  • Kalte Hände und Füße
  • Migräne
  • Myome und Zysten
  • Schmierblutungen in der zweiten Zyklushälfte
  • Schwere Beine und Venenprobleme
  • Unkontrollierbares Übergewicht
  • Verkürzte Zyklen
  • Verminderte Libido
  • Wassereinlagerungen

Das Auffällige an einigen Symptomen ist, dass sie sowohl Begleiterscheinungen des prämenstruellen Syndroms (PMS) als auch des Klimakteriums sind – beides Phasen eines niedrigen Progesteronspiegels.

Natürliches Progesteron in rezeptpflichtigen Präparaten

Die in den USA, in England und in den Niederlanden frei verkäuflichen Progesteron-Cremes sind in Deutschland verschreibungspflichtig. Die Cremes werden aus den Extrakten der amerikanischen Yams-Wurzel hergestellt. Hierbei handelt es sich um natürliches Progesteron, das mit der molekularen Struktur des menschlichen Progesterons nahezu identisch ist.

Der Vorteil der rezeptpflichtigen Cremes:
Das darin enthaltene Progesteron kann exakt dosiert werden.

Der Nachteil:
Frauen in den Wechseljahren müssen ihren Frauenarzt erst gezielt auf eine mögliche Progesteronbehandlung ansprechen, denn nach wie vor steht die Behandlung mit östrogenhaltigen Präparaten zur Disposition. In diesem Zusammenhang werden Risiken und Nutzen grundsätzlich gegeneinander abgewogen, denn nach wie vor ist der Erfolg von Östrogen bei der Behandlung von Osteoporose unumstritten. Bei Herz- und Kreislauferkrankungen und vorangegangenen Krebserkrankungen wird eine Hormonbehandlung nicht vorgenommen. Das heißt jedoch, dass andere Wechseljahrsbeschwerden nicht behandelt werden. Auf der anderen Seite zeigen sich mittlerweile mehr und mehr Ärzte einer Behandlung mit Progesteron gegenüber aufgeschlossen.

Natürliches Progesteron in Nahrungsmitteln und klassischen Heilpflanzen

Es gibt eine Reihe an klassischen und progesteronhaltigen Heilpflanzen, die in der Volksmedizin bereits seit Menschengedenken und kulturübergreifend bei Frauenleiden angewandt werden. Dazu zählt die bereits erwähnte, auf dem amerikanischen Kontinent beheimatete Yams-Wurzel. Die Wurzel ist in deutschen Supermärkten als Delikatesse erhältlich, kann aber auch in Kapselform bequem online bestellt werden. Progesteronartiges Diosgenin, wie es die Yams-Wurzel enthält, kommt auch in weniger exotischen Wurzelgemüsen vor – zum Beispiel in Karotten und Spargel. Frauen in den Wechseljahren können einem Mangel an Progesteron daher allein schon durch die Nahrungsaufnahme vorbeugen.

» Heilpflanzen mit Progesteron – Mönchspfeffer und Frauenmantel
Weiterhin sind in unseren Breiten der Mönchspfeffer und der Frauenmantel seit Jahrhunderten für ihre progesteronartige Wirkung bekannt. So hat der Mönchspfeffer seinen Namen nicht von ungefähr, denn seine Substanzen mindern den Sexualtrieb von Männern. Die Kräuter fördern die körpereigene Herstellung des Hormons auf natürliche Weise, sind rezeptfrei in Apotheken erhältlich und werden als Tee zubereitet. Da der Progesteronanteil in Wurzelgemüsen und Pflanzen schwankt, kann eine genaue Dosis nicht erfolgen. Da Progesteron über diesen Weg aufgenommen jedoch keine schädlichen Nebenwirkungen verursacht, sollten Frauen, die unter den Symptomen der Wechseljahre leiden, regelmäßig Tees aus Mönchspfeffer oder Frauenmantel zu sich nehmen. Erfahrungsberichten nach zeigen sich die ersten Erfolge schon nach ein paar Tagen.

Frauen, die ihren Progesteronspiegel exakter kontrollieren möchten, sollten gezielt ihren Frauenarzt ansprechen.

Wichtige Infos zum Progesteronmangel