Schlafapnoe: neue vielversprechende Therapiemethoden

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Schnarchender Mann mit Atemaussetzern.
Schnarchen mit gefährlichen Atemaussetzern. © Paolese / stock.adobe.com

Neurostimulation zur Behandlung von Schlafapnoe. Was es mit dieser neuen Therapieform auf sich hat, erklären wir in diesem Artkel.

Das obstruktive Schlafapnoe-Syndrom (OSAS) ist gekennzeichnet durch unterschiedlich lange Atemaussetzer während des Schlafs. Oft geht eine Schlafapnoe mit auffällig lautem Schnarchen einher, kann aber auch Menschen betreffen, die gar nicht schnarchen. Wie die AOK berichtet, sind in Deutschland etwa 5 % der Männer und 3 %der Frauen von einer Schlafapnoe betroffen. Wobei die Wahrscheinlichkeit, eine Schlafapnoe zu entwickeln, bei Männern etwa 2-3 mal höher liegt als bei Frauen.

Das obstruktive Schlafapnoe-Syndrom, bei dem es aufgrund muskulärer Erschlaffung zu Atemaussetzern kommt, ist abzugrenzen vom zentralen Schlafapnoe-Syndrom (ZSAS), dessen nächtliche Atemaussetzer auf Fehlfunktionen im Gehirn zurückgehen.

Warum kann Schlafapnoe gefährlich werden?

Zwei grundlegende Probleme kristallisieren sich beim OSAS heraus. Zum einen werden während der nächtlichen Atemaussetzer die Herzfrequenz und der Blutdruck in Mitleidenschaft gezogen und so können sich im Laufe der Zeit Folgeerkrankungen wie Bluthochdruck, Herzinfarkt und Schlaganfall einstellen.

Zum anderen bekommen betroffene Patienten in der Nacht nicht ausreichend erholsamen Schlaf, sodass sie tagsüber oft unter quälender Müdigkeit leiden. Das wiederum schränkt die Lebensqualität enorm ein und kann mitunter in Depressionen münden. In extremen Fällen kann es tagsüber auch zum Sekundenschlaf kommen, der je nach äußeren Umständen lebensbedrohlich werden kann.

Bisherige Therapiemethoden

Betroffenen stehen schon eine ganze Reihe an Therapieangeboten zur Verfügung.

Zu aller erst kann geschaut werden, ob sich durch Verzicht auf Alkohol und Nikotin sowie durch Gewichtsabbau Verbesserungen einstellen.

Des Weiteren gibt es die Möglichkeit, die Muskulatur im Mund-, Rachenbereich mit einer seitlichen Schlafposition positiv zu unterstützen. Denn wenn diese in der Nacht erschlafft, kann so die Zunge nicht nach hinten rutschen und die Atemwege verlegen.

Oftmals greifen Betroffene auch zu Hilfsmitteln wie Anti-Schnarchmasken, die dabei helfen sollen, dass der Mund nachts geschlossen bleibt und Zunge somit an ihrem Platz.

Unterkieferschienen können ebenfalls eine Möglichkeit darstellen, exzessives Schnarchen und Atemaussetzer zu verhindern.

Lesetipp:  Schlafapnoe – Symptome und Behandlung bei Atemaussetzern

Professionelle Schlafmasken, die allesamt die nächtliche Atmung unterstützen sollen, sind therapeutisch ebenso denkbar wie operative Verfahren, die ebenfalls darauf abzielen, die nächtliche Atmung sicherzustellen, indem beispielsweise ein zu kleiner Unterkiefer vergrößert wird oder Gewebe im Rachenraum entfernt wird, um Platz für die Zunge zu schaffen.

Eine ausführliche Darstellung der verschiedenen Therapiemethoden finden Sie in unserem Artikel „Schlafapnoe – Symptome und Behandlung bei Atemaussetzern

Neuere Therapieansätze

Neuere Therapiemethoden setzen auf die Stimulation bestimmter Nerven, um die Atmung im Schlaf sicherzustellen. Die sogenannte Stimulationstherapie, auch als Neurostimulation bezeichnet, wird oft dann eingesetzt, wenn herkömmliche Therapiewege nicht funktionieren.

Implantat

Eine ganz neue Art des Schlafens verspricht eine kabellose und batteriefreie Neurostimulation mittels Implantat in der Zunge.

Dabei wird nahe des Nervs, der die Zunge versorgt, ein winziger Neurostimulator implantiert, der über einen externen Chip aktiviert wird. Dieser Chip wird nachts mit einem speziellen Einwegpflaster unterm Kinn befestigt, sodass er nicht verrutschen kann. Diese Verbindung von Chip und Einwegpflaster ermöglicht, dass Energie an das Implantat übertragen wird.

Dadurch wird der hintere Zungenteil so stimuliert, dass die Zunge kleine Vorwärtsbewegungen ausführt. Diese wiederum verhindern, dass die Zunge nach hinten rutscht und es zu einer eingeschränkten Atmung kommt.

Genio, wie der Neurostimulator heißt, wird unter Vollnarkose in einer etwa einstündigen Operation eingepflanzt. Derzeit finden sich auf das Genio-System spezialisierte Chirurgen in allen größeren Städten Deutschlands. So ist sichergestellt, dass für Operationen und Nachsorge keine unnötig langen Fahrten in Kauf genommen werden müssen.

Im Anschluss an den Eingriff und nach abgeschlossener Heilungsphase muss das Genio-System aktiviert und auf den Patienten eingestellt werden. Das alles geschieht unter ärztlicher Aufsicht ebenso wie die Nachsorge, die einmal jährlich stattfindet.

Zungenschrittmacher

Eine andere Art der Neurostimulation bieten Zungenschrittmacher. Dabei handelt es sich um ein Zusammenspiel von Atemsensor, Impulsgenerator und Stimulationselektrode.

Der Atemsensor wird in Rippennähe in der Brustmuskulatur platziert, der Impulsgenerator unterhalb des Schlüsselbeins und die Elektrode im Unterkiefer. Alle drei Geräte sind mittels kleinster Kabel miteinander verbunden. Der Eingriff erfolgt in Vollnarkose.

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Die Atemsonde registriert jedes Einatmen und informiert den Impulsgeber, der daraufhin einen Impuls zur Stimulationselektrode sendet, die eine Bewegung der Zunge veranlasst. Auch bei diesem System soll verhindert werden, dass die Zunge aufgrund der erschlafften Muskulatur in den Rachenraum rutscht und die Luftwege verengt.

Der Patient wird nach erfolgreicher Operation und Heilungsphase in den Umgang mit dem Zungenschrittmacher eingewiesen, der dann per Fernbedienung gesteuert wird.

Voraussetzungen

Beide oben genannte Therapieformen als Alternative zur Schlafmasken-Therapie sind an bestimmte Voraussetzungen geknüpft.

So muss zu aller erst die Diagnose obstruktives Schlafapnoe-Syndrom gestellt worden sein. Der Weg dorthin führt in der Regel vom Hausarzt über einen Spezialisten und nicht selten ins Schlaflabor. Detaillierte Untersuchungen können den Verdacht auf OSAS zweifelsfrei bestätigen und von anderen Schlaferkrankungen abgrenzen.

Als vorrangige Therapie werden dann meist sogenannte Schlafmasken verschrieben. Genauer gesagt handelt es sich um eine CPAP-Überdruckmaske, die Luft in die Lungen presst und so die Atemwege offen hält. Die Benutzung dieser Maske ist jedoch nicht für alle Menschen geeignet.

Mann mit Schlafmaske
Schlafmaske bei Schlafapnoe. © Andrey Popov / stock.adobe.com

Nachteile dieser Therapieform reichen von störenden Geräuschen für Angehörige über Druckstellen vom Tragen und Bewegungseinschränkungen während des Schlafens bis hin zu Schwierigkeiten mit der Atmung, weil gegen einen bestehenden Druck geatmet werden muss.

In solchen Fällen können dann Neurostimulationen zum Einsatz kommen. Allerdings eignet sich diese nur für Patienten, die nicht übergewichtig sind und deren Unterkiefergröße den Anforderungen entspricht. Weiterhin sollten keine Herzerkrankungen vorliegen.

Nebenwirkungen

Für welche Therapie man sich letztlich entscheidet, hängt immer von den persönlichen Gegebenheiten ab. Neurostimulationen zur Behandlung von OSAS sind eine recht junge Therapieform, sodass es keine Langzeitstudien gibt, die Erfolge oder Nicht-Erfolge belegen.

Auch gibt es Ärzte, die solche Eingriffe aufgrund der teils aufwendigen Eingriffe und möglichen Nebenwirkungen, besonders beim Zungenschrittmacher, derzeit noch ablehnen und auf klassische Operationsmethoden setzen.

Im Zweifelsfall sollten sich Patienten eine Zweitmeinung einholen, sofern sie sich für eine Neurostimulation entscheiden und sich Fragen oder Unklarheiten ergeben. Entsprechende Fachärzte oder Schlafmediziner können schnell und einfach in der Online-Arztauskunft gefunden werden,