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Das Borderline-Syndrom & eine Störung mit vielen Gesichtern

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Borderline-Syndrom
© Anja Greiner Adam - Fotolia.com

Essstörungen, Aggressivität, Selbstmordversuche, Selbstverletzungen, starke Stimmungsschwankungen und Wutausbrüche – das Borderline-Syndrom ist eine Persönlichkeitsstörung, die sich in vielen verschiedenen Verhaltensweisen äußert. Man spricht auch von der so genannten Borderline-Persönlichkeitsstörung, und es handelt sich um die am häufigsten diagnostizierte Störung dieser Art. Zwischen 70 und 75% der Betroffenen sind Frauen, in der Regel beginnt die Erkrankung in der Zeit des Erwachsenwerdens.

Borderline – Symptome und Verhaltensweisen

„Borderline“ bedeutet auf Deutsch „Grenzlinie“, und der Name dieser Störung bezieht sich auf die Tatsache, dass man diese lange Zeit in den Grenzbereich zwischen den psychotischen und neurotischen Störungen eingeordnet hatte. Bis heute gibt es in Fachkreise keine eindeutige Übereinstimmung bezüglich der Einordnung dieser komplexen Störung. Generell sind bei der Borderline-Persönlichkeitsstörung sowohl die Gefühle als auch die Bereiche des Denkens und Handelns gestört oder beeinträchtig, was sich vor allem durch negatives und zum Teil paradox erscheinendes Verhalten in zwischenmenschlichen Beziehungen ausdrückt. Aber auch das Verhältnis der Patienten zu sich selbst ist gestört, und das Störungsbild wird immer von weiteren Störungen wie Depressionen oder verschiedenen Formen selbstverletzenden Verhaltens begleitet. In vielen Fällen tritt das Borderline-Syndrom gemeinsam mit anderen Persönlichkeitsstörungen auf, sehr häufig mit einer ängstlichen oder narzisstischen Persönlichkeitsstörung. Einige der Symptome können auch bei anderen Störungsbildern auftreten, wie zum Beispiel bei Schizophrenien, Depressionen oder paranoiden Psychosen, weshalb eine sehr genaue Diagnostik äußerst wichtig ist. Generell kann die Borderline-Störung sehr unterschiedlich stark ausgeprägt sein.

Die Denkmuster von Borderline-Patienten können sehr bizarre Formen annehmen und von einem starken „Schwarz-Weiß-Denken“ über die Aufspaltung in mehrere Persönlichkeiten bis hin zu Allmachtsfantasien bis hin zu Wahnvorstellungen reichen. Diese Denkmuster sind im Allgemeinen für einen gesunden Menschen kaum nachzuvollziehen. Die Betroffenen haben häufig Probleme, Nähe und Distanz im Umgang mit anderen Menschen zu regeln auch sind sehr impulsive Verhaltensweisen, manipulatives Verhalten und Kontrollzwang typisch. Oft werden auch extreme Zustände gesucht, wie die Selbstverletzung, aber auch exzessiver Drogenmissbrauch oder schnelles Autofahren. So versuchen die Betroffenen, Spannungen abzubauen, sich selbst zu spüren oder auch sich zu betäuben.

Entstehung und Ursachen der Krankheit

Bei Borderline-Patienten konnten Veränderungen im Gehirnstoffwechsel nachgewiesen werden, auch scheinen bestimmte Gehirnbereiche übererregbar und verkleinert zu sein. Diese Defizite stören die Verarbeitung von Gefühlen, das Gedächtnis für Emotionen wird intensiviert und die Patienten sind überempfindlich für Reize.

Zur Entstehung der Borderline-Störung gibt es verschiedene Theorien, wobei man davon ausgeht, dass mehrere Faktoren daran beteiligt sind. Die genetische Veranlagung scheint eine Rolle zu spielen, wie groß diese jedoch ist, konnte noch nicht eindeutig belegt werden. Generell ist man sich einig darüber, dass die wesentlichen Grundsteine für eine Borderline-Störung schon in früher Kindheit gelegt werden. Traumata und gestörte familiäre Beziehungen und Verhältnisse spielen dabei eine wichtige Rolle.

Behandlungsmöglichkeiten

Die Behandlung einer Borderline-Störung ist langwierig und komplex, wobei vor allem die medikamentöse Therapie mit verschiedenen Psychopharmaka Wirkung zeigt. Psychotherapie ist eine weitere wichtige Säule der Behandlung, erweist sich aber aufgrund der gestörten Beziehungsfähigkeit vieler Patienten häufig als sehr schwierig. Die Abbruchrate bei Borderline-Psychotherapien beträgt zum Teil bis zu 70%, so dass es elementar ist, einen kompetenten Therapeuten zu finden, der sich auf die Erkrankung spezialisiert hat. In vielen Fällen werden bei einer schwer ausgeprägten Störung auch längere stationäre Aufenthalte nötig. Eine vollständige Heilung ist in der Regel nicht möglich, dennoch können die Betroffenen durch eine gute medikamentöse und psychologische Therapie eine deutliche Verbesserung ihrer Symptome erreichen.