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Prostatakrebs: Risikofaktoren, Diagnose und Therapie

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Prostatakrebs
Prostsatakrebs zählt zu den häufigsten Krebserkrankungen in Deutschland | © New Africa / stock.adobe.com

Die Diagnose Prostatakrebs ist ein wahrer Schock. Aber häufig verläuft dieser sehr milde und kommt oft auch ohne Chemotherapie aus.

Jedes Jahr erhalten mehr als 60.000 Männer in Deutschland die Diagnose Prostatakrebs. Damit gehört das Prostatakarzinom zu den häufigsten Krebsarten bei Männern. Aufgrund der gesetzlichen Vorsorgeuntersuchungen können viele Prostatakarzinome frühzeitig erkannt und behandelt werden. Zudem wachsen die Tumoren je nach Art der Prostatakrebszellen oftmals nur sehr langsam, sodass die Krebserkrankung in den meisten Fällen einen günstigen Verlauf nimmt und nicht zum Tode führt. Allerdings gibt es auch sehr aggressive Formen von Prostatakrebs, die sich schnell ausbreiten und Metastasen bilden.

Risikofaktoren für Prostatakrebs

Trotz intensiver Forschung sind die Ursachen für das Prostatakarzinom noch weitestgehend unbekannt. Jedoch konnten einige Risikofaktoren ausgemacht werden:

Zunehmendes Alter erhöht das Prostatakrebsrisiko

Ab dem 45. Lebensjahr steigt das Risiko, an Prostatakrebs zu erkranken stetig an und erreicht seinen Gipfel im Alter von 70 bis 79 Jahren. Danach sinkt das Risiko wieder.

Familiäre Vorbelastung macht einen Prostatakrebs wahrscheinlicher

Gab es in Ihrer Familie bereits Fälle von Prostatakrebs, so steigt für Sie das Risiko, selbst auch daran zu erkranken. Hatte Ihr Vater ein Prostatakarzinom, steigt Ihr Risiko auf das Doppelte – war oder ist Ihr Bruder betroffen, steigt Ihr Risiko sogar auf das Dreifache. Zudem steigt Ihr Risiko, je mehr Familienmitglieder betroffen sind oder waren und je jünger Sie bei der Diagnose waren.

Hormone beeinflussen das Risiko für ein Prostatakarzinom

Prostatakrebs Risikofaktoeren
Testosteron spielt eine Rolle beim Tumorwachstum | © jarun011 / stock.adobe.com
Experten sind sich der Rolle von Hormonen bei der Entstehung von Prostatakrebs noch nicht sicher. Was sie aber wissen: Ohne das männliche Geschlechtshormon Testosteron kann kein Prostatakarzinom entstehen. Zwar ist das Hormon für die Funktion der Prostata erforderlich, jedoch fördert es auch das Wachstum der Krebszellen.

Übrigens: Werden Männer aufgrund einer Unterfunktion der Hoden mit Testosteron behandelt, besteht dagegen kein erhöhtes Krebsrisiko.

Weitere Risikofaktoren für Prostatakrebs

Zu den Klassikern unter den Risikofaktoren für jede Art von Krebs zählen neben den Rauchen und dem Alkoholkonsum auch die Ernährung und andere Aspekte der Lebensführung wie beispielsweise die körperliche Aktivität. Beim Prostatakrebs gibt es zudem Unterschiede zwischen Männern verschiedener Ethnien. So sind afrikanische Männer häufiger von Prostatakrebs betroffen als europäische Männer. In Asien – insbesondere in China und Japan – gibt es dagegen kaum Fälle. Die könnte auf der einen Seite mit der Genetik erklärt werden. Auf der anderen Seite könnte auch die unterschiedliche Lebensweise inklusive der Ernährung dafür verantwortlich sein.

Prostatakrebs diagnostizieren

Wie eingangs bereits erwähnt, steigen die Heilungschancen, je früher der Krebs erkannt wird. Jedoch bemerken betroffene Männer anfangs meist nichts vom Tumor. Die ersten Beschwerden treten auf, wenn das Karzinom so groß geworden ist, dass es auf die Harnröhre übergreift oder Metastasen gebildet haben. Dabei können unter anderem die folgenden Symptome auftreten:

  • vermehrter Harndrang – vornehmlich nachts
  • Schwierigkeiten beim Urinieren, zum Beispiel Harnverhalt, Schmerzen, schwacher oder unterbrochener Harnstrahl
  • Schmerzhafte Ejakulation
  • Blut im Urin oder in der Samenflüssigkeit
  • Erektionsschwierigkeiten (Impotenz oder verminderte Erektionsfähigkeit)
  • Schmerzen im unteren Rückenbereich, im Becken sowie in Hüften oder Oberschenkeln
  • Probleme beim Stuhlgang
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Um ein Prostatakarzinom frühzeitig zu erkennen, ist es enorm wichtig, dass Sie die regelmäßigen Prostata-Vorsorgeuntersuchungen wahrnehmen, die ab dem vollendeten 45. Lebensjahr angeboten werden. Hierbei kann der behandelnde Arzt ein Prostatakarzinom mittels Tastuntersuchung oder mit dem PSA Wert oftmals schon vor Auftreten der ersten Symptome erkennen.

Bringt die Vorsorgeuntersuchung keinen klaren Befund, kommen weitere Untersuchungen in Frage.

» Tastuntersuchung: Digital-rektale Untersuchung

Bei der digital-rektalen Untersuchung tastet der Arzt über den Enddarm mit einem Finger die Prostata ab. Auf diese Weise können Vergrößerungen oder knotige Verhärtungen erkannt werden, sofern sie ein bestimmtes Maß überschreiten.

Die digital-rektale Untersuchung kann also einen Hinweis auf Veränderungen an der Prostata geben, nicht aber die Ursache dafür hervorbringen. Hierbei kann es sich sowohl um ein Karzinom als auch um eine vergleichsweise harmlose Prostatavergrößerung handeln.

» Blutuntersuchung: PSA Wert

Neben der Tastuntersuchung kann auch eine Blutuntersuchung einen Hinweis auf eine Veränderung an der Prostata geben. Ausschlaggebend ist hierbei der PSA Wert. Dieser gibt die Menge des Prostata-spezifischen Antigens im Blut an – einem Eiweiß, welches fast nur in der Prostata gebildet wird. Normalerweise tritt es nur in geringen Mengen in das Blut über. Ein erhöhter PSA Wert weist auf eine erhöhte Aktivität des Prostatagewebes hin. Hierbei kann es sich um ein Prostatakarzinom handeln, aber auch um eine Entzündung oder ähnliches.

Die Ermittlung des PSA Wertes kann sowohl bei der Vorsorgeuntersuchung als auch bei der Diagnostik zum Einsatz kommen, aber auch zur Verlaufskontrolle bei bestätigter Diagnose. Während dieses Verfahren keinen sicheren Nachweis für ein Prostatakarzinom darstellt, ist es als Kontrollparameter zur Verlaufskontrolle überaus sinnvoll.

» Bildgebende Verfahren: Transrektaler Ultraschall und Magnetresonanztomografie

Prostatakrebs Diagnose
Das MRT liefert detaillierte Bilder von der Prostata – © Mark Kostich / stock.adobe.com
Haben die Tastuntersuchung und der PSA Wert eine Veränderung an der Prostata nachgewiesen, sind weitere Untersuchungen notwendig, um eine gesicherte Diagnose zu stellen. Hierzu gehören auch bildgebende Verfahren.

Beim transrektalen Ultraschall (TRUS) wird die Prostata mit einer Ultraschalluntersuchung über den Enddarm betrachtet. So lassen sich Größe und Beschaffenheit der Prostata beurteilen.

Sicherer ist die Diagnose mittels Magnetresonanztomographie, da sie detailliertere Bilder liefert. Hier empfehlen Experten eine multiparametrische Magnetresonanztomographie (mpMRT), da diese nicht nur die Größe der Prostata erfasst und verdächtige Bereiche lokalisieren kann. Vielmehr können damit weitere Eigenschaften der Prostata ermittelt werden:

  • Zelldichte
  • bestimmte Stoffwechselvorgänge
  • Durchblutung der Prostata

Dadurch kann der Radiologe besser abschätzen, ob verdächtige Areale in der Prostata vorliegen und wie diese am besten therapiert werden können. Zudem werden bei der Untersuchung vergrößerte Lymphknoten sichtbar, die einen Hinweis auf Metastasen in diesen geben.

» Gewebeentnahme: Biopsie

Auch die bildgebenden Verfahren ermöglichen nicht immer eine eindeutige Diagnose. Anders sieht dies bei der Biopsie aus. Hierbei werden über den Enddarm mit einer dünnen Nadel unter Ultraschallkontrolle mehrere Gewebeproben aus der Prostata entnommen. Die entnommenen Proben können anschließend in der Pathologie unter einem Mikroskop auf Krebszellen untersucht werden. Hier ist auch eine Beurteilung der Aggressivität eines bösartigen Tumors möglich.

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Prostatakrebs behandeln

Das Prostatakarzinom wächst häufig sehr langsam und stellt nicht immer eine unmittelbare Bedrohung für den Betroffenen dar. Zudem werden aufgrund der gesetzlichen Vorsorgeuntersuchungen immer mehr Tumore in einem sehr frühen Stadium entdeckt, in dem noch nicht absehbar ist, ob sie Probleme verursachen werden. Eine Therapie könnte hier aufgrund der Nebenwirkungen unter Umständen mehr schaden als nutzen. Deshalb hat es sich bewährt, zunächst einmal abzuwarten und den Krankheitsverlauf gezielt zu überwachen, um rechtzeitig eine Behandlung einzuleiten.

Operative Entfernung der Prostata

Prostatakrebs Operation
Bei fortschreitender Erkrankung kommt eine operative Entfernung der Prostata in Betracht | © horizont21 / stock.adobe.com
Bei der aktiven Überwachung erfolgt eine engmaschige Überwachung des Patienten. Solange der Tumor unauffällig ist, wird er weiterhin regelmäßig kontrolliert. Zeichnet sich aber ein Fortschreiten der Krebserkrankung ab, erfolgt in vielen Fällen eine radikale Prostatektomie. Bei diesem Eingriff werden neben der Prostata auch die Samenblasen entfernt. Hierbei kommen verschiedene Operationsmethoden zum Einsatz:

  • retropubisch: Schnitt im Unterbauch
  • perineal: Schnitt durch denn Damm zwischen Anus und Peniswurzel
  • laparoskopisch: endoskopische Operation über mehrere Zugänge im Unterbauch

Studien belegen, dass eine radikale Prostatektomie in 70 Prozent der Fälle zu einer Heilung führen.

Strahlentherapie gegen das Prostatakarzinom

Alternativ zur operativen Entfernung der Prostata kann der Krebs auch mit einer Strahlentherapie behandelt werden. Dabei wird eine radioaktive Strahlung direkt auf den Tumor gerichtet. Die Zellkerne der Krebszellen werden dadurch so stark geschädigt, dass sie sich nicht mehr teilen können und absterben. Hierbei gibt es zwei Arten der Behandlung:

  • perkutane Strahlentherapie: Bestrahlung durch eine außerhalb des Körpers befindliche Strahlenquelle
  • Brachytherapie: Implantation kleiner radioaktiver Partikel direkt auf der Prostata

Die Strahlentherapie kann auch in Kombination mit der operativen Entfernung der Prostata erfolgen. Dadurch soll das Risiko einer erneuten Krebserkrankung verringert werden.

Fokale Therapieverfahren bei Prostatakrebs

Ist nach einer umfassenden Diagnostik davon auszugehen, dass es sich um einen nicht aggressiven und gut abgrenzbaren Tumor handelt, kommen fokale Therapieverfahren infrage. Dabei wird lediglich der vom Krebs befallene Teil (der Fokus) der Prostata behandelt.

Hormonentzugstherapie gegen den Prostatakrebs

Wie bereits angedeutete fördert das Sexualhormon Testosteron das Tumorwachstum. Wird der Hormonspiegel unter einen bestimmten Schwellenwert gesenkt, kann man folglich das Fortschreiten der Erkrankung hemmen. Eine Heilung durch diese Therapie ist nicht möglich. Vielmehr kommt sie in der Regel dann zum Einsatz, wenn der Krebs nach einer kurativen Behandlung vorangeschritten ist oder wenn sich Metastasen gebildet haben. Zudem kann sie den Effekt einer lokalen Heilbehandlung unterstützen.

Chemotherapie

Die Chemotherapie kommt in der Regel zum Einsatz, wenn alle anderen Therapiemöglichkeiten ausgeschöpft wurden oder eine schnell und effektiv wirkende Therapie notwendig ist. Dies ist beispielsweise der Fall bei starken Knochenschmerzen oder bei einer akuten Lebensgefahr durch Metastasen in Lunge oder Leber. Dabei erhalten Betroffene Infusionen mit Zytostatika, die im gesamten Körper verteilen und das Wachstum von Krebszellen hemmen und dadurch zerstören.