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Gefühltes Alter – Und wie alt fühlen Sie sich?

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Hormontherapie Wechseljahre
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Das wahre Alter im Personalausweis und das sogenannte gefühlte Alter weichen in der heutigen Zeit immer mehr voneinander ab. Während die meisten sich bis etwa 30 Jahre recht altersgemäß fühlen, setzt ab dem dreißigsten Lebensjahr bei sehr vielen Menschen die wundersame Verjüngung ein. Seltsam eigentlich, wo wir doch alle älter werden und die Leistungsfähigkeit langsam aber stetig abnimmt. Die Haut fängt ihren Alterungsprozess sogar schon mit 25 Jahren an.

Mit 30 Jahren beginnt die Verjüngung
Gefühltes und reales Alter – Übereinstimmungen gibt es selten
Die 68er brachten ein neues Lebensgefühl
Durch ständig steigendes Lebensalter ändert sich auch die Einstellung
Gutes Gefühl – längeres Leben
Männer fühlen sich jünger
Das biologische Alter
Wie beeinflusse ich mein biologisches und damit auch mein gefühltes Alter?

Mit 30 Jahren beginnt die Verjüngung

Eine große Umfrage eines Meinungsforschungsinstitutes hat ergeben, dass die meisten 30-jährigen sich im Schnitt etwa acht Monate älter fühlen, als sie tatsächlich sind. Das macht aber nichts, denn danach beginnt das Alter, in dem die Verjüngung bzw. das jünger gefühlte Alter sich bemerkbar machen. Schon zwischen 30 und 39 Jahren sind es dann teilweise drei Jahre und mehr, die sich die Befragten jünger fühlten. Ab 40 Jahren bis etwa 49 Jahre beträgt die Differenz zwischen realem und gefühltem Alter schon mehr als fünf Jahre, natürlich zugunsten des gefühlten Alters. Und 50 bis 59-jährige fühlen sich deutlich mehr als sechs Jahre jünger, als ihre Geburtsurkunde das ausgibt. Wer denkt, dass jetzt neben dem biologischen auch der gefühlte Alterungsprozess einsetzt, der irrt. Ab 60 sind es schon 10 Jahre, die durchschnittliche Menschen sich jünger fühlen. Dieses gefühlte Alter reduziert sich erst ab etwa 70 Jahren, wenn es dann lediglich neun Jahre sind, die sich die Trilnehmer der Studie noch jünger fühlten.

Gefühltes und reales Alter – Übereinstimmungen gibt es selten

So wie auch die Außentemperaturen sich in reale und gefühlte Temperaturen unterscheiden, so ist es auch mit dem Alter. Das gefühlte und das reale Alter stimmen nur ganz selten wirklich einmal überein. Der Einbruch des realen Alters und damit die Bedeutung des gefühlten Alters für den einzelnen Menschen hatten ihre Anfänge nach Forschungsergebnissen im revolutionären Jahr 1968. Damals wurden ebenso viele Tabus gebrochen wie auch Altersgrenzen langsam aber stetig aufgehoben. Fast schon ein Jugendwahn brach über die westliche Welt herein und er hält mehr oder weniger intensiv bis heute an.

Die 68er brachten ein neues Lebensgefühl

Die Devise, dass man eben nur so alt ist, wie man sich auch fühlt, hat sich bis in die heutige Zeit gehalten. Neben dem Sport, der zu dieser Zeit Einzug in unser Leben hielt, waren es dann noch die kosmetische Chirurgie, die eine natürliche Alterung aufhalten konnte. Die Anti-Baby-Pille, die Genuss ohne Sorge mit sich brachte, war eine weitere Entlastung im Leben, besonders der Frauen, und damit einfach ein weiterer Meilenstein für mehr Lebensqualität und somit –erwartung. Gesteigerte Weltoffenheit brachte ab dieser Zeit auch eine insgesamt offenere Lebenseinstellung und die hat entsprechenden Studien zufolge einen großen Einfluss auf gefühltes Alter und die Gesundheit.

Durch ständig steigendes Lebensalter ändert sich auch die Einstellung

In Zeiten, als Menschen kaum mehr als 40 oder 50 Jahre alt wurden, war das Leben auf die sogenannten Alten einfach nicht ausgerichtet. Da wir heute 70, 80, 90 oder sogar älter werden können, was nicht zuletzt ein Gewinn der modernen Medizin ist, sind auch die Lebensumstände deutlich mehr auf ältere Leute ausgerichtet. Niemand fühlt sich heute mehr alt, nur weil er eine Lesebrille beim Lesen der Gebrauchsanleitung tragen muss. Und genau hier liegt ein weiterer Knackpunkt, denn gefühltes Alter ist auch ein Alter, das von außen her suggeriert wird. Fühle ich mich also in einer auf Jugend ausgerichteten Welt deplaziert, dann fühle ich mich alt und umgekehrt. Dank entsprechender Medizin, Hilfsmittel und auch weiterer nützlicher Möglichkeiten, den Spätsommer des Lebens zu genießen, bleibt auch das positive Lebensgefühl erhalten. Fitnessclubs sind nicht mehr nur jungen Leuten vorbehalten und auch Sporttreffs unter Grauhaarigen sind inzwischen zumindest in größeren Städten kein ungewohntes Bild mehr. Das Seniorenhandy mit größeren Tasten ist ein völlig normales Produkt der Industrie, das auch noch lautere Klingeltöne für Schwerhörige mit sich bringt. Das bringt Lebensqualität rundum und erhöht natürlich automatisch den Mut, möglichst lange zu leben – in möglichst optimaler Qualität.

Gutes Gefühl – längeres Leben

Das gefühlte Alter, das bei Senioren oftmals 13 Jahre unter dem realen Alter liegt, hat aber offenbar auch einen großen Einfluss auf das zu erreichende Alter. Wer nämlich nicht ständig in dem Bewusstsein des eigenen Alters lebt, der lebt auch wirklich länger. Verwunderlich ist dabei nicht, dass gerade gesunde ältere Leute sich deutlich jünger fühlen, als der Personalausweis das dann vorgibt. In einer Wissenschaftsstudie wurden über 500 Senioren in einem Alter von 70 bis 100 Jahren befragt. Nebenher wurden sowohl die körperlichen als auch die geistigen Fähigkeiten der Probanten insgesamt über einen Zeitraum von sechs Jahren konsequent beobachtet. Dabei stelle sich heraus, dass die Menschen sich durchweg zumindest etwas jünger fühlten, als die in der Realität waren. Zumindest galt das für diejenigen, die gelassen und zufrieden mit dem Altern umgingen. Bei einigen Probanten zeigte sich, dass ihr zunehmendes reales Alter phasenweise ein fast proportional sinkendes gefühltes Alter mit sich brachte. Starke Einbrüche im gefühlten Alter waren immer dann zu verzeichnen, wenn Krankheiten zuschlugen. Dann war das gefühlte Alter nämlich manchmal sogar noch höher eingestuft als das reale Alter.

Interessant ist, dass der Blick in den Spiegel bei den älteren Menschen das gefühlte Alter aber langfristig erhöhen kann. Während der Untersuchung haben die Menschen sich nach der eigenen Betrachtung im Spiegel hinsichtlich ihres gefühlten Alters einstufen sollen. Während die anfängliche Differenz bei etwa 10 Jahren lag, waren es zum Abschluss der Studie nur noch sieben Jahre, die sich die Probanten jünger fühlten. Das Selbstbild ist auch hier von den Menschen eher subjektiv und Falten lassen auch das gefühlte Alter nach oben steigen.

Männer fühlen sich jünger

Tendenziell ist es so, dass Männer sich jünger fühlen als Frauen. Das führen viele Wissenschaftler auf die Tatsache zurück, dass Frauen, zumindest in der heutigen Generation der Senioren, deutlich mehr auf ihr Äußeres ausgerichtet sind als die Männer. Auch hier können sich natürlich durch die veränderten Lebensumstände und -einstellungen in den nächsten Jahren Verschiebungen ergeben. Männer leiden übrigens unter Krankheiten nicht nur hinsichtlich des Schmerzempfindens wissenschaftlich erwiesen deutlich mehr als Frauen. Auch das gefühlte Alter wird bei Männern im Krankheitsfalle stärker beeinflusst. Mit Eintreten einer Krankheit fühlten sich die Männer der Studie in ihrem Wohlbefinden und gefühlten Alter deutlich schlechter und älter. Die persönliche Wahrnehmung im Hinblick auf das eigene Altern spielt nach diesen Studien also beweisbar eine wesentliche Rolle, nicht nur im Alterungsprozess der Menschen, sondern auch im gefühlten Alter.

Das biologische Alter

Das biologische Alter ist eine Vokabel, die uns in den Medien immer häufiger begegnet. Hier handelt es sich quasi um den Alterungszustand des Körpers, zunächst einmal unabhängig vom realen Alter. Jünger wirken hat auch mit einem deutlich günstigeren gefühlten Alter zu tun. So ist erwiesen, dass Menschen, die regelmäßig Sport treiben, sich ausgewogen und mäßig ernähren ohne den Genuss zu vergessen und eine rege Kommunikation mit Freunden und Bekannten pflegen, ein deutlich geringeres biologisches Alter und damit auch gefühltes Alter als andere Gleichaltrige. Positiv an diesen Forschungsergebnissen ist, dass somit jeder, genetische Voraussetzungen einbezogen, sein biologischen und gefühltes Alter positiv beeinflussen kann. Das geht in jedem Alter.

Wie beeinflusse ich mein biologisches und damit auch mein gefühltes Alter?

Die Ernährung ist ein wichtiger Aspekt. Reichlich Obst und Gemüse, regelmäßige aber mäßige Mahlzeiten und wenig Fleischkonsum beeinflussen das biologische und das gefühlte Alter positiv. Das Gewicht hat auch einen wichtigen Einfluss. Und da ist es eben ein gemäßigtes Gewicht im gesunden BMI-Bereich, das für ein niedriges gefühltes Alter sorgt und nach Möglichkeit auch konstant gehalten werden sollte.

Nichtraucher fühlen sich grundsätzlich jünger als Raucher. Seltener Alkoholkonsum leichter Alkoholika wie Bier und Wein bringt weitere positive Einflüsse auf das gefühlte und das biologische Alter. Wer zuviel schläft, lebt keinesfalls länger. Der durchschnittliche Schlafbedarf sollte nicht unter- aber auch nicht überschritten werden. Optimal sind siebeneinhalb bis achteinhalb Stunden Schlaf pro Nacht. Exzessiver Sport ist für das gefühlte Alter ebenso negativ wie überhaupt keinen Sport zu betreiben. Dreimal die Woche Sport reicht und nützt.

Interessant ist, dass Studien belegen, dass ein Leben in einer Beziehung das gefühlte und das biologische Alter günstig beeinflusst. Singles schneiden hier schlechter ab. Ein ausgefülltes Sexleben sorgt für weiteren positiven Einfluss. Und da zählt Qualität statt Quantität. Auch keinen Einfluss können wir häufig auf einschneidende Erlebnisse im Leben nehmen. Aber es ist nun einmal so, dass ein Umzug, eine Trennung vom Partner oder auch ein Todesfall im näheren Umfeld negative Einflüsse auf das biologische Alter mit sich bringen. Regelmäßige und vor allem gute Sozialkontakte sind auch sehr wichtig. Der Mensch ist nun einmal ein soziales Wesen und für das Alleinleben nicht gemacht.

Fazit: Bedingt durch veränderte Lebensumstände und günstigere medizinische Versorgung sind für uns alle die Möglichkeiten gestiegen, unser gefühltes Alter zu reduzieren und das Lebensalter insgesamt zu verlängern. Vor einhundert Jahren, als die Menschen noch harte Arbeit verrichteten und die medizinische Versorung mäßig war, da war gefühltes Alter noch kein Thema. Wer noch ein wenig Einfluss auf seinen Lebensstil hinsichtlich der Ernährung, Entspannung, der Kontakte nach außen und sportlichen Betätigung nimmt, kann sein gefühltes Alter in wirklich jedem Alter noch positiv beeinflussen. Krampfhaft auf jung getrimmt durch das Leben zu gehen kann aber ebenso älter machen wie sich selbst optisch und von der Lebenseinstellung her älter zu machen. Gelassenheit ist nämlich ein weiteres Indiz für Lebensqualität und jüngeres gefühltes Alter.