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Autismus – Symptome, Verhalten und Therapie

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Autismus
© Lucian Milasan - Fotolia.com

Beim Autismus handelt es sich um eine Störung innerhalb der Persönlichkeitsentwicklung eines Menschen. Wichtigstes Merkmal der autistischen Störung ist, dass sich betroffene Menschen von ihrem sozialen Umfeld fast komplett isolieren.

Geprägt wurde der Begriff „Autismus“ von einem Schweizer Psychiater namens Eugen Bleuler im Jahr 1911. Der Begriff ist aus dem griechischen „Autos“ für „selbst“ und „ismos“ für „Zustand“ abgeleitet. Im Jahr 1943 wurde die Krankheit dann vom amerikanischen Psychiater Leo Kanner als eigenständige Erkrankung erklärt, die ihren Beginn in der Kindheit hat. Er grenzte den Autismus damit erstmalig von der Schizophrenie ab.Das Krankheitsbild, das Kanner beschrieb, ist der Autismus, der heute als frühkindlicher Autismus oder Kanner-Syndrom bekannt ist. Als eigenes Krankheitsbild ist der Autismus erst seit den 1980er Jahren akzeptiert.

Breite Bekanntheit erlangte diese Erkrankung erst durch den Film „Rainman“, indem der US-amerikanische Schauspieler Dustin Hoffman einen Autisten im Erwachsenenalter sehr eindrucksvoll darstellte. Insofern hat dieser Film zu einer breiten Akzeptanz und Bekanntheit der Störung geführt.

» Formen des Autismus
» Wie häufig tritt Autismus auf?
» Die Ursachen des Autismus
» Symptome des Autismus
» Sozialverhalten bei Autismus
» Störungen in Sprache und Kommunikation
» Verhalten, Bewegung und Interessen von Autisten
» Einschränkungen im Leben eines Autisten
» Diagnose Autismus & Was bedeutet das?
» Therapie des Autismus
» Der Verlauf des Autismus
» Autismus vorbeugen – Geht das?

Formen des Autismus

Es sind verschiedene Formen der autistischen Störung bekannt.

  • Frühkindlicher Autismus – das Kanner-Syndrom
    Hierbei handelt es sich um die bekannteste Art des Autismus. Wird von Autismus gesprochen, ist fast immer diese Variante gemeint. Menschen die am frühkindlichen Autismus leiden, dem so genannten Kanner-Syndrom, sind im Regelfall stark eingeschränkt in ihrer geistigen Entwicklung und benötigen somit lebenslange Unterstützung bei der Lebensführung.
  • Asperger Syndrom
    Diese ist die mildeste Form der autistischen Störung, die durchaus ein eigenständiges und selbstbestimmtes Leben erlaubt. Bei Autisten, die den so genannten Asperger-Autismus aufweisen, verläuft die Entwicklung der Sprache sowie auch der Intelligenz im Regelfall ohne erkennbare Einschränkung.
  • Atypischer Autismus
    Auch bei dieser Variante des Autismus handelt es sich um eine milde Form der Störung.
  • Rett-Syndrom
    Diese Variante des Autismus ist eine sehr tiefgreifende Form der Entwicklungsstörung, die zudem autistische Züge aufweist. Gleiches wie beim Kanner-Syndrom gilt auch für Menschen, die am Rett-Syndrom leiden.

Unabhängig davon, unter welcher Form des Autismus ein Betroffener leidet, ist er in unterschiedlichen Lebensbereichen mehr oder weniger beeinträchtigt.

  • Autisten kapseln sich generell von ihrer Umwelt ab und die zwischenmenschlichen Beziehungen sind erheblich gestört.
  • Die Sprachentwicklung bei Autisten ist stark beeinträchtigt, was dann auch ihre Möglichkeiten, mit anderen Menschen zu kommunizieren, stark reduziert.
  • Autisten haben eine Neigung, ein bestimmtes Verhalten immer zu wiederholen, sie neigen damit zu den so genannten Stereotypen.
  • Sowohl die Interessen als auch die Aktivitäten von Autisten sind im Vergleich zu den Altersgenossen sehr stark eingeschränkt.

Auch wenn das Spektrum der Symptome bei den Störungen sehr breit gefächert ist, zeigen Menschen mit autistischer Störung fast alle, bestimmte Persönlichkeitsmerkmale unabhängig von der Variante des Autismus.

Zu den gleichen Symptomen gehören folgende

  • Probleme mit dem Aufbau von Beziehungen zu anderen Menschen
  • Beeinträchtigung der Sprachentwicklung sowie der Kommunikation
  • Einschränkung der Aktivitäten und Interessen
  • Immer wiederkehrende, sich häufig wiederholende stereotype Verhaltensweisen

Wie häufig tritt Autismus auf?

Die unterschiedlichen Formen des Autismus treten in verschiedener Häufigkeit auf.

  • Frühkindliche Autismus, Kanner-Syndrom
    Diese Form des Autismus tritt bei 10.000 Kindern zwei bis fünfmal auf. Dabei sind Jungen drei bis viermal häufiger von dieser Form des Autismus betroffen als Mädchen.
  • Asperberger-Syndrom
    Diese Form des Autismus kommt fast ausschließlich bei Jungen vor. Von 10.000 Kindern sind drei von dieser Form des Autismus betroffen.
  • Rett-Syndrom
    Diese Form des Autismus betrifft ausschließlich Mädchen. Von 15.000-20.000 Mädchen ist eines von dieser Form des Autismus betroffen.

Die Ursachen des Autismus

Bis heute ist es nicht eindeutig medizinisch geklärt, warum einige Menschen an Autismus leiden. Gesichert ist allerdings, dass biologische Faktoren für diese Erkrankung eine bedeutsame Rolle spielen.

» Genetische Hintergründe
Zahlreiche Gründe sprechen dafür, dass der Auslöser und die Ursache für den Autismus in genetischen Faktoren zu suchen ist. Viele Menschen, die in ihrer Verwandtschaft Autisten haben, zeigen ähnliche Symptome wie Autisten oder ebenfalls deutlich autistische Züge.

» Autismus bei Zwillingen und Geschwistern
Zwillingsstudien haben die Vermutung untermauert, dass Autismus vererbbar ist. Die Wahrscheinlichkeit ist gemäß diesen Studien sehr hoch, dass ein Zwilllingskind, das an Autismus leidet, dann auch ein Geschwisterkind hat, das an diesem Autismus erkrankt. Die Wahrscheinlichkeit, dass beide Zwillingskinder Autisten werden, ist bei eineiigen Zwillingen bei 95 Prozent gegeben, bei zweieiigen Zwillingen bei 23 Prozent vorhanden. Gleiche Risiken wie zweieiige Zwillinge haben auch Geschwisterkinder. Auch wenn die Geschwisterkinder von Autisten generell als gesund gelten, zeigen sie häufig dennoch autistische Züge. Im Vergleich mit anderen Kindern entwickeln sie sich sowohl geistig als auch sprachlich deutlich langsamer, auch wenn sie nicht als an Autismus erkrankt gelten.

» Veränderte X-Chromosomen
Experten gehen nach dem heutigen Stand der Forschungen davon aus, dass es vier bis zu zehn genetische Faktoren sind, die für die Entwicklung eines Autismus verantwortlich sind. Beim Rett-Syndrom, das ausschließlich Mädchen trifft, konnten Wissenschaftler inzwischen sogar schon die erblichen Bedingungen für den Autismus nachweisen. Hier ist bei den betroffenen Mädchen ein Gen auf dem X-Chromosomen deutlich verändert.

» Auswirkungen von Serotonin auf das Gehirn
Weitere Ursachen für den Autismus suchen Forscher im Bereich der biochemischen Faktoren. Hier ist der Botenstoff Serotonin in den Fokus der Aufmerksamkeit gelangt. Der Neurotransmitter ist für die Nachrichtenübermittlung im Gehirn verantwortlich. Nachgewiesen werden konnte, dass Menschen mit Autismus im Vergleich zu anderen Menschen einen besonders hohen Serotoninwert im Gehirn aufweisen.

Diese Stoffwechselstörungen innerhalb des Gehirns betrachten Mediziner als wichtige Hinweise für das auffällige Sozialverhalten, die Lernschwierigkeiten sowie die Aufmerksamkeitsdefizite, die Autisten aufzuweisen haben.

» Röteln in der Schwangerschaft
Auch neurologische Ursachen für den Autismus ziehen Experten in Betracht. Hintergrund hierfür ist, dass sich bei Kindern mit Autismus gestörte Gehirnwellenmuster sowie auch eine reduzierte Durchblutung des Gehirns nachweisen ließen. Nicht selten konnten bei den Untersuchungen auch unterentwickelte Gehirngebiete nachgewiesen werden, die dann für die Intelligenz, die Sprachentwicklung sowie das Sozialverhalten verantwortlich waren. Die Veränderungen im Gehirn waren umso auffälliger nachweisbar, je ausgeprägter der Autismus war.

» Epileptische Anfälle
Weiterhin erwiesen ist, dass 30 Prozent der Erwachsenen, die an einem schweren Autismus leiden, auch epileptische Anfälle zu verzeichnen haben. Besteht bei einer schwangeren Frau eine Rötelerkrankung, dann wird nach Forschungsergebnissen das Risiko für das Ungeborene, mit Autismus geboren zu werden, um das Zehnfache erhöht. Hintergrund hierfür ist, dass die Erkrankung das zentrale Nervensystem schädigt.

Aber auch Hirnhautentzündungen sowie eine Gehirnentzündung können das zentrale Nervensystem schädigen, damit die Grundlage für einen mehr oder weniger schwer ausgeprägten Autismus liefern.

» Psychologische Hintergründe für den Autismus
Innerhalb der Erforschung des Autismus spielen auch Faktoren eine Rolle, die psychologische Hintergründe haben. Über einen langen Zeitraum galt für den Autismus auslösend das Verhalten der Eltern. Nach dieser These entwickelten Kinder einen Autismus, sofern sie von den Eltern, insbesondere der Mutter, Ablehnung erfahren haben. Die Begründungen für die These lagen darin, dass man davon ausging, dass Kinder, die sich von den Eltern bzw. der Mutter abgelehnt fühlen, einen Rückzug in die eigene Welt vornehmen. Daraus resultierte die These, dass es sich beim Autismus nicht um eine klassische Erkrankung, sondern um eine falsche Erziehung und deren Folgen handelte. Diese Begründungen sind allerdings heute nach neuen Forschungsergebnissen überholt, die These damit unhaltbar.

Zwei wichtige Gründe sprechend dagegen, dass das Verhalten der Eltern den Autismus begünstigt.

  • Es konnte nie eindeutig nachgewiesen werden, dass sich Eltern autistischer Kinder besonders ablehnend gegenüber ihren Kindern verhalten.
  • Symptome von Autismus sind bei Kindern bereits im frühen Säuglingsalter nachweisbar – was für Forscher einen wichtigen Hinweis auf biologische Hintergründe für den Autismus liefert.

Experten vermuten heute, dass die Veränderungen im Gehirn, die inzwischen in Studien untermauert wurden, die psychologischen Prozesse beim Betroffenen ungünstig beeinflussen. Diese These belegt dann auch das typische Verhalten, das Autisten zeigen, nämlich die Unfähigkeit, eigene Gefühle und Bedürfnisse zu formulieren und die Körpersprache des sozialen Umfeldes angemessen zu beurteilen.

Symptome des Autismus

Generell zeigt der Autismus unterschiedliche Symptome. Nicht alle Autisten weisen daher die gleichen Symptome auf. Wer an einem frühkindlichen Autismus leidet, weist deutlich intensivere Symptome auf als ein Autist mit dem sogenannten Asperger-Syndrom. Zudem sind die Symptome bei den Autisten in unterschiedlichen Lebensaltern sehr verschieden ausgeprägt.

  • Beim frühkindlichen Autismus zeigen sich Symptome bereits im Säuglingsalter.
  • Bei Asperger-Syndrom beginnen die Symptome im Kindergarten- oder sogar erst im Grundschulalter.
  • Das Rett-Syndrom zeigt seine ersten Symptome schon ab dem 6. Lebensmonat oder aber auch erst ab dem 4. Lebensjahr des Kindes.

Generell zeigt sich der Autismus in sehr vielen verschiedenen Lebensbereichen, in denen Autisten anders reagieren als gesunde Menschen.

  • Autisten haben generell ein gestörtes zwischenmenschliches Verhältnis zu ihrer Umgebung.
  • Die Kommunikation ist sowohl in verbaler als auch nonverbaler Hinsicht deutlich gestört.
  • Interessen von Autisten sind sehr begrenzt und die Verhaltensweisen sowie die Bewegungen von Autisten sind sehr stereotyp.

» Störungen innerhalb der zwischenmenschlichen Beziehungen
Wichtiges Symptom für den Autismus liegt in einer Störung innerhalb der zwischenmenschlichen Beziehungen. Autisten kapseln sich tendenziell von ihrer Umgebung ab. Viele Autisten wirken auf ihre Umgebung unnahbar und abwesend sowie insgesamt seltsam.

Autisten fällt es sehr schwer, sich in die Gefühlslage anderer Menschen zu versetzen sowie auch ihre Gedankengänge nachzuvollziehen. Autisten können nur sehr schwer vertrauensvolle und längere Beziehungen zu Menschen aufbauen. Finden Kontaktversuche von anderen Menschen statt, dann erfolgt oftmals eine sehr ablehnende und abweisende Reaktion. Blickkontakte und Berührungen meiden Autisten vehement.

» Kontaktsuche über Tasten und Riechen
Ist der Autismus sehr stark ausgeprägt, dann kann es auch sein, dass der Autist den Kontakt über ungewöhnliche Sinne wie Tasten oder Riechen aufbaut. Die Kontaktversuche sind dann häufig mit Ritualen verbunden. Ein autistisches Kind spielt lieber allein und bezieht andere Menschen in das eigene Spiel nicht ein.

» Kaum Bedürfnisse
Verglichen mit anderen Kindern ist bei Autisten das Nachahmungsbedürfnis nur sehr gering ausgeprägt. Winkt man diesen Kindern zum Abschied, dann erfolgt oftmals keine Reaktion. Autisten können ihre Gefühle nur schwer äußern, aber auch nicht einfach wahrnehmen. Anders als gesunde Kinder suchen autistische Kinder nicht den Trost der Mutter und können ihr Bedürfnis nach Trost auch nicht äußern.

Sozialverhalten bei Autismus

» Sozialverhalten bei frühkindlichem Autismus
Die Hauptform des Autismus ist der frühkindliche Autismus. Dieser zeigt sich schon beim Säugling in einem sehr speziellen Sozialverhalten. Autistische Säuglinge sehen andere Menschen nicht an, später grüßen sie nicht und sie nehmen auch keinerlei körperlichen Kontakt zu den Eltern auf. Generell kapseln sich diese autistischen Kinder komplett von ihrer Umwelt ab und lassen nur den Kontakt zu sehr vertrauten Menschen zu.

» Sozialverhalten bei Asperger-Syndrom
Die Störungen im Sozialverhalten sind beim Asperger Syndrom nicht so ausgeprägt wie beim frühkindlichen Autismus. Die Symptome der Erkrankung zeigen sich hier erst im Kindergartenalter oder während der Grundschulzeit, sind dann aber auch noch deutlich weniger ausgeprägt als beim frühkindlichen Autismus. Typisch für diese Kinder ist, dass sie mit anderen Kindern nur sehr eingeschränkt den Kontakt aufnehmen und dass sie insgesamt immer relativ isoliert wirken.

» Sozialverhalten beim Rett-Syndrom
Bei dieser Art von Autismus handelt es sich um eine angeborene Variante des Autismus, die nur bei Mädchen auftritt. Erstmalig treten die Symptome dieses Autismus ab dem 6. Lebensmonat bis hin zum 4. Lebensjahr auf. Bei Mädchen, die an dieser Form von Autismus leiden, reduziert sich die geistige Entwicklung im Laufe der Zeit oder sie stellt sich komplett ein. Dabei verlieren die Kinder zunehmend die Möglichkeit, mit anderen Menschen soziale Kontakte aufzubauen und zu halten.

» Sozialverhalten beim atypischen Autismus
Hierbei handelt es sich um eine Sonderform des frühkindlichen Autismus, die sich etwa ab dem 3. Lebensjahr zeigt. Die Symptome beim atypischen Autismus sowie auch das Sozialverhalten zeigen sich ähnlich dem frühkindlichen Autismus. Allerdings sind die Symptome hinsichtlich des Sozialverhaltens beim atypischen Autismus deutlich geringer ausgeprägt als beim frühkindlichen Autismus – was ihn allerdings oftmals auch sehr schwer diagnostizierbar macht.

Störungen in Sprache und Kommunikation

Die Symptome, die der Autismus mit sich bringt, betreffen auch die Sprachentwicklung sowie die Kommunikation.

» Der frühkindliche Autismus und die Kommunikation
Gerade der frühkindliche Autismus bewirkt bei Betroffenen hohe Schwierigkeiten bei der Entwicklung der Sprache. Kinder, die am frühkindlichen Autismus leiden, haben bereits im Kleinkinderalter sehr große Probleme, mit ihrem sozialen Umfeld in Kommunikation zu treten. Rund 50 Prozent der Betroffenen des frühkindlichen Autismus entwickeln auch im Laufe ihres Lebens keine verständliche und für die Umgebung sinnvoll erscheinende Sprache. Bei den anderen 50 Prozent ist die Sprachentwicklung sehr stark eingeschränkt und auch verzögert. Die Sprache zeichnet sich hier durch wenig Ausdruck und Gefühl, durch sparsame Gestik und Mimik aus. Alle diese Aspekte der Kommunikation werden vom Autisten mit dem frühkindlichen Autismus nur sehr eingeschränkt in die Sprache mit einbezogen. Dabei ist typisch, dass diese Autisten keine echte Kommunikation mit ihrem Gegenüber betreiben, sondern eher auf den Gesprächspartner einreden, statt sich mit ihm auszutauschen.

Klassisch für den frühkindlichen Autismus ist zudem,

  • dass diese Menschen sehr betont sprechen
  • und insgesamt eine sehr tiefe Stimme entwickeln.
  • Typisch ist auch, dass diese Autisten bestimmte Lieblingsworte in der Kommunikation haben und diese auch sehr häufig einsetzen.

Mediziner sprechen hier von der sogenannten Echolalie. Nicht selten sind Autisten mit frühkindlichem Autismus auch förmlich begeistert davon, neue Worte zu entwickeln und damit sogenannte Neoglismen in ihre Kommunikation einzubinden. Oftmals werden die Bedeutungen von Worten verwechselt, hier wird dann beispielsweise das „Du“ für das „Ich“ genutzt, was einem Satz zunächst einen schwer nachvollziehbaren Inhalt für den Gesprächspartner gibt.

Typisches Verhalten in der Kommunikation dieser Autisten ist auch, dass sie gesprochene Worte ausschließlich wörtlich verstehen, mit Redewendungen, Sprichwörtern oder sogar Ironie nichts anfangen können. Diese Besonderheit lässt es für andere Menschen besonders schwierig werden, mit dem Autisten zu reden.

» Das Asperger-Syndrom und die Kommunikation
Hat der Betroffene ein Asperger-Syndrom, so verläuft die Sprachentwicklung häufig völlig normal.

  • Trotzdem nutzen diese Menschen oftmals nicht die Sprache, um mit anderen Menschen zu kommunizieren.
  • Da Autisten mit dem Asperger-Syndrom häufig sehr intelligent sind, wirkt ihre Ausdrucksweise auf andere Menschen sehr altklug und arrogant, sie machen einen sehr ernsten und wenig kindlichen Eindruck.
  • Sehr häufig führen diese Autisten Selbstgespräche.
  • Im Gespräch mit anderen Menschen fällt die Sprachmelodie dieser Autisten auf – im Gespräch gehen sie auf den Gesprächspartner nur bedingt ein.

Auch hieraus ergeben sich für Menschen im sozialen Umfeld große Probleme, mit dem Autisten zu kommunizieren.

Erfahrungsbericht eines erwachsenen Autisten mit Asperger Syndrom

Verhalten, Bewegung und Interessen von Autisten

1.Verhalten bei frühkindlichem Autismus
» Stereotypen
Autismus zeigt sich unter anderen auch durch ein sehr begrenztes Interessensgebiet, sowie durch stereotype Verhaltensweisen und Bewegungsabläufe (Wiederholung bestimmter Körperbewegungen). Einige Autisten bewegen so beispielsweise dauerhaft eine Hand und pendeln mit ihr oder sie wippen während des Sitzens permanent mit dem gesamten Körper vorwärts und rückwärts.

» Spielsachen
Kinder, die am Autismus erkrankt sind, beschäftigen sich fast nie mit normalem Spielzeug, wie dies gesunde Kinder tun. Gerade Kinder mit dem frühkindlichen Autismus interessieren sich lediglich für einige Aspekte einer Sache, weniger für das Ganze. Hier kann das Rad eines Spielzeugautos auf den Autisten sehr viel faszinierender wirken als das Spielzeugauto selbst.

Gefesselt werden Autisten sehr oft von mechanischen, drehenden Gegenständen – die dann die Aufmerksamkeit über einen sehr langen Zeitraum fesseln. Typisch für Autisten ist es beispielsweise, dass sie sich stundenlang vor eine Waschmaschine setzen und die Drehung der Waschmaschinentrommel fasziniert beobachten.

» Spezielle Interessen und Fähigkeiten
Autisten haben oftmals sehr ausgeprägte Spezialinteressen und in diesen Bereichen können sie echte Experten werden. Sie können beispielsweise Fahrpläne bis ins Detail auswendig lernen oder auch andere Spezialbegabungen zeigen, mit denen Gesunde häufig überfordert wären. Trotzdem ist die Intelligenz bei Kindern mit frühkindlichem Autismus bei 70 Prozent der Betroffenen deutlich reduziert.

» Rituale beim Autismus
Autisten sind auf Rituale fast schon angewiesen. Sie legen großen Wert darauf, dass Dinge sich nicht verändern. Möbel sollen möglichst nie verrückt werden und immer an derselben Stelle stehen bleiben. Plötzliche Veränderungen bedeuten für den Autisten enormen Stress. Besonders beim frühkindlichen Autismus besteht große Angst bei Veränderungen, die dann in Wut oder Aggression umschlägt. Hier sprechen Mediziner von der Veränderungsangst. Ähnlichen Stress verursacht es bei Autisten, wenn sie mit ihrer Bezugsperson plötzlich neue Wege gehen sollen – beispielsweise zum einkaufen.

2. Verhalten beim Asperger-Syndrom
Autisten, die am Asperger-Syndrom leiden, sind in der Regel durchschnittlich bis überdurchschnittlich intelligent, haben aber dennoch oftmals sehr große Probleme beim Lernen. Die Begründung hierfür liegt in der mangelhaften Aufmerksamkeit und den spontanen Ideen, die dann von der aktuellen Beschäftigung ablenken. Mediziner bezeichnen diese als Sonderinteressen.

» Mitunter kleine Talente
Einige Autisten mit dem Asperger-Syndrom zeigen sich bereits im Vorschulalter als talentierte Kunstexperten, Naturforscher oder Rechengenies. Kinder, die am Asperger-Syndrom leiden, reagieren immer dann, wenn an sie Anforderungen oder Einschränkungen herantreten, mit intensiven Wutanfällen. Diese Kinder haben zudem die Tendenz, ihren Willen immer durchsetzen zu wollen.

» Wenig Körpersprache
Die Bewegungsabläufe der Betroffenen vom Asperger-Syndrom sind oftmals sehr ungeschickt, sie zeigen daher eine nur sehr geringe Körpersprache.

3. Verhalten beim Rett-Syndrom
Bei den Mädchen, die vom Rett-Syndrom betroffen sind, ist es typisch, dass die Fähigkeit, die Hände kontrolliert und zielgerichtet zu bewegen, mit der Zeit abnimmt. Die Handbewegungen wirken auf Außenstehende eigenartig, denn es scheint immer so, als ob sie etwas in Händen halten, dass sie waschen möchten. Diese Bewegungen wiederholen sich häufig und werden als sogenannte Bewegungsstereotypen bezeichnet.

  • Der Gang dieser Mädchen wirkt schlaksig, unkoordiniert und auch großmotorisch und auch die Oberkörperbewegungen machen diesen seltsamen Eindruck.
  • Häufig haben Mädchen mit dem Rett-Syndrom auch epileptische Anfälle und sie knirschen unter Umständen auch mit den Zähnen.
  • Ein klassisches körperliches Symptom für Mädchen mit dem Rett-Syndrom liegt darin, dass das Kopfwachstum hier bei Betroffenen sehr verlangsamt ist.

Einschränkungen im Leben eines Autisten

Neben den Störungen in der Kommunikation, der Sprache sowie den Verhaltensweisen, was dann die Kontakte mit der Umgebung sehr schwierig werden lässt, haben autistische Menschen noch weitere Einschränkungen in ihrem Leben zu verzeichnen.

Oftmals leiden Autisten unter Schlaf- und Essstörungen sowie auch Angststörungen. Gerade beim Asperger-Syndrom besteht eine intensive Störung innerhalb der Aufmerksamkeit. Klassisch ist hier auch die Bewegungsunruhe, die als hyperkinetisches Verhalten bezeichnet wird. Oftmals sind bei Autisten auch die Tic-Störungen zu verzeichnen, also klassische Muskel-Ticks, die nicht kontrollierbar sind.

Diagnose Autismus & Was bedeutet das?

Die Diagnostizierung des Autismus ist sehr schwierig. Nicht alle Babys, die wenig Interesse an ihrer Umwelt zeigen, sind gleichzeitig Autisten. Auch im Kindergarten- und Grundschulter gibt es Kinder, die gern für sich allein sind, alleine spielen und als sogenannte Einzelgänger bezeichnet werden. Trotzdem muss es sich hierbei nicht um Autisten handeln.

Auch andere klassische Symptome des Autismus, wie beispielsweise die Angststörung, zeigen sich nicht nur bei Autisten und sind damit kein klassisches Indiz für eine Diagnose des Autismus.

Zur Diagnostizierung des Autismus wird der Kinder- und Jugendpsychiater zunächst die Eltern des Kindes nach klassischen Verhaltensweisen befragen.

Hierbei werden folgende Fragen sehr früh geklärt:

  • Sind Störungen in zwischenmenschlichen Beziehungen beim Kind zu verzeichnen?
  • Zeigt das Kind eine gestörte Sprache und eine gestörte Kommunikation?
  • Weist das Kind eingeschränkte Interessen sowie stereotypes Verhalten auf`?

Weiterhin bestehen zur Diagnostizierung des Autismus die Möglichkeit der Nutzung eines vorgefertigten Fragebogens sowie die ausgiebige Beobachtung des Kindes. Mit den Antworten auf die Fragen sowie der Beobachtung des Kindes kann sich der Arzt dann ein komplettes Bild vom Verhalten des Kindes machen.

» Andere Erkrankungen ausschließen
Wenn der Verdacht auf einen Autismus besteht, muss vorher ausgeschlossen werden, dass andere Erkrankungen vorhanden sind. Psychosen oder Intelligenzminderungen beispielsweise können ähnliche Symptome wie der Autismus mit sich bringen, wobei die Erkrankungen dann ähnliche Züge wie der Autismus aufweisen.

Weiterhin erfolgen umfassende Untersuchungen des Seh- und Hörvermögens, der Motorik, der Sprache, der Intelligenz sowie des Sozialverhaltens.

Therapie des Autismus

Die Therapie des Autismus verfolgt zwei wesentliche Ziele. Hierbei ist die Unterstützung der Entwicklung des Artisten die eine Säule der Therapie, die andere beschäftigt sich mit der Förderung der Stärken und Fähigkeiten des Autisten. Verhaltenstherapien in Form der Psychotherapie stellen den Mittelpunkt der Therapiemethoden dar. In diesen Therapien lernen die Betroffenen, Beziehungen zu anderen Menschen aufzubauen und mit ihrem sozialen Umfeld in Kontakt zu treten.

Eine Heilung des Autismus ist aus heutiger medizinischer Sicht nicht möglich. Menschen, die an dieser Störung leiden, sind ihr ganzes Leben lang beeinträchtigt. Dabei sollte man Autisten nicht generell als krank betrachten, sondern eher als Menschen, die eine andere Wahrnehmung ihrer Umwelt haben.

Zahlreiche Menschen, die an der autistischen Störung leiden, führen ein durchaus zufriedenes Leben.

Die Therapie des Autismus erfolgt sehr individuell an die jeweilige Person und deren individuelle Einschränkungen angepasst. Auch die Stärken des Betroffenen werden in die Therapie mit einbezogen. Die Therapie des Autismus hat allerdings nicht das Ziel der Heilung, denn Autismus ist nicht heilbar, sondern ein Begleiter des gesamten Lebens. Der Betroffene hat individuelle und unterschiedlich ausgeprägte Einschränkungen im Sozialleben für sein gesamtes Leben zu verzeichnen.

Die Therapie des Autismus basiert deshalb auf vier Grundpfeilern:

  1. Die normale Entwicklung des Autisten erhält Förderung
  2. Hilfeleistung und Unterstützung mit anderen Menschen werden geboten
  3. Sich wiederholende, also stereotype, und eingefahrene, also rigide Verhaltensweisen sollten Stück für Stück abgebaut werden
  4. Die Familie erhält Unterstützung im Umgang mit dem Betroffenen und ihrem sozialen Umfeld

Die Ergebnisse werden von Psychologen, Psychiatern und Pädagogen in gemeinsamer Arbeit und mit verschiedenen Methoden ausgewertet.

» Therapie des Autismus mit Medikamenten
Eine hilfreiche und wirksame Medikamentierung des Autismus ist bisher nicht gegeben.

Die medikamentöse Behandlung zielt daher auf die Beseitigung oder Reduzierung von Begleiterscheinungen des Autismus ab. Hier können dann Spannungszustände abgebaut und ein selbstverletztendes Verhalten eingeschränkt werden. Betroffene, die an epileptischen Anfällen leiden, werden mit entsprechenden Medikamenten therapiert.

» Verhaltenstraining bei Autismus
Wichtiger Aspekt bei der Therapie des Autismus ist im Verhaltenstraining gegeben. Hier liegt das Ziel darin, den Betroffenen darin zu stärken, mit der Umgebung Kontakt aufzubauen und Kommunikation zu betreiben.

Hierbei wird das Belohnungsprinzip genutzt. Der Betroffene wird für das erwünschte Verhalten belohnt, beispielsweise durch ein Lieblingsspielzeug oder eine gewünschte Aktivität. Bestrafung, beispielweise in Form von Entzug von Spielzeug, darf hier nur in seltenen Fällen zur Anwendung kommen. Diese Bestrafung ist dann notwendig, wenn der Autist beispielsweise mit dem Kopf gegen die Wand schlägt, um Stress abzubauen. Generell wird aber über das Belohnungsprinzip gearbeitet – auch im häuslichen Umfeld.

Die Eltern werden in die Verhaltenstherapie mit eingebunden, damit sie das Kind im häuslichen Verhalten bestärken und auch besser mit ihm in Kontakt treten können.

» Alternative Therapien des Autismus
Der Autismus kann auch alternativ therapiert werden, beispielsweise mit Kunst- und Musiktherapien. Auch der Einsatz von Tieren, beispielsweise die Reittherapie, auch als Hippo-Therapie bekannt, kann hilfreich sein. Wissenschaftliche Belege für die Wirksamkeit dieser Therapien liegen noch nicht vor, allerdings können diese Therapien hilfreich sein und eine Behandlung sinnvoll begleiten.

Eine weitere Form der Tiertherapie ist die Alpakatherapie

Wichtig sind zudem die krankengymnastische Behandlung sowie die Logopädie als weitre Therapiemaßnahmen des Autismus. Der Betroffene kann so lernen, seine Sprachstörungen und seine motorischen Auffälligkeiten zu reduzieren.

» Die Elternarbeit beim Autismus
Die Elternarbeit spielt bei Autisten im Hinblick auf deren Erfolge eine wichtige Rolle. Wichtig ist es daher auch, die Eltern intensiv zu unterstützen, zumal der Autismus des Kindes für die Eltern oftmals eine erhebliche Belastung darstellt. Mit Informationen und praktischer Unterstützung wird den Eltern geholfen, mit ihrer Situation besser umzugehen.

Wichtig ist zudem Aufklärungsarbeit, beispielsweise dahingehend, dass der Autismus sich nicht aus der Ablehnung der Eltern dem Kind gegenüber entwickelt hat. Schon umfassende Aufklärungsarbeit und der Kontakt mit anderen Betroffenen kann Eltern in ihrer speziellen Situation sehr unterstützen.

Der Verlauf des Autismus

Autisten haben in ihrem Verlauf der Erkrankung kein einheitliches Bild aufzuweisen. Die Entwicklung und der Verlauf des Autismus hängen sehr viel auch von der Art des Autismus ab. Auch die Entwicklungseinschränkungen wirken sich auf den Verlauf aus. Fakt ist, dass ein Autist für sein gesamtes Leben ein Autist bleibt.

Betroffene des Asperger-Syndroms können ihren Alltag als Erwachsene häufig selbständig gestalten und auch einen Beruf ausüben. Viele dieser Autisten führen aber dennoch ein isoliertes Leben und halten keine Beziehungen zu anderen Menschen.

» Lebenslange Hilfe von Nöten
Bestehen andere Formen des Autismus, wie beispielsweise frühkindlicher Autismus oder das Rett-Syndrom, dann ist meist eine lebenslange Unterstützung bei der Lebensführung notwendig. Gerade dann, wen die geistige Entwicklung stark eingeschränkt ist, leben Autisten sehr häufig mit anderen Betroffenen in einer Einrichtung.

Das Rett-Syndrom zeigt einen fortschreitenden Verlauf. Frauen, die von dieser Form des Autismus betroffen sind, werden im Laufe ihres Lebens pflegebedürftig. Sie sterben im Durchschnitt im Alter von 40 bis 50 Jahren.

Autismus vorbeugen- Geht das?

Es gibt bisher keine wirksamen Maßnahmen, mit denen man dem Autismus vorbeugen kann – zumal auch die Herkunft des Autismus noch nicht komplett erforscht ist.

Es ist allerdings wichtig, die autistische Störung so früh wie möglich zu erkennen, um das Kind dann in der Entwicklung zu fördern und sinnvoll zu behandeln.