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Hörgeräte – Praxistipps zur Eingewöhnung und Pflege

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Hörgeräte Test
© Robert Przybysz - Fotolia.com

Rund 15 bis 20 Millionen Menschen in Deutschland haben Probleme mit dem Hören. Das Hörgerät stellt aber immer noch eine Hemmschwelle dar und so scheuen sich viele Menschen, diese Hilfe zu tragen und akzeptieren so lieber einen stark eingeschränkten Hörsinn als das Tragen des Hilfsgerätes. Auch wenn die Geräte inzwischen sehr klein und in der Anwendung auch sehr komfortabel geworden sind, so stellt die Eingewöhnung beim Hörgerät doch immer noch eine Hürde dar. Die kann aber mit einigen praktischen Tipps sehr gut vereinfacht werden.

» Gründe gegen das Hörgerät
» Die Furcht vor der Pflege des Hörgerätes
» Die Eingewöhnung
» Eingewöhnungsphase für das Gehirn
» Praxistipps für die Eingewöhnung mit dem Hörgerät
» Hörgerät – Reinigung und Pflege

Gründe gegen das Hörgerät

Ästhetische Hintergründe sowie auch die Angst, mit der Technik des kleinen Helfers nicht zu Recht zu kommen, sind die häufigsten Einwände, die gegen das Hörgerät hervorgebracht werden. Zudem tauchen Bedenken auf, ob das Tragen des Hörgerätes überhaupt wirkliche Effekte liefert. Weiterhin ist es so, dass Betroffene die ärztliche Hilfe sowie das Hörgerät auch deshalb erst nach vielen Jahren der Schwerhörigkeit in Anspruch nehmen, weil der Verlust des Hörvermögens ein schleichender Prozess ist, der sich nicht schnell zeigt, sondern oftmals erst von Freunden oder Verwandten bemerkt wird, weil der Angesprochene nicht antwortet, sich aus Gesprächen ausschließt oder auf Ansprachen mehrmals nachfragt, um Inhalte zu erfassen.

Die Furcht vor der Pflege des Hörgerätes

Die Pflege sowie der Umgang mit dem Hörgerät sind wesentliche Gründe dafür, dass Menschen sich scheuen, auf die Hilfe zurückzugreifen, die ihnen praktisch das Hörvermögen wieder zurückgeben kann, das auch die Lebensqualität verbessern kann. Hierzu besteht allerdings keine Veranlassung, denn die Auswahl des Hörgerätes und die eingehende Beratung hierzu gehen mit einer umfassenden Beratung zur Pflege und zum Umgang mit dem Hörgerät einher. Und ebenso wie beim Optiker, der bei Problemen mit der Brille oder auch für die intensive Reinigung von Gläsern und rum ums Gestell zur Verfügung steht, ist auch der Hörgeräteakustiker Ansprechpartner bei Pflegefragen oder wenn im Umgang mit dem Hörgerät Probleme auftauchen. Der Hörgeräteakustiker ist fachlicher Begleiter, der die Eingewöhnung mit dem neuen alltäglichen Begleiter effektiv erleichtern kann.

Einen Hörgeräteakustiker in Ihrer Nähe finden Sie auf http://www.hoerforum.de/. Hier einfach die Postleitzahl in die Suchmaske eingeben.

Die Eingewöhnung

Das Hörgerät stellt eine hochtechnologische Entwicklung dar, die ihre Besonderheit darin zeigt, dass sie auf das eigene Ohr individuell angefertigt wurde. Kein Hörgerät ist austauschbar und jedes Gerät wird genau auf den Träger beziehungsweise dessen Ohren angepasst. Aber bei allen technologischen Neuerungen ist es noch immer nicht möglich, ein natürliches Hören zu erzielen, denn das Hörgerät ist eben weiterhin nur eine Hilfe, um wieder besser zu hören.

Die meisten Träger von Hörgeräten benötigen eine Eingewöhnungsphase, die oftmals als anstrengend empfunden wird. Sowohl die Handhabung im Alltag als auch die verschiedenen Einstellungen, die neue Geräte bieten, benötigen ebenso eine Gewöhnungsphase wie auch das Hören mit dem Hörgerät selbst. Auch die Einstellung auf Umgebungen und Gesprächssituationen mit dem Hörgerät sind etwas anders als mit dem natürlichen Hörsinn, denn die neuen Geräte bieten eben für jede Situation die richtige Einstellung für nahezu natürliches Hören – die allerdings erst trainiert werden müssen.

Eingewöhnungsphase für das Gehirn

Das Gehirn hat sich im Verlauf der voranschreitenden Schwerhörigkeit mit der Situation des eingeschränkten Hörsinnes arrangiert. Mit dem neuen Hörgerät prallen nun Eindrücke auf das Gehirn ein, die aufgrund der nun wieder intensiveren Geräuschkulisse verarbeitet werden wollen. Zudem ist das Hörgerät nach wie vor tendenziell eine Hörhilfe für ältere Menschen und hier benötigt das Gehirn für die Umstellung eben mehr Zeit als beim jungen Menschen oder sogar beim Kind. Die Reize des Hörens geraten im Verlauf der Schwerhörigkeit beim Gehirn schnell in Vergessenheit und die Filterfunktionen müssen erst wieder trainiert werden, damit eine Unterscheidung zwischen lauten Flugzeuggeräuschen sowie leisem Blätterrauschen möglich ist.

Normal Hörende können unwichtige Geräusche ausblenden und das Gehirn des Schwerhörigen muss erst wieder lernen, zwischen wichtigen und unwichtigen und lauten sowie leisen Geräuschen zu differenzieren. Das Gehirn braucht seine Zeit, um sich mit dem neuen Hören vertraut zu machen und es kann durchaus einige Zeit dauern, bis das normale Hörempfinden wieder vorhanden ist.

Praxistipps für die Eingewöhnung mit dem Hörgerät

  • Wichtig kann ein Praxistest des neuen Hörgerätes sein, denn das Gerät sollte auf den eigenen Bedarf zugeschnitten sein und sich im Alltag nicht als störend erweisen. Wie beim Auto die Probefahrt, so sollte auch beim Hörgerät ein Test im praktischen Alltag erfolgen, damit genau das Hörgerät zur Auswahl kommt, das dem individuellen Bedarf am besten entspricht. Auch wenn die Handhabung bei der zweiten Erklärung durch den Fachmann noch nicht einleuchtet, sollte eine weitere Nachfrage kein Problem darstellen, denn der Fachmann hantiert täglich mit den Hörgeräten, der Nutzer aber erstmalig.
  • Je häufiger das Hörgerät gerade in der Anfangsphase getragen wird, desto besser ist die Eingewöhnung und desto schneller wird das Gerät nicht mehr als Fremdkörper, sondern als helfendes technisches Gerät wahrgenommen. Gerade in der Eingewöhnungsphase zeigen sich besonders ältere Menschen schnell genervt vom neuen technischen Helfer und verzögern damit die Eingewöhnungsphase unnötig.
  • Die Eingewöhnungsphase sollte in der richtigen Umgebung stattfinden. Ruhige Situationen mit kontinuierlicher Beschallung sind hier sinnvoller als Situationen, in den viele verschiedene Menschen – oftmals auch in unterschiedlicher Lautstärke – miteinander kommunizieren. AuchHintergrundgeräusche stören die Eingewöhnung. Die volle Kneipe ist also der ungeeignete Ort für eine Eingewöhnung mit dem Hörgerät, die kleine Runde Gleichgesinnter, in der eine Unterhaltung stattfindet, ist da idealer, damit das Gehirn nicht überfordert wird.
  • Der Geräuschpegel im Alltag sollte gerade in der Eingewöhnungsphase innerhalb der Wohnung gering gehalten werden. Straßengeräusche sollten durch geschlossene Fenster ausgesperrt werden. Radio, Fernseher und elektrische Haushaltshelfer sollten möglichst nicht gleichzeitig eingeschaltet sein und Unterhaltungen sollten in Räume verlegt werden, in denen nicht die Waschmaschine oder Spülmaschine im Hintergrund arbeitet.
  • Gespräche sollten mit Augenkontakt stattfinden und der Blick auf die Lippen, sowie Mimik und Gestik des Gesprächpartners helfen beim Training des Gehirns, Gehörtes und Lippenbewegungen in Einklang zu versetzen. Freunde, Verwandte und Kollegen sollten auf die Eingewöhnungsphase mit dem Hörgerät hingewiesen werden und sich vor dem Ansprechen bemerkbar machen sowie auch grundsätzlich nur frontal zu einem selbst sprechen.
  • Wer schon länger Hörprobleme hat, kann auch Probleme mit dem eigenen Sprachvermögen entwickelt haben. So kann ein Schwerhöriger sehr laut sprechen oder aber eine sehr verwaschene Sprache entwickeln. Der Arzt kann hier ein Wahrnehmungstraining verordnen, dass eine Besserung dieser Störungen bewirkt, da ansonsten die Eingewöhnung mit dem Hörgerät erschwert würde.

Hörgerät – Reinigung und Pflege

Generell erweisen sich moderne Hörgeräte als sehr robust und alltagstauglich. Allerdings ist die richtige Pflege des Hörergerätes Voraussetzung dafür, dass die Lebensdauer des Gerätes erhöht wird.

Tägliche Reinigung des Hörgerätes ist Pflicht. Das Gerät selbst wird hierbei mit einem trockenen Tuch gereinigt. Das Ohrstück wird über Nacht in eine spezielle Reinigungsflüssigkeit eingelegt, die der Fachmann im Produktprogramm vorrätig hat. Wichtig ist die Kenntnis über die richtige Pflege der unterschiedlichen Hörsysteme und auch hier ist der Fachmann der richtige Berater, der auch bei häufigen Nachfragen in der Eingewöhnungsphase geduldig bleiben sollte.

Feuchtigkeit mag praktisch kein Hörgerät und Schwimmen, Duschen oder Regengüsse sollten Einflüsse sein, dem das Hörgerät nicht ausgesetzt wird. Für die Nacht gibt es spezielle Trockenbeutel. In diese werden die Hörgeräte eingelegt und diese entziehen den Geräten dann die Feuchtigkeit, die über den Tag eingedrungen ist und die langfristig die Technik erheblich stören könnte.

Das Hörgerät sollte nicht auf den Boden fallen. Zudem verträgt die Hörhilfe keine große Hitzeeinwirkung. Sonneneinstrahlung oder die Lagerung auf der Heizung nimmt das Gerät übel. Ebenso sollte das Gerät auch nicht übermäßigem Schmutz oder kosmetischen Substanzen wie Puder oder Haarspray ausgesetzt werden.

Wird das Hörgerät abgelegt, sollte es in entsprechende Behältnisse wie den Trockenbeutel oder das Etui gelegt werden. Zudem muss das Hörgerät sicher vor Haustieren und Kindern gelagert werden.

Für eine anstehende Reise ist ein Check des Gerätes beim Hörgeräteakustiker sinnvoll. Alle Funktionen werden hier einer gründlichen Prüfung unterzogen und auch eine gründliche Reinigung des Gerätes gehört zum Service des Fachpersonals. Wichtig für die Reise ist auch ein ausreichender Vorrat an Pflegemitteln und Ersatzbatterien, denn letztere sind in einigen Urlaubsregionen entweder überhaupt nicht erhältlich oder aber sehr teuer.

Surftipps zum Thema Hörgeräte
» Forum mit Erfahrungsberichten – www.paradisi.de
» Erst informieren, dann kaufen – Hörgeräte getestet auf www.hoergeraetetest.de