Die Pest - Erreger, Übertragung, Symptome und Behandlung

 

Die Pest - Erreger, Übertragung, Symptome und Behandlung

Mit kaum einer anderen Krankheit wird so viel Unheil, sichere Todesgewissheit und unbeirrbarer Aberglaube verbunden wie mit der Pest. Der „Schwarze Tod“ steht für einer der größten Pandemien der Menschheitsgeschichte. Während der europäischen Pandemie von 1347 bis 1353 starben etwa 25 Millionen Menschen, was einem Drittel der Bevölkerung entsprach.


Heute hat die Pest ihren einstigen Schrecken verloren, denn durch die Möglichkeiten der modernen Antibiotikatherapie ist die Infektionskrankheit bei frühzeitiger Diagnose heilbar. Zudem kommt es nur noch selten zu Ausbrüchen, obwohl der Erreger – das Bakterium Yersinia pestis – bis auf Europa und Australien weltweit vorkommt. Derzeit erkranken etwa 4.000 Menschen jährlich an der Pest.


» Große Pandemien und die Entdeckung des Erregers
» Pest Behandlung mit Essig und Feuer
» Die Pest heute – Wo es immer noch Todesopfer gibt
» Erreger, Vorkommen und Übertragungswege
» Inkubationszeit, Symptome und Krankheitsverlauf
» Diagnose der Pest
» Behandlung der Pest
» Meldepflicht
» Vorbeugende Maßnahmen




Große Pandemien und die Entdeckung des Erregers

Der Begriff „Pest“ leitet sich vom lateinischen Wort „Pestis“ ab und bedeutet übersetzt „Seuche“. Die Justinianische Pest verbreitete sich – vermutlich von Ägypten aus - ab 541 über den gesamten Mittelmeerraum und gilt als die größte Pandemie der späten Antike. Im Jahr 544 hatte Kaiser Justinian zwar das Ende der Pest erklärt, doch die Krankheit brach die folgenden drei Jahrhunderte immer wieder aus. Schätzungen zufolge starb zwischen 541 und 544 etwa ein Viertel der Bevölkerung an der Pest. Zeitzeugen wie der Historiker Prokopios beschrieben die typischen Symptome der Beulenpest und der Lungenpest. Derzeit ist jedoch noch unklar, ob die todbringende Pandemie allein auf die Pest zurückzuführen ist oder ob die ohnehin durch Kriege und Missernten geschwächten Menschen zeitgleich noch durch weitere Infektionen starben.

» Gefährliche Pest-Variante ausgestorben

Angesichts der hohen Ausbreitungsgeschwindigkeit gingen Forscher bei der großen europäischen Pandemie zunächst jahrzehntelang davon aus, dass die verheerende Seuche nicht durch den heutigen Stamm von Yersinia pestis verursacht wurde. DNA-Analysen bestätigten jedoch, dass die Pest von 1347 bis 1353 durch zwei Stämme des Bakteriums hervorgerufen wurde. Die gefährlichere Variante gilt heute als ausgestorben. Nach aktuellem Forschungsstand brach die damalige Pest zunächst in Asien aus, gelangte über die Handelswege nach Italien und verbreitete sich von dort über ganz Europa. Die Pest grassierte vor allen Dingen in den Städten, während abgelegene ländliche Gebiete durchaus verschont blieben.

» Woher stammt der Begriff "Schwarzer Tod"

Der Begriff „Schwarzer Tod“ wurde im Mittelalter selbst noch nicht verwendet. Vielmehr war vom „großen Sterben“ oder von der „großen Pestilenz“ die Rede. Die Bezeichnung „Schwarz“ trat als Beschreibung der Pest erst im 16. Jahrhundert in Erscheinung und wurde mehr als Ausdruck für die düstere und niederdrückende Epoche verwendet. Medizinhistoriker sehen zudem eine Parallele zu den schwarzen Nekrosen, die sich bei der Pest typischerweise um Einstichstellen und Bubonen bilden. Die Begriffe „Schwarzer Tod“ im deutschsprachigen Raum sowie „Black Death“ im englischsprachigen Raum fanden erst im 19. Jahrhundert Verbreitung.


Pest Behandlung mit Essig und Feuer

Das grundlegende Problem war die mangelhafte Kenntnis medizinischer Zusammenhänge. So wurde die Pest als unvermeidbare Strafe Gottes angesehen, der niemand entkommen konnte. Man ergab sich seinem Schicksal und versuchte erst gar nicht, nach den Ursachen oder Heilungsmöglichkeiten zu forschen. Nach damaliger Auffassung wurde die Pest durch das so genannte Miasma übertragen. Unter Miasma verstand man seit der Antike schlechte Luft, die aus dem Boden entweicht und sich über das Land verbreitet. Der mit den vielen Toten einhergehende Gestank in den Städten wurde ebenfalls auf das Miasma zurückgeführt.

» Behandlung mit der Essigspritze

Feuer auf Straßenkreuzungen dienten dazu, die schlechte Luft zu reinigen. Gleichzeitig hatten die Brände den hygienischen Nebeneffekt, die Städte zeitweise von der Rattenplage zu befreien. Eine wirkungsvolle Behandlung gab es nicht. Wer an der Pest litt, wurde mit Essig besprüht. Gereifte Pestgeschwüre schnitt man auf, um Blut und Eiter abfließen zu lassen. Die typische Schnabelmaske der Ärzte enthielt in der Spitze Kräuter und Essig. Diese Mittel sollten eine Selbstansteckung verhindern. Erst später wurde die Quarantäne eingeführt.

» 12 Millionen Tote bis zur Entdeckung des Erregers

Die weltweit grassierende Pestepidemie in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts forderte etwa 12 Millionen Todesopfer. Während dieser dritten großen Pandemie identifizierte der französischen Arzt Alexandre Yersin den Erreger im Jahr 1894 und erklärte die Übertragungswege.

2011 schließlich konnte das Genom des ursprünglich aus Asien stammenden Bakteriums Yersinia pestis beschrieben werden, das von 1348 bis 1350 Menschen in England infiziert hatte. Die DNA der Erreger wurden den Skeletten von Pestopfern entnommen, die auf dem East Smithfield Friedhof in London begraben wurden. Dieser zwischen 1348 und 1350 genutzte Friedhof gilt als der am besten dokumentierte Pestfriedhof ganz Europas. Gleichzeitig führten die Studien zu der Erkenntnis, dass frühere Pandemien wie die Justinianische Pest von einem anderen, bisher nicht identifizierten Erreger verursacht worden war.



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Die Pest heute – Wo es immer noch Todesopfer gibt

Trotz besserer Diagnostik und wirksamer Behandlungsmethoden sterben auch heute noch Menschen an der Pest.

  • So ereignete sich im indischen Surat 1994 eine größere Epidemie. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zählte 234 erwiesene Pestfälle mit 56 Toten. Der identifizierte Pesterreger wies neue Eigenschaften aus und gilt als neuartiger Stamm.
  • 2003 kam es in Algerien zu einem Pestausbruch.
  • 2005 breitete sich die Lungenpest im Norden der Demokratischen Republik Kongo aus. Laut WHO wurden 61 Tote gezählt.
  • 2008 brach in Madagaskar die Pest aus, die 18 Todesopfer zur Folge hatte.
  • 2009 wurde in China bei elf Menschen die Lungenpest festgestellt, wobei ein Mensch starb.

Pestfälle treten vereinzelt auch im Südwesten der USA auf. Übertragende Wirtstiere sind dabei häufig erkrankte Präriehunde, die von Hauskatzen erbeutet werden. In 10 Prozent der Fälle erkranken diese Katzen an der Lungenpest, stecken ihre Besitzer oder andere Kontaktpersonen an. Die Zahl der in den USA jährlich Erkrankten ist jedoch rückläufig.

Erreger, Vorkommen und Übertragungswege

Die Pest ist eine hoch ansteckende Infektionskrankheit, die durch das Bakterium Yersinia pestis übertragen wird. Es handelt sich um ein Stäbchenbakterium, das zu den Enterobakterien zählt. Mit einigen weiteren Bakterien bildet es die Gattung Yersinia.


Yersinia pestis ist in der Lage, innerhalb kurzer Zeit zu mutieren und unterschiedliche Stämme hervorzubringen. Das Bakterium kann in Salzlösung und einer Temperatur um 25 °C bis zu 2 Wochen, bei 2–4 °C sogar bis zu zwei Jahren außerhalb eines Wirtstieres überleben. Bei Temperaturen ab 55 °C sterben die Bakterien ab. Allerdings sind sie resistent gegen niedrige Temperaturen. Yersinia pestis kann bei Raumtemperatur und normaler Luftfeuchtigkeit Menschen in einem Zeitraum von mehr als 5 Tagen infizieren.

» Übertragung auf den Menschen

Die Pest - Erreger, Übertragung, Symptome und BehandlungDer Erreger vermehrt sich über zwei Wirte. Während Nagetiere als Wirt fungieren, stellen Flöhe den Zwischenwirt dar. Erst wenn sich die Zahl der an der Pest gestorbenen Nagetiere reduziert hat, befallen die Flöhe auch den Menschen. Wildlebende Nagetiere wie Ratten, Eichhörnchen, Murmeltiere oder Präriehunde und deren Flöhe bilden das primäre Erregerreservoir der Pest. Die Übertragung erfolgt durch den Stich eines infizierten Rattenflohs. Ebenso kann die Pest auch bei direktem Kontakt mit infizierten Nagern oder durch den Verzehr infizierter Tiere erfolgen. Die Lungenpest wird von Mensch zu Mensch durch Tröpfcheninfektion übertragen.


Der Erreger kommt heute weltweit in begrenzten Endemiegebieten vor. Betroffen sind einzelne Regionen in

  • Asien,
  • Afrika,
  • Mittel- und Südamerika,
  • sowie im Südwesten der USA.

In Europa spielt die Pest insofern keine Rolle mehr, als Yersinia pestis sich nicht mehr über wildlebende Nagerpopulationen ausbreitet. In Deutschland werden allenfalls wenige importierte Fälle beobachtet.


Inkubationszeit, Symptome und Krankheitsverlauf

Nach einer Inkubationszeit von üblicherweise 2 bis 8 Tagen treten die ersten Symptome in Form von starkem Fieber, Kopf-, Muskel- und Gliederschmerz auf, weshalb die Pest bei der Diagnose auch mit der Grippe verwechselt werden kann. Charakteristisch sind zudem Übelkeit und Brechreiz.


Nach diesen Symptomen entwickelt sich die Pest in Abhängigkeit der Übertragungswege, der jeweiligen Immunabwehr und der Virulenz des Erregers. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen drei Formen.

  1. Beulenpest
    Die Beulenpest tritt am häufigsten auf und wird durch den Biss des infizierten Flohs verursacht. Je nach Eintrittsstelle gelangt der Erreger über die Lymphbahnen in die Lymphknoten im Halsbereich, der Achselhöhle oder der Leiste. Hier vermehrt er sich, wodurch schmerzhafte Entzündungen entstehen, die sich an der Hautoberfläche als charakteristische Beulen bzw. Bubonen zeigen. Die Beulen erreichen einen Durchmesser von bis zu zehn Zentimetern. Die blau-schwarze Färbung entsteht durch innere Blutungen. Im besten Fall zerfallen die Geschwüre. Im schlimmsten Fall wandert der entzündete Lymphknoten ins Körperinnere, wodurch der Erreger in die Blutbahn gelangen, eine Infektion anderer Organe und letztendlich eine Pestsepsis verursachen kann. In 50 Prozent aller unbehandelten Fälle führt die Beulenpest zum Tod.
  2. Pestsepsis
    Die Pestsepsis wird als Folge der Beulenpest durch die Streuung des Erregers über die Blutbahnen hervorgerufen. Die Sepsis kann jedoch auch durch direkten Kontakt über offene Wunden entstehen. Die blutvergiftende Wirkung wird durch die giftigen Sekrete absterbender Bakterien hervorgerufen. Nieren und Leber können beim Versuch, den Organismus von den Giftstoffen zu reinigen, nekrotisch werden. Die Patienten leiden unter Herzrasen, Milz- und Lebervergrößerungen, Blutungen, Hirnhautentzündungen, Nierenversagen bis hin zu multiplen Organversagen. Am Ende erliegen die Erkrankten einem toxischen Schock. Unbehandelt führt die Pestsepsis in über 90 Prozent der Fälle zum Tod.
  3. Lungenpest
    Die Lungenpest ist die gefährlichste Form der Pest. Sie wird durch direkten Kontakt von Mensch zu Mensch über Tröpfcheninfektion übertragen oder entsteht als Folge einer Pestsepsis. Die Folgen sind Atemnot, blutiger Auswurf, Lungenödeme und letztendlich Herz- und Kreislaufversagen. Unbehandelt führt auch die Lungenpest in über 90 Prozent der Fälle zum Tod.

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Diagnose der Pest

Je schneller die Diagnose einer Pesterkrankung gestellt wird, desto besser sind die Heilungschancen. Die Diagnose innerhalb von 24 Stunden ist eine entscheidende Voraussetzung für einen erfolgreichen Therapieverlauf.


Die Gefahr einer Verwechslung mit anderen Krankheiten liegt in den ersten Tagen an der Vieldeutigkeit der Symptome. So sind in den USA Verwechslungen mit Blinddarmentzündung, Hirnhautentzündung und Streptokokkeninfektionen dokumentiert. Aus diesem Grund muss die Diagnose über den direkten Erregernachweis erfolgen. Folgende Methoden stehen zur Verfügung:

  • Mikroskopie: Erregernachweis aus infizierten Lymphknoten, Sputum und Blut mittels Färbemethode.
  • Kultur: Der Erreger wächst auf verschiedenen Nährböden und lässt sich färberisch nachweisen.
  • Antikörperdiagnostik: Das Institut Pasteur de Madagascar (IPM) hat im Jahr 2003 sowohl für die Lungen- als auch die Beulenpest einen Schnelltest entwickelt, mit dem sich Antikörper bereits innerhalb von 15 Minuten nachweisen lassen. Davor ließen sich beide Erkrankungen erst nach einer 14-tägigen Auswertungsdauer nachweisen.

Behandlung der Pest

Behandelt wird die Pest mit Antibiotika. Bei frühzeitiger Erkennung bestehen gute Heilungschancen. Auch bei bereits dringendem Verdacht wird die Pest antibiotisch therapiert. Das Robert-Koch-Institut rät zur Behandlung in einem auf Infektionen spezialisierten Krankenhaus. Zur Verfügung stehen verschiedene Medikamente: Mittel der ersten Wahl sind Streptomycin, Tetracyclin oder Doxycyclin, Gentamicin, bei ZNS-Beteiligung Chloramphenicol.


Aktuell wird an Hemmstoffen geforscht, die ein Enzym des Bakteriums blockieren sollen, das eine wichtige Rolle beim Aufbau der Zellschutzmembran spielt, ohne die das Bakterium nicht überleben kann.


Meldepflicht

Die Pest zählt in Deutschland neben den hämorrhagischen Fiebern zu den zwei Quarantäne-Krankheiten nach § 30 Infektionsschutzgesetz. Erkrankte müssen in speziellen Infektionsabteilungen abgeschirmt werden. Länderübergreifende Quarantäneregelungen für Schiff-, Luft-, Zug- oder Kraftfahrzeugverkehr sind im internationalen Sanitätsreglement festgehalten.


Es besteht Meldepflicht bei Verdacht, Erkrankung und Tod gemäß § 6 Abs. 1 Nr.1 IfSG (Infektionsschutzgesetz) und bei direktem oder indirektem Erregernachweis in Verbindung mit einer akuten Infektion gemäß §7 Abs. 1 Nr. 46 IfSG.


Vorbeugende Maßnahmen

Es gibt zwar eine Schutzimpfung gegen die Beulenpest, die allerdings höchstens 6 Monate Immunität verspricht und sehr schlecht verträglich ist. Aus diesem Grund wird die Impfung ausschließlich Risikogruppen wie Jägern und Landwirten in Endemiegebieten und medizinischem Personal bei Epidemien empfohlen.


Der wichtigste Schutz vor Erkrankung ist die Vermeidung jeglichen Kontakts mit lebenden oder toten Nagetieren sowie infizierten Personen. Bei Reisen in Endemiegebiete wird ein zusätzlicher Insektenschutz gegen Flöhe empfohlen.


Weitere Maßnahmen von offizieller Stelle sind bessere Hygienebedingungen, Bekämpfung von Ratten sowie die Verhinderung des Transports von Ratten auf Schiffen.










Alle Tipps und Ratschläge wurden bestmöglich recherchiert.
Sie ersetzen jedoch in keinem Fall eine ärztliche Beratung oder Untersuchung! Bei gesundheitlichen Problemen sollten Sie immer einen Arzt aufsuchen.