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Hashimoto-Thyreoiditis: Autoimmunerkrankung der Schilddrüse

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Hashimoto-Thyreoiditis
© Alexander Raths / stock.adobe.com

Hashimoto ist eine chronische Entzündung der Schilddrüse mit vielfältigen Symptomen. Sie wird durch das körpereigene Immunsystem hervorgerufen.

Schilddrüsenerkrankungen sind nicht gerade selten und können unabhängig vom Alter auftreten. So leidet etwa jeder dritte Erwachsene in Deutschland mindestens einmal in seinem Leben an einer krankhaften Veränderung der Schilddrüse. Dabei steigt die Wahrscheinlichkeit mit steigendem Alter.

Bei etwa ein bis drei Prozent aller Schilddrüsenerkrankungen handelt es sich um eine Entzündung der Schilddrüse. In der Mehrzahl der Fälle ist diese Schilddrüsenenzündung durch eine Autoimmunerkrankung bedingt, bei der die Schilddrüse durch das eigene Immunsystem angegriffen wird. Diese Form der Schilddrüsenentzündung bezeichnet man als Hashimo-Thyreoiditis, vielen auch einfach nur als Hashimoto bekannt.

Was ist Hashimoto-Thyreoiditis?

Bei der Hashimoto-Thyreoiditis handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung, die eine chronische und meist schmerzlose Schilddrüsenentzündung hervorruft. Ausgelöst wird diese Erkrankung durch einen fehlgeleiteten Immunprozess, in dessen Folge das eigene Immunsystem die Schilddrüse angreift und zerstört. Auf Dauer führt dies zu einer Schilddrüsenunterfunktion.

In der Regel tritt diese Erkrankung erstmals zwischen dem 40. und 50. Lebensjahr auf, wobei Frauen neunmal häufiger erkranken als Männer. Aber auch Kinder können an Hashimoto erkranken. Und auch hier gilt, dass Mädchen deutlich mehr betroffen sind als Jungen.

Ursachen für die Hashimoto-Thyreoiditis

Wie bereits erwähnt, entsteht Hashimoto aus einer Autoimmunreaktion heraus, bei der die körpereigenen Abwehrkräfte die Schilddrüse angreifen. Warum der Körper aber Antikörper gegen die Eiweiße der Schilddrüse bildet ist nicht ganz klar. Es gibt jedoch einige Vermutungen, wie die Erkrankung begünstigt werden kann.

Da Hashimoto in einigen Familien gehäuft aufgetreten ist, gehen Experten davon aus, dass es eine genetische Veranlagung für diese Erkrankung gibt. Zudem vermuten sie einen Zusammenhang mit Viruserkrankungen und psychosozialer Stress, aber auch mit Umwelteinflüssen oder zu hoher Jodzufuhr.

Es ist zudem möglich, dass das Leaky Gut Syndrom die Hashimoto-Thyreoiditis verursachen kann. Hierbei sind sich die Experten aber nicht einig. Einige sehen in dem Syndrom eine Ursache für die Autoimmunerkrankung, andere sehen darin eher eine Folgeerkrankung von Hashimoto.

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Verlauf einer Hashimoto-Thyreoiditis

vergrößerte Schilddrüse
In manchen Fällen führt Hashimoto zu einer Vergrößerung der Schilddrüse. – © Freelanceman / stock.adobe.com

Hashimoto kann zwei verschiedene Verläufe nehmen. Bei der klassischen Form vergrößert sich die Schilddrüse – es kommt zu einer Struma-Bildung. Dabei geht jedoch die Funktionsfähigkeit der Schilddrüse verloren. Bei der atrophen Form wird die Schilddrüse aufgrund der Zerstörung durch die Immunzellen immer kleiner.

Übrigens: In Deutschland tritt die atrophe Form häufiger auf als die klassische Form.

Infolge der Bekämpfung der Schilddrüse durch das körpereigene Immunsystem kommt es gelegentlich zu einer Abspaltung von Teilen der Schilddrüse, welche dann in den Blutkreislauf gelangen. Die darin enthaltenen Schilddrüsenhormone können zeitweise Symptome einer Schilddrüsenüberfunktion hervorrufen. Zudem kann die Schilddrüse durch den kontinuierlichen Abbau nicht mehr ausreichend Hormone bilden und es kommt schließlich zu einer Schilddrüsenunterfunktion.

Komplikation: Hashimoto-Enzephalopathie

Im Zusammenhang mit der Hashimoto-Thyreoiditis kann zudem in seltenen Fällen eine Erkrankung des Gehirns auftreten. Dabei handelt es sich um die Hashimoto-Enzephalopathie, welche viele neurologische und psychiatrische Symptome hervorruft. So kann es beispielsweise zu Verwirrtheitszuständen, Psychosen, epileptischen Anfällen oder vorübergehender Schläfrigkeit bis hin zum Koma kommen.

Symptome einer Hashimoto-Thyreoiditis

Hashimoto verläuft zumeist ohne Schmerzen. Da auch ansonsten anfangs kaum Symptome auftreten, bleibt die Erkrankung meist lange unentdeckt.

Wie bereits erwähnt, kommt es im Laufe der Erkrankung zu einer Schilddrüsenunterfunktion mit gelegentlichen Schüben einer Schilddrüsenüberfunktion. Betroffene leiden daher unter teilweise widersprüchlichen Symptomen:

Symptome Schilddrüsenunterfunktion

  • Gewichtszunahme trotz unveränderter Essgewohnheiten
  • Kälteempfindlichkeit auch bei geringen Temperaturschwankungen
  • Verstopfung
  • Haarausfall
  • Zyklusstörungen
  • anhaltende Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Antriebslosigkeit, Depressionen
  • Konzentrationsschwäche, Gedächtnisprobleme
  • trockene Haut, brüchige Nägel
  • Blutfettwerte und Cholesterinspiegel erhöht
  • Heiserkeit und Husten
  • Kropfbildung

Symptome Schilddrüsenüberfunktion

  • Gewichtsabnahme trotz unveränderter Essgewohnheiten
  • Schweißausbrüche
  • Durchfall
  • Haarausfall
  • Zyklusstörungen
  • Nervosität, innere Unruhe
  • zittrige Finger
  • Augenprobleme
  • Herzklopfen

Diagnose von Hashimoto-Thyreoiditis

Blutuntersuchung bei Hashimoto
Eine Blutuntersuchung gibt Aufschluss darüber, ob es sich um Hashimoto handelt. – © ghazii / stock.adobe.com

Nur ein Arzt kann Hashimoto sicher diagnostizieren. Als erste Maßnahme wird dieser Blut abnehmen und dieses im Labor untersuchen.

»Tipp: Bei Hashimoto liegt zum einen eine Erhöhung der Antikörper und des TSH-Hormons (Hormon der Hirnanhangdrüse) und zum anderen eine Verringerung der Schilddrüsenhormone fT4 und fT3 vor.

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In der Regel reicht ein Blutbild schon aus, um eine gesicherte Diagnose zu stellen. Zur Bestätigung kann der Arzt auf weitere Methoden zurückgreifen:

  • Ultraschall:
    Da die Schilddrüse durch die Hashimoto-Thyreoiditis immer mehr an Dichte und an Größe verliert, kann eine Ultraschalluntersuchung die Diagnose verfestigen. Hierbei misst der Arzt Größe, Form und Festigkeit der Schilddrüse.
  • Feinnadelbiopsie:
    Der Arzt kann eine Gewebeprobe entnehmen und diese auf eine Immunreaktion untersuchen. Ein Indiz hierfür ist eine vermehrte Konzentration an weißen Blutkörperchen.
  • Szintigraphie:
    Bei der Szintigraphie handelt es sich um eine nuklearmedizinische Untersuchung, für die der Patient eine radioaktive Jodlösung einnimmt. Auf diese Wiese kann der Arzt später sichtbar machen, inwieweit die Schilddrüse noch arbeitet oder eben nicht.

Therapie bei Hashimoto-Thyreoiditis

Die Therapie bei Hashimoto kann lediglich die Symptome behandeln, die sich aus der auftretenden Schilddrüsenunterfunktion ergeben. Hierzu wird der Arzt im Normalfall Levothyroxin – eine synthetische Variante des Schilddrüsenhormons fT4 – verschreiben. Da die Schädigung der Schilddrüse nicht umkehrbar ist, müssen Patienten dieses Medikament in der Regel ein Leben lang einnehmen.

» Tipp: Für eine optimale Aufnahme im Körper ist das Medikament auf nüchternen Magen einzunehmen.

Bei einer stark vergrößerten Schilddrüse, wie sie bei der atrophen Form der Hashimoto-Thyreoiditis vorkommt, kann ein operativer Eingriff notwendig werden. Hier ist sowohl die komplette als auch eine teilweise Entfernung der Schilddrüse möglich.

» Tipp: Nach der kompletten Entfernung der Schilddrüse ist eine lebenslange Einnahme von Schilddrüsenmedikamenten notwendig.

Ernährung bei Hashimoto-Thyreoiditis

Wie bereits erwähnt, kann auch eine vermehrte Jofzufuhr eine Rolle bei der Entstehung der Erkrankung spielen. Möglicherweise kann sie auch den Verlauf der Krankheit negativ beeinflussen. Patienten sollten daher die Aufnahme von Jod in zu hoher Dosis vermeiden. Zudem sollte die Ernährung sehr reich an Nährstoffen sowie sehr arm an Reiz- und Giftstoffen sein. Hier bietet sich die Paleo-Ernährung an.