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Schulangst bei Kindern – Was tun?

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Schulangst bei Kindern - Was tun?
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Immer häufiger leiden Schulkinder an körperlichen Beschwerden wie Bauchschmerzen oder Kopfschmerzen. Sind gesundheitliche Hintergründe durch entsprechende Untersuchungen ausgeschlossen, sollten Eltern auch daran denken, dass die Beschwerden der Kinder ein Ausdruck von Angst sein können. Schulangst ist ein inzwischen sehr verbreitetes Phänomen. Kinder können der Schule, damit der Quelle der Angst, nur dadurch entgehen, dass sie krank werden. Die Schmerzen haben in diesem Fall oftmals keine organischen Hintergründe, sondern sind im psychischen Bereich begründet.

Bei der Schulangst handelt es sich um eine sehr spezielle Art von Angst. Die körperlichen Beschwerden sind dann eine Reaktion auf vermutete Gefahren oder aber einer Bedrohung, die von der Schule für das Kind ausgeht. Die Ursachen für die Angst vor der Schule sind sehr vielfältig und für Eltern und behandelnde Ärzte oftmals nur sehr schwer nachvollziehbar. Sowohl Mitschüler als auch Lehrer können die Auslöser für die Angst sein.

Wie zeigt sich Schulangst bei Kindern?

So unterschiedlich die Gründe für die Schulangst sind, so vielfältig sind auch die Symptome, mit denen sich die Angst nach außen hin zeigt. Klassisch für die Schulangst ist, dass die Symptome wie Kopfschmerzen oder Bauchschmerzen sofort ausbleiben, sobald das Kind nicht in die Schule gehen muss. Sind körperliche Hintergründe für die Symptome durch entsprechende Untersuchungen ausgeklammert, sollte man zudem auch noch überlegen, ob sich im Leben des Kindes gravierende seelische Belastungen ergeben haben. Scheidung oder Trennung der Eltern, ein Umzug sowie auch ein Todesfall im näheren Umfeld des Kindes können Auslöser für die Schulangst sein. Hat sich im privaten Umfeld keine gravierende Veränderung ergeben, ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass die Angst von der Schule ausgeht.

Symptome für Schulangst bei Kindern

  • „Schulbauchschmerzen“, die oftmals von Übelkeit und Erbrechen begleitet werden
  • dauerhafte Müdigkeit
  • anhaltende Unruhe
  • Konzentrationsstörungen
  • Erschöpfungszustände
  • Lustlosigkeit speziell im Hinblick auf schulische Aufgaben
  • Kopfschmerzen
  • Nervosität
  • Zittern
  • Schweißausbrüche
  • Bettnässen ( Urinverlust in der Nacht)
  • Starke Gereiztheit
  • Überempfindlichkeit
  • Schlafstörungen
  • Angst- und Albträume
  • Sprachstörungen, wenn der Lehrer das Kind aufruft
  • Starke Verhaltensauffälligkeiten (Trödeln vor der Schule)
  • Depressionen
  • Aggressionen
  • absolute Schulverweigerung

Arten der Schulangst bei Kindern

  • Prüfungsangst
  • Angst vor schlechten Noten/Sitzenbleiben/Versagen
  • Angst vor Lächerlichkeit oder Bloßstellung
  • Trennungsangst
  • Angst vor Strafen
  • Soziale Ängste
  • Konfliktängste
  • Angst vor der Schule im Allgemeinen (der Größe der Schule oder auch den Hierarchien)

» Schulphobie
Eine Sonderform der Schulangst ist die so genannte Schulphobie. Diese Phobie zeigt sich durch Panikreaktionen, sofern der Schulbesuch ansteht.

» Schulschwänzen
Eine weitere Form der Schulangst kann sich auch im Schulschwänzen zeigen. Der Schüler verweigert dann die Schule, hat anstelle dessen lieber motivierende Erlebnisse als Frust- und Stresserlebnisse in der Schule.

Ursachen – Was steckt hinter der Schulangst?

» Wenn Mitschüler mobben
Wichtig ist es, den Grund für die Schulangst herauszufinden. Sind das die Mitschüler, die ein Kind mobben? Nicht selten werden Schulkinder auch nicht mehr nur für falsche Antworten im Unterricht ausgelacht, sondern dauerhaft in eine Opfer Position gedrängt.

» Angst vor dem Lehrer
Ist der Lehrer, der ein bestimmtes Fach unterrichtet, der Hintergrund für die Schulangst? Häufig sind die Ursachen für die Schulangst nicht nur Konflikte mit Mitschülern, sondern auch soziale Konflikte mit den Lehrern. Auch die Strukturen der Schule oder speziell des Unterrichts können Auslöser für Schulangst sein.

» Versagensängste
Versagensängste sowie Ängste vor schlechten Noten können auch in einem Elternhaus begründet sein, in dem ein intensiver Leistungsdruck und eine hohe Erwartung an die Leistungen des Kindes gegeben sind. Auch Konzentrations- und Lernstörungen können sich aus diesem Druck heraus bilden.

» Immer höhere Erwartungen
Die Erwartungen an die Bildung und die entsprechenden Ansprüche an Schüler steigen in unserer Gesellschaft ständig an. Daraus resultiert, dass auch Eltern an die Leistungen ihrer Kinder immer höhere Erwartungen stellen. Schule hat inzwischen bedingt durch Leistungsdruck oftmals einen hohen Stellenwert innerhalb des Alltags in der Familie und intensive Auswirkungen auf die innerfamiliären Beziehungen.

» Gewalt auf dem Schulhof
Weiterer Grund für die Schulangst kann schlechte Erfahrung sein. Sowohl auf dem Schulweg als auch auf dem Pausenhof kann das Kind der Gewalt der Mitschüler ausgesetzt sein.

» Kränkungen und Demütigung
Kränkungen, Respektlosigkeit sowie Demütigungen durch Lehrer oder Mitschüler sind weitere Gründe, weshalb sich bei einem Kind die Schulangst ausprägen kann. Diese Erlebnisse können sich beim Kind so stark fixieren, dass es einen Außenseiterstatus bekommt, der wiederum Nährboden für Angriffe bietet. Das Kind befindet sich in diesem Fall in einem Kreislauf, der ständig abwärts führt und der die Ängste immer weiter verstärkt.

Diagnose Schulangst

Diagnostiziert wird die Schulangst in der Regel überwiegend durch die Bearbeitung spezieller Fragebögen. Andere Erhebungsmethoden, beispielsweise die der Beobachtung, haben sich in der Vergangenheit als nicht sehr sinnvoll und objektiv erwiesen. Einer der Gründe liegt darin, dass die Schulangst sich weitgehend in der Psyche des Kindes abspielt, was dann durch eine reine Beobachtung nicht widergespiegelt werden kann. Besteht die Befürchtung, dass das Kind an Schulangst leidet, sollte der erste Weg zum behandelnden Kinderarzt, der weitere zu einem Schulpsychologen führen.

Was sollten Eltern tun, um die Schulangst zu mindern?

» Kein Vergleich mit anderen Kindern
Sehr wichtig ist es, dass das Kind sowohl mit seinen Noten als auch mit seinen Leistungen nicht mit anderen Kindern verglichen wird. Ansonsten wird das Kind einem sehr hohen Stressfaktor ausgesetzt, der wiederum das Leistungsvermögen und das Lernvermögen des Kindes reduziert.

» Immer Ansprechpartner sein
Eltern sollten sich immer als Ansprechpartner und Gesprächspartner des Kindes sehen. Das Kind muss bei den Eltern alle Gefühle ansprechen können.

» Keine Strafen und kein Zwang
Zwang oder Strafen zur Erzielung von Leistungen sind der falsche Weg, der Schulangst zu begegnen. Viel mehr sollten Eltern die Ängste und Nöte des Kindes erkennen und verstehen und es in seinen derzeitig erbrachten Leistungen bestärken.

» Das Selbstbewusstsein stärken
Das Kind braucht von den Eltern eine Stärkung des Selbstbewusstseins und auch den Zuspruch, sich bestimmten Herausforderungen zu stellen. Eltern sollten hier als Gesprächspartner für die Findung von gemeinsamen Lösungswegen zur Verfügung stehen.

» Einen Psychologen um Rat fragen
Kinder und Eltern sollten es nicht als Schande empfinden, wenn professionelle Hilfe bei Beratungsstellen oder bei Psychologen gesucht wird.

» Privatraum zur freien Entfaltung
Wichtig ist zudem, dass Eltern ihrem Kind einen Raum geben, in dem es seine Persönlichkeit stärken kann. Das Kind sollte sich in diesem Raum ohne Angst vor Fehlern frei entfalten dürfen. Damit kann der Entwicklung von Schulangst und weiteren hieraus resultierenden und das Leben gravierend einschränkenden Ängsten vorgebeugt werden.

» Zum Sport animieren
Sport oder eine andere Beschäftigung, die das kindliche Selbstbewusstsein stärkt und fördert, kann hier sehr hilfreich sein.

Wichtig ist es, dass Eltern Schulängste wahrnehmen und auch ernst nehmen und das Kind sowohl verstehen als auch unterstützen.

Der Weg zur Schule wird zur Phobie – Was tun?

Ein häufig zu beobachtendes Phänomen ist die Schulverweigerung. Die Kinder und Jugendlichen meiden den Weg zur Schule. Die Gründe für das Schwänzen des Unterrichts sind vielfältig. Fakt ist, dass fast jeder Schüler im Laufe seiner Schulzeit schon einmal die Schule geschwänzt hat und dem Unterricht ferngeblieben ist, ohne dass Krankheit hierfür der Hintergrund war.

Die Schulphobie als Auslöser für das Schwänzen des Unterrichts hat aber mit dem klassischen Schuleschwänzen nichts gemeinsam. Immer dann, wenn das Schuleschwänzen ein tolerierbares Maß überschreitet, sollten Eltern und Lehrpersonal aufmerksam werden. Ein Kind oder ein Jugendlicher, der regelmäßig oder häufig die Schule schwänzt, hat hierfür in der Regel auch Gründe. Nicht immer ist es der Fall, dass lediglich andere und interessantere Beschäftigungen den Vorrang bekommen. Schwänzt ein Kind oder ein Jugendlicher regelmäßig den Unterricht, kann dies tiefere Ursachen haben, die es gemeinsam zu erkennen gilt.

Bei Phobien handelt es sich um Angstzustände mit höchster Ausprägung. Bestimmte Situationen oder Objekte werden dann komplett gemieden. Phobien können sowohl gegen enge und geschlossene Räume, gegen Tiere, gegen Dunkelheit oder in diesem Fall auch gegen die Schule bestehen.

» Mögliche Gründe für die Schulphobie
Nicht selten lösen Trennungserlebnisse diese Phobie aus. Das Kind entwickelt eine starke Angst davor, verlassen zu werden. Eine sehr starke Bindung an einen Elternteil ist dann die Folge, die wiederum den gelassenen Schulbesuch verhindert. Aber auch andere Anlässe, die in der Schule begründet sind, können die Schulphobie auslösen.

» Nebenwirkungen der Schulphobie
Häufig treten gemeinsam mit der großen Angst vor der Schule auch noch andere Symptome auf. Kopfschmerzen, Übelkeit und Bauchschmerzen sowie bei ihnen oder Kreislauflabilität sind weitere Symptome, die mit der Schulphobie einhergehen können.

» Folgen der Schulphobie
Diese Schulphobie kann sich soweit Ausprägungen, dass das Kind bereits Angst bekommt, wenn es aus der elterlichen Wohnung herausgeben soll. Gutes Zureden, Strenge oder Beruhigung durch die Eltern helfen in diesem Fall nicht weiter. Sowohl Probleme im familiären Umfeld als auch Probleme in der Schule, beispielsweise Ängste vor Versagen, können die Schulphobie auslösen und auch verstärken.

In allen Fällen, unabhängig von der Ausprägung der Angst oder Phobie, sollten sich Eltern bei anhaltenden Problemen professionelle Hilfe suchen.

Verhalten des Kindes bei Schulangst

Das Kind oder der Jugendliche, welches unter Schulangst leidet, versucht um fast jeden Preis der Schulsituation zu entgehen. Angst vor Kränkung, Ausgrenzung oder auch vor schlechten Noten oder Versagen sowie auch vor Demütigung bewirken, dass das Kind oder der Jugendliche diese Situation unbedingt meiden möchte.

Erst Erleichterung…
Die Vermeidung der befürchteten Situation durch schlichte Verweigerung bringt dem Kind zunächst eine gefühlte Erleichterung. Die Situation, die die Angst auslöst, fällt zunächst einfach weg.

…dann Schuldgefühle
Leider hält diese Erleichterung aber nicht lange an. Das Kind bekommt nun auch noch Schuldgefühle, weil es die Erwartungen der Eltern im Hinblick auf gute schulische Leistungen nun nicht mehr erfüllen kann. Der Kreislauf schließt sich und das Kind schwankt zwischen Schulangst und schlechtem Gewissen gegenüber den Eltern hin und her – der Druck erhöht sich damit beständig.

Häufigkeit von Schulangst

Inzwischen ist schon fast jedes 10. Schulkind von einer mehr oder weniger stark ausgeprägten Schulangst betroffen. Im Grundschulalter weist sogar jedes siebte Kind bereits offensichtliche Schulängste auf.

Wenn Eltern zu Komplizen werden

Hat das Kind Schulangst, dann entwickeln sich die Erwachsenen, also die Eltern, oftmals unbewusst und ohne böse Absicht zu Komplizen. Das Kind bekommt einfach öfter eine Entschuldigung, umso dem Unterricht fernzubleiben und die angsteinflößende Situation zu vermeiden. Auch wenn Eltern ihren Kindern hiermit nur Gutes tun wollen, so ist diese Entscheidung aber falsch. Das Problem wird zum einen nicht bei der Wurzel gepackt und gelöst, zum anderen wird durch dieses Verhalten – also die Vermeidungshaltung – beim Kind die Basis für eine ungünstige Persönlichkeitsentwicklung gelegt.

Der richtige Weg für elterliches Verhalten

Möchte ein Kind absolut nicht zur Schule gehen, dann sollte ein Facharzt aufgesucht werden. Dieser Arzt muss dann klären, warum das Kind sich nicht von seiner Familie trennen möchte oder warum es den Weg in die Schule ansonsten meidet. Einer der Gründe für die Schulangst kann auch in einem seelischen, körperlichen oder aber intellektuellen Defizit liegen.

» Ursachenfindung statt Freistellungsattest
Mit der Bitte an den Arzt, dem Kind ein Attest auszustellen und so den Schulbesuch zu verhindern, tun Eltern ihrem Kind allerdings keinen Gefallen. Die Ursachen der Schulangst müssen geklärt und beseitigt werden, ohne dass dem Kind unbewusst eine Vermeidungshaltung an trainiert wird.

Ohne Ursachenfindung erhält das Kind langfristig keine Hilfe und die Phobie oder die Schulangst können sich fixieren und auch auf andere Lebensbereiche übergreifen.

Auch Schulschwänzer brauchen Hilfe

Der klassische Schulschwänzer, der sich – statt zu lernen – lieber in der City, auf dem Sportplatz oder im Kaufhaus aufhält, ohne dass der Hintergrund für das Schwänzen Schulangst ist, benötigt trotzdem Hilfe. Das Risiko, dass sich aus diesem Verhalten im späteren Leben eine soziale Störung entwickelt, ist sehr hoch. Eltern und Lehrer sollten bei diesen Schulschwänzern weder Atteste gewähren noch akzeptieren, umso das Verhalten nicht zu unterstützen.

Viel eher ist auch bei diesem Verhalten der Besuch beim Kinder- oder Jugendpsychiater der bessere Weg. Auch die Zusammenarbeit mit dem Jugendamt ist eine gute Lösung, um das Kind oder den Jugendlichen wieder auf den richtigen Weg zu bringen und spätere soziale Störungen zu verhindern.

Woher rührt die Schulangst?

Häufig beobachten Experten, dass Kinder, die unter Schulangst leiden, aus Familien stammen, in denen starke Kontrolle und Erfolgsdruck zu verzeichnen sind. Zudem sind auch Kinder aus Familien, in denen übermäßiges Gefahrenbewusstsein vorhanden ist, sehr ängstlich – damit auch in der Schule ängstlicher als andere Kinder.

» Falscher Beschützerinstinkt
Angstkinder werden häufiger als andere Kinder von ihren Eltern unter Sicherheitskontrollen gestellt, von Fremden abgeschirmt und vor allen möglichen Gefahren weitgehend geschützt. Dieses Verhalten spiegelt sich dann in der Schule wieder. Das Kind hat vor allen Risiken Angst zu versagen und schirmt sich ab.

Wichtig ist, dass ein Kind lernt, Gefahren zu erkennen und mit Ängsten allein umzugehen.

Mit Angst umgehen lernen

Völlig angstfreie Kinder sind ebenso verhaltensauffällig wie überängstliche Kinder, die auch vor der Schule Angst haben. Die Vermeidung von angstauslösenden Situationen hilft Kindern nicht dabei weiter, ihre Ängste zu bewältigen. In Studien wurde versucht, die Anzahl der Prüfungen in der Schule zu reduzieren, um so die Entstehung von Ängsten zu reduzieren. Die Studie hat ergeben, dass dieses Vorgehen für die Entwicklung des Kindes kontraproduktiv ist. Mit Angst muss das Kind umgehen lernen und diese Gefühlsbewältigung erlernt es nur in angstauslösenden Situationen.

Therapie der Schulangst

» Familien- oder Verhaltenstherapie
Die Art der Therapie von Schulangst richtet sich nach dem Alter des Kindes. Wichtig ist es immer, die Eltern in die Therapie einzubeziehen. Im Vorschulalter kann eine Familientherapie sehr sinnvoll sein, während bei Schulkindern eine Verhaltenstherapie Hilfe liefert.

» Pflanzliche Mittel
Liefern diese Therapien keine gewünschten Erfolge, können pflanzliche Mittel wie Johanniskraut unterstützend eingesetzt werden. In seltenen Fällen ist die Verabreichung eines selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmers letzte Möglichkeit, die Angst des Kindes zu bewältigen.

Studien, inwieweit Medikamente bei Kindern gegen die Schulangst wirksam eingesetzt werden, sind derzeit nicht vorhanden, daher sollten Medikamente die letzte Lösung der Schulangst sein.

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