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Verhütung – Die 10 verbreitetsten Irrtümer

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Verhütung: Die 10 verbreitesten Irrtümer
© Lydie - Fotolia.com

Gerade das Thema Verhütung ist auch heute noch mit vielen Mythen und Märchen belegt. Auch im 21. Jahrhundert, in dem die medizinischen Fortschritte schnell voranschreiten, gibt es noch immer Einschätzungen über die Verhütung, die einen Stand haben, der vor 100 Jahren schon gegeben war. Umfragen zeigen immer wieder, dass Menschen ihre Kenntnisse über Verhütung in der Regel als sehr gut oder zumindest gut bezeichnen. Trotzdem halten sich weiterhin einige Irrtümer, die schon fast als Märchen bezeichnet werden können, was die Verhütung angeht. Dabei sind es längst nicht nur die ganz jungen Leute, die hier zum Thema Verhütung völlig falsche Informationen haben.

Die nachfolgenden 10 Irrtümer im Hinblick auf die Verhütung halten sich hartnäckig, sind aber riskante Einschätzungen, die folgenreich sein können.

Die Pille ist das sicherste Verhütungsmittel

Die Pille gilt – und das ist auch richtig so – zunächst einmal als eines der sichersten Verhütungsmittel, die derzeit auf dem Markt erhältlich sind. Richtig ist, dass die Pille bei einer täglichen Einnahme, die zudem lückenlos sein muss, eine Sicherheit von 99 Prozent gegen Schwangerschaft gewährleistet. Das wirklich sicherste Verhütungsmittel ist die Pille aber schon allein aufgrund der Tatsache nicht, dass die Nutzerin regelmäßig an die Einnahme der Pille denken muss. Hier haben andere hormonelle Verhütungsmaßnahmen der Pille im Hinblick auf die konsequente Zuführung von Hormonen längst den Rang abgelaufen.

» Verhütungspflaster und Verhütungsstäbchen
Verhütungspflaster sowie Verhütungsstäbchen, die in die Haut implantiert werden und dort regelmäßig kleinste Mengen an Hormonen zur Verhütung in den Organismus geben, sind genauso sicher wie die Pille. Vorteil gerade bei Pflaster und Stäbchen ist, dass man – hat man sie einmalig angewandt – an die Verhütung nicht mehr denken muss. Vorteilhaft ist weiterhin, dass die Hormondosierung gerade bei Hormonstäbchen deutlich geringer als bei der Pille ist.

» Verhütungsring
Der Verhütungsring als Konkurrent der Pille weist die gleiche Sicherheit auf, wartet allerdings mit einer konsequent sehr niedrigen Dosis an Östrogenen auf.

Weiterer Nachteil der Pille im Hinblick auf ihre Sicherheit im Vergleich zu den Wettbewerbern ist, dass bereits Durchfall oder Erbrechen dazu führen können, dass die Pille den Körper ohne jede Wirkung wieder verlässt.

Pille vergessen ist nicht schlimm

Noch immer hält sich die hartnäckige Überzeugung bei Frauen, dass es für die Wirksamkeit der Pille nicht so schlimm ist, wenn sie nur einmal vergessen wird. Das ist aber nicht zwingend richtig. Gerade in der ersten Woche der Einnahme sowie auch in der dritten Woche der Einnahme einer Pillenpackung kann diese Überzeugung dann schnell zu einer Schwangerschaft führen.

» Die 12-Stunden-Frist
Wird die vergessene Pille innerhalb von 12 h noch nachträglich eingenommen, besteht grundsätzlich nur ein geringes Risiko einer Schwangerschaft. Zwingend notwendig für die nachträgliche Einnahme ist allerdings wiederum eine regelmäßige Einnahme, um dann die zwölfstündige Frist noch einhalten zu können. In diesem Fall wird die Pille nachträglich eingenommen, die folgende Pille dann wiederum zur gewohnten Zeit.

» Zur Sicherheit Kondome benutzen
Wird die vergessener Pille erst nach einer Frist von 12 h eingenommen, so ist der Schutz vor einer Empfängnis nicht mehr umfassend gegeben. In diesem Fall sollte bis zum Abschluss des Zyklus – also der Pillenpackung – für zusätzliche Verhütung, zum Beispiel durch Kondome, gesorgt werden.

Gerade in der ersten und in der dritten Woche der Pillenpackung ist aber auch bei einer nachträglichen Einnahme der Pille innerhalb von 12 Stunden noch ein Restrisiko für eine Schwangerschaft gegeben. Aus Sicherheitsgründen sollte in dieser Phase trotz nachträglicher Einnahme der Pille für Verhütung durch Kondome gesorgt werden.

Während der Periode kann ich nicht schwanger werden

Theoretisch stimmt es, dass innerhalb der Periode eine Schwangerschaft nicht möglich ist. Das Ei wird während der Periode mit dem Menstruationsblut unbefruchtet vom Körper der Frau abgestoßen. Ein neues Ei macht sich nach der Periode erst wieder aus den Eierstöcken durch die Eileiter auf den Weg in die Gebärmutter. Aus dieser Perspektive ist eine Schwangerschaft während der Periode also unmöglich.

Der Körper hat seinen eigenen Rhythmus
Trotzdem ist es aber immer wieder der Fall, dass Frauen auch während ihrer Periode schwanger werden oder sogar trotz Schwangerschaft weiterhin ihre Periode haben. Die Gründe für eine Schwangerschaft trotz Periode sind vielfältig. Üblicherweise findet nach medizinischen Lehrbüchern der Eisprung rund 14 Tage vor der folgenden Regelblutung statt. Der Eisprung ist damit in der Zyklusmitte, also genau gegenüber der Periode, gegeben. Der Körper hält sich aber an diesen theoretischen 28 Tage Rhythmus fast nie. Bei vielen Frauen verschiebt sich der Eisprung, so dass dann auch in der Regel ohne Verhütung eine Schwangerschaft stattfinden kann. Spermien haben nämlich die Möglichkeit sich 5-7 Tage im Eileiter oder in der Gebärmutter aufzuhalten, ohne abzusterben. So ist auch fast eine Woche nach dem Geschlechtsverkehr noch eine Schwangerschaft möglich.

Nur dann, wenn die Frau ihren Zyklus durch hormonelle Verhütungsmethoden beeinflusst, ist innerhalb der Periode eine Schwangerschaft nicht mehr möglich.

Antibiotika machen die Pille nur bei Einnahme unwirksam

Nicht allen Frauen, die hormonell verhüten, ist es bekannt, dass Antibiotika die hormonelle Verhütung außer Gefecht setzen können. Andere Frauen denken schlichtweg bei der Einnahme von Antibiotika nicht daran, dass die Pille durch diese Medikamente unwirksam wird. Die Annahme, dass Antibiotika die Wirksamkeit der Pille nur während der Einnahmezeit außer Gefecht setzen, ist aber auch ein riskanter Irrtum, der folgenreich sein kann.

» Nachwirkung der Antibiotika
Antibiotische Medikamente wirken im Körper nämlich nicht nur während der Zeit der Einnahme, sondern auch noch nachhaltig. Das bewirkt, dass zum einen krankheitsauslösende Bakterien nachhaltig abgetötet werden, aber auch, dass die Pille in ihrer Wirksamkeit auch nachträglich beeinflusst wird.

Die Wirksamkeit von Antibiotika kann sich bis zu sieben Tagen nach absetzen des Präparates noch auf die Wirksamkeit der Pille auswirken.

» Doppelt hält besser
Um wirklich sicher zu sein, dass trotz Einnahme von antibiotischen Medikamenten keine Schwangerschaft gegeben ist, sollte während der ganzen Einnahmedauer der Antibiotika sowie auch sieben Tage nach Absetzen der Medikamente zusätzlich verhütet werden. Finden das Absetzen der antibiotischen Medikamente sowie das Ende der Pillenpackung zeitgleich statt, kann es sich als sinnvoll erweisen, auch während der Abbruchblutung sicherheitshalber noch zusätzlich zu verhüten.

Wer stillt, kann nicht schwanger werden

Die These, dass stillende Mütter nicht schwanger werden können, hält sich schon sehr lange. Hintergründe für diese Annahme sehen Mediziner darin, dass das Wochenbett der Frau, das mit der Stillzeit parallel verläuft, ohnehin eine sexuelle Abstinenz verlangt. Da gerade in vergangenen Jahrhunderten Frauen während des Wochenbettes mit ihren Männern keinen sexuellen Kontakt hatten, parallel dazu aber das Baby stillten, fixierte sich schnell die Annahme, dass das Stillen der Grund für ausbleibende Schwangerschaften war. Hormonelle Hintergründe wurden in der Vergangenheit noch nicht genauer untersucht.

Medizinisch belegt ist, dass der Körper während der Stillzeit ein Hormon namens Prolaktin im Gehirn ausschüttet. Dieses Hormon hemmt die Reifung von Eizellen und damit auch den Eisprung. Da die Ausschüttung des Hormons allerdings von sehr vielen Faktoren abhängig ist, sollte man auf diese Art von Verhütung nicht setzen. Allein der Abstand zwischen zwei Stillzeiten oder auch die Häufigkeit des Stillens können sich auf die Ausschüttung des Hormons auswirken. Als verlässliche Verhütung sollte das Prolaktin also nicht bewertet werden.

Stillen bietet also keine verlässliche Sicherheit gegen eine neue Schwangerschaft und Verhütung ist unbedingt wichtig, um eine weitere Schwangerschaft in der Stillzeit zu verhindern.

Zur Not kann man auch mit einem Tampon verhüten

Die Annahme, dass auch ein Tampon eine verlässliche Verhütungsmaßnahme darstellt, rührt wohl daher, dass es zahlreiche mechanische Verhütungsmittel auf dem Markt gibt, die dann zu der Annahme führen, dass auch Tampons eine verhütende Wirkung haben. Bedenken sollte man allerdings, dass beispielsweise Kondome als mechanische Barriere für Spermien eine extreme Dichte aufweisen, die auch von Spermazellen nicht durchdrungen werden kann.

Andere mechanische Verhütungsmaßnahmen, beispielsweise Pessare, werden an den Muttermund der Frau exakt angepasst. Zudem wird hier zusätzlich mit spermiziden Wirkstoffen gearbeitet, die dann sowohl eine mechanische als auch eine hormonelle Barriere für die Spermien darstellen. All dies ist bei einem Tampon nicht gewährleistet.

Neben der Tatsache, dass Tampons sich für die Verhütung überhaupt nicht eignen, haben Tampons auch noch einige Gefahren aufzuweisen, wenn sie für diese Zwecke zum Einsatz kommen.

» Tampons schützen nicht vor Krankheit
Tampons schützen nicht vor Schwangerschaft, nicht vor ansteckenden Geschlechtskrankheiten, wie Kondome dies können. Zudem können sich durch die Verwendung von Tampons während des Geschlechtsverkehrs zu einem Verletzungsrisiken für beide Partner ergeben, zum anderen können auch Komplikationen entstehen, wenn der Tampon beim Geschlechtsverkehr zu weit in den Unterleib der Frau hineingedrückt wird.

Coitus Interruptus schützt vor Schwangerschaft

Der Coitus Interruptus heißt wörtlich übersetzt „unterbrochener Beischlaf“. das heißt, dass der Penis noch vor dem Samenerguss aus der Scheide herausgezogen wird. Eine Verhütungsmaßnahme ist dies allerdings nicht, und zwar aus verschiedenen Gründen. Zum einen ist es durchaus möglich, dass bereits vor dem Samenerguss einige Spermien austreten und sich auf den Weg zur Eizelle machen. Der Abbruch des Beischlafs ist dann nicht mehr notwendig, da ohnehin schon Spermien in der Scheide sind.

Zum anderen können sich Spermien, die nur an die Schamlippen gelangen, bedingt durch das feuchte Milieu auch noch auf den Weg zum Muttermund machen. Eine Schwangerschaft ist nicht nur dadurch erzielbar, dass die Spermien innerhalb der Vagina austreten. Weiterhin können sich Spermien 5-7 Tage im Körper der Frau aufhalten und dann auch noch eine Schwangerschaft bewirken, obwohl während des Coitus interruptus überhaupt kein Eisprung gegeben war.

Besonders beliebt ist der Coitus Interruptus immer noch bei jungen Leuten, die meinen, so eine Schwangerschaft ohne Verhütungsmittel und damit ohne Arztbesuch und Kosten verhindern zu können. Der Coitus Interruptus hat allerdings mit Verhütung überhaupt nichts zu tun.

Lange hormonelle Verhütung schützt vor schneller Schwangerschaft

Frauen sind auch heute noch häufig der Ansicht, dass sie auch nachhaltig vor einer Schwangerschaft geschützt sind, wenn sie bereits seit langer Zeit hormonell verhüten. Zwar ist es durchaus möglich, dass nach dem Absetzen der Pille eine gewünschte Schwangerschaft mehrere Monate auf sich warten lässt. Eine sichere Verhütungsmaßnahme ist diese Annahme der verlängerten Wirksamkeit der hormonellen Verhütung allerdings nicht.

» Jede Frau reagiert anders
Jede Frau reagiert auf das Absetzen von hormonellen Verhütungsmitteln unterschiedlich. Während die eine Frau sofort nach dem Absetzen des Verhütungsmittels auch nach einer langjährigen Verwendung wieder fruchtbar ist, benötigen andere Frauen trotz relativ kurzfristiger Verwendung von hormonellen Verhütungsmitteln, mehrere Monate bis sie wieder fruchtbar sind.

» Der Arzt schafft Klarheit
Nur eine Untersuchung beim Arzt, bei der gezielt geprüft wird, ob ein Eisprung stattfindet, kann Aufschluss darüber geben, wie langfristig sich die hormonelle Verhütungsmaßnahme auswirken kann.

Die Vermutung allein, dass eine lange hormonelle Verhütung vor einer Schwangerschaft schützt, ist eine riskante Annahme, die schnell zu einer bösen Überraschung führen kann.

Die Pilleneinnahme muss nach jeder Packung unterbrochen werden

Die Regel, dass die Pilleneinnahme nach jeder Packung für eine Woche beziehungsweise sieben Tage unterbrochen wird, stammt noch aus der Zeit, als die Pille ihre Anfänge hatte. In den 1960er Jahren, als die Pille als Verhütungsmaßnahme wirklich sehr populär wurde, war die Hormondosis, die eine Frau zur Verhütung aufnahm, sehr hoch. Mediziner empfahlen daher zur Entlastung des Organismus eine regelmäßige Pillenpause nach mehreren Zyklen sowie auch die Unterbrechung der Pilleneinnahme für jeweils sieben Tage nach jeder Pillenpackung.

» Keine Hormonkiller mehr
Inzwischen ist die Dosierung der Hormone in der Pille aber so gering, dass der Körper nur noch gering durch die Pilleneinnahme belastet wird. Zudem stehen so viele Präparate in unterschiedlicher Zusammensetzung und Dosierung zur Verfügung, das für jede Frau das richtige Präparat gefunden werden kann, ohne das eine Pillenpause notwendig ist. Im Gegenteil, die heutigen Pillen sind so zusammengesetzt, dass auch die siebentägige Pause nach einer Pillenpackung ausfallen kann. Die Pille kann heute über mehrere Monate durchgehend eingenommen werden, ohne dass der Körper der Frau Schaden erleidet oder dass eine unerwünschte Unfruchtbarkeit unerwünscht erzielt wird.

Lange Zeit galt die Periode als eine Reinigung des Körpers. Da Frauen heute oftmals über 40 Jahre und länger ihre Periode haben, ist eine Reduzierung der Blutungen durch ununterbrochene Pilleneinnahmen eher günstig als nachteilig.

Kondome schützen vor perfekt Geschlechtskrankheiten

Im Rahmen des Aufkommens der HIV-Infektion, beziehungsweise von Aids, wurde das Kondom als hilfreiches Mittel zur Vermeidung einer Infektion propagiert. Fakt ist, dass das Kondom nicht nur gegen die HIV-Viren, sondern auch gegen andere Krankheiten, die durch Geschlechtsverkehr übertragen werden, sehr hilfreich ist.

» Gut Ja – Perfekt Nein!
Dass das Kondom allerdings den perfekten Schutz vor Geschlechtskrankheiten gewährleistet, ist eine falsche Annahme. Forscher haben inzwischen herausgefunden, dass beispielsweise die so genannten Papillomaviren von Kondomen nicht aufgehalten werden. Diese Viren werden durch die Verwendung von Kondomen zwar reduziert, die Weitergabe der Infekte damit verringert, trotzdem können die Viren die Gummischicht des Kondoms durchdringen.

Die Verwendung von Kondomen bewirkt, dass seltener schwere Infektionen auftreten. Das Virus kann sich aber trotz Verwendung von Kondomen von einem Partner auf den anderen übertragen und dann auch in dessen Körper festsetzen.

» Vorsicht Gebärmutterhalskrebs!
Bei den Papillomaviren handelt es sich nicht um harmlose Viren. Diese Viren werden einerseits als Auslöser von Genitalwarzen verantwortlich gemacht, andererseits spielen sie auch bei der Entstehung von Gebärmutterhalskrebs eine erhebliche Rolle. Insgesamt hat jeder zweite Erwachsene in seinem Leben bereits einmal Kontakt mit diesen Viren gehabt.

Einen verantwortungsvollen Umgang mit dem Geschlechtspartner ersetzt das Kondom also nicht.

Extra-Tipp
Alle Verhütungsmittel im Überblick – www.onmeda.de
Forum Sex und Verhütung – www.brigitte.de