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Darmspiegelung – Vorbereitung und Ablauf der Koloskopie

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Darmspiegelung Ablauf
© Jeanette Dietl - Fotolia.com

Bei der Dickdarmspiegelung, die vom Mediziner auch als Koloskopie bezeichnet wird, handelt es sich um eine spezielle Untersuchung des Dickdarms mittels Spezialendoskop. Der Dickdarm wird in der Medizin als Kolon bezeichnet, daher die Bezeichnung Koloskopie. Das Koloskop besteht zum einen aus einem flexiblen Schlauch, zum anderen aus Kamera sowie Lichtquelle, die miteinander verbunden sind. Dieses Koloskop wird über den After in den Darm eingeführt. Mit diesem Untersuchungsgerät kann der Arzt den Dickdarm von innen betrachten, gleichzeitig bei Bedarf die Biopsie durchführen, also Gewebe entnehmen, oder aber auch gleichzeitig kleinere operative Eingriffe vornehmen..

1. Wie funktioniert die Darmspiegelung?
2. Wann wird die Darmspiegelung durchgeführt?
3. Was kann der Arzt bei der Darmspiegelung feststellen?
4. Wann übernimmt die Krankenkasse die Kosten?
5. Was muss man vor der Darmspiegelung beachten?
6. Können Komplikationen bei der Darmspiegelung auftreten?
7. Weniger Darmkrebs durch die Spiegelung?
8. Ist Darmkrebs vererbbar?
9. Gibt es Alternativen zur Darmspiegelung?
10. Urintest statt Darmspiegelung?

Wie funktioniert die Darmspiegelung?

Das so genannte Koloskop ist sehr biegsam. An den Schlauch ist am Ende eine Kamera angebracht. Der Schlauch, der dann in den Darm eingeführt wird, weist einen Durchmesser auf, der in etwa einem kleinen Finger entspricht – das sind etwa 10-15 mm. Die Länge des Schlauches liegt bei 1,5 m. Ein an den Schlauch angebrachtes Stablinsensystem dient der Vergrößerung, damit der Mediziner Besonderheiten im Darm besser erkennen kann. Die Lichtquelle am Schlauch dient der Ausleuchtung des Darms. In der Regel befinden sich am Schlauch auch noch eine Spül- sowie eine Absaugvorrichtung. Der Arzt kann mit diesem Gerät den Darm von innen betrachten.

Damit auch gleichzeitig kleine Eingriffe vorgenommen werden können, verfügt der Schlauch über Kanäle. In diese können kleine chirurgische Instrumente eingeführt werden, um dann die besagten Gewebeproben entnehmen zu können oder auch kleinere operative Eingriffe direkt im Zusammenhang mit der Koloskopie durchführen zu können. Um die Bilder aus dem Darm für den Arzt sichtbar zu machen, ist das Koloskop mittels Kamera mit einem darstellenden Monitor verbunden.

Wann wird die Darmspiegelung durchgeführt?

Viele Erkrankungen oder Symptome machen eine Koloskopie notwendig, um genauere Einblicke über die Ursache der Symptome zu gewinnen. Aber auch um die Krankheit zu diagnostizieren, beziehungsweise den Fortschritt der Erkrankung zu ermitteln, wird die Darmspiegelung durchgeführt.

» Durchgeführt wird die Koloskopie in folgenden Fällen:

  • bei Blutungen im Darm
  • bei einem positiv verlaufenen Hämoccult-Test, wenn die geringen Mengen an Blut im Stuhl nicht sichtbar dargestellt werden konnten
  • wenn sich Veränderungen im Stuhlgang über einen längeren Zeitraum ergeben, beispielsweise intensive Verstopfung oder anhaltender Durchfall
  • wenn Schmerzen im Bauchbereich anhaltend bestehen
  • wenn Darmkrebs im Frühstadium im Rahmen einer Vorsorgeuntersuchung diagnostiziert werden soll Als Nachsorge nach der Entfernung von Darmpolypen oder wenn bereits eine Darmkrebserkrankung vorhanden war
  • bei Darmkrebs
  • wenn Polypen im Dickdarm als Vorstufe des Darmkrebses bewertet werden
  • bei chronisch und entzündlich verlaufenden Darmerkrankungen (Coliis ulcerosa oder Morbus Crohn)
  • bei Durchblutungsstörungen oder aber akuten Entzündungen der Darmwand
  • bei Blutgefäßanomalien innerhalb des Darms

Was kann der Arzt bei der Darmspiegelung feststellen?

Innerhalb der Darmspiegelung kann der Arzt Gewebeproben entnehmen, also die so genannte Biopsie durchführen. Die Untersuchung der Gewebeproben wird in einem Labor durchgeführt, damit möglichst genaue Ergebnisse in der Diagnose erzielt werden. Neben der Biopsie können während der Koloskopie auch therapeutische Maßnahmen durchgeführt werden. So können zum Beispiel Darmpolypen innerhalb der Koloskopie entfernt werden. Auch Darmtumore können während der Koloskopie mit Laserstrahlen verkleinert werden.

Wann übernimmt die Krankenkasse die Kosten?

Seit Oktober 2002 haben sich im Bereich der Darmspiegelung wichtige Veränderungen bei den gesetzlichen Krankenkassen ergeben. Die Darmspiegelung ist jetzt ab dem 56. Lebensjahr, also wenn der Patient seinen 55. Geburtstag hinter sich hat, im Rahmen der Darmkrebs-Vorsorge enthalten. Ab diesem Alter übernehmen die Krankenkassen die Kosten für die Darmkrebs-Vorsorgeuntersuchung.

Was muss man vor der Darmspiegelung beachten?

Der Arzt muss während der Untersuchung das Darminnere gut sehen können. Das heißt, dass der Darm so gut wie möglich von Speise- und Stuhlresten befreit werden muss. Der Patient erhält dafür im Vorfeld der Untersuchung ein starkes Abführmittel. Dieses Abführmittel muss bereits am Vortag der Untersuchung eingenommen werden. Nach der Einnahme des Medikamentes muss der Patient zudem viel trinken.

Am Morgen der Untersuchung darf der Patient nicht essen, muss also vollkommen nüchtern bleiben. Gleichzeitig muss der Patient große Mengen einer mineralhaltigen Flüssigkeit zu sich nehmen. Hiermit wird der Darm so lange gespült, bis nur noch klare Flüssigkeit ausgeschieden wird.

Über den genauen Verlauf und die weiteren Vorbereitungen, die für die Koloskopie notwendig sind, informiert das Pflegepersonal. Durch das Personal erfolgt auch die Information, was und vor allem welche Mengen am Vortag der Untersuchung noch gegessen werden dürfen.

Beachten sollte man, dass die Einnahme der starken Spüllösung, die den Darm reinigen soll, die Wirkung oral eingenommener Verhütungsmittel vermindern kann. Auch wenn die Patientin über diese Tatsache oftmals schriftlich vor der Untersuchung informiert wird, sollte man diese Tatsache auch selbst berücksichtigen.

Noch mehr Tipps zur Vorbereitung auf die Darmspiegelung finden Sie in der Apotheken Umschau.

Wie ist der Ablauf der Darmspiegelung?

Innerhalb der Untersuchung führt der Arzt das so genannte Koloskop vorsichtig über den After in den Damm ein. Vom Mastdarm aus wird das Koloskop dann weiter in den Dickdarm geleitet. Während des Einführens wird in den Dickdarm Luft eingeblasen, damit der Arzt den Darm besser betrachten kann.

Das Koloskop ist sehr biegsam, weshalb der Arzt den Windungen des Darms sehr gut folgen kann und das Koloskop letztlich bis zur Mündung des Dünndarms einführt. Sollte es notwendig sein, wird das Koloskop auch ein Stück in den Dünndarm eingeführt. In der Regel geschieht dies aber nicht weiter als 10 cm in den Dünndarm hinein.

Die Dauer der Untersuchung liegt im Regelfall bei etwa 20 Minuten. Im Normalfall verzeichnet der Patient keine Schmerzen, empfindet die Untersuchung aber sehr unangenehm. Auf Wunsch wird im Vorfeld ein beruhigendes Medikament, das zudem schläfrig macht, verabreicht.

Können Komplikationen bei der Darmspiegelung auftreten?

Wer sich für das beruhigende Medikament während der Untersuchung entscheidet, darf danach während des gesamten Tages nicht mehr Auto fahren. In diesem Fall sollte man sich nach der Untersuchung abholen lassen und nur noch ausruhen.

  • Die beruhigenden und schläfrig machenden, also sedierenden, Medikamente können sich beim Menschen mit Lungen- und Herzerkrankungen negativ auf die Organfunktionen auswirken. Bei diesen Patienten ist eine längere Nachbeobachtung erforderlich und gegebenenfalls ein stationärer Aufenthalt über Nacht in der Klinik.
  • In sehr seltenen Fällen kann die Dickdarmspiegelung bewirken, dass die Darmwand durchstoßen wird.
  • Gerade dann, wenn gutartige Geschwülste im Rahmen der Koloskopie von der Darmschleimhaut abgetragen wurden, sind Nachblutungen zu erwarten.
  • Wenn ein Patient starke und akute Entzündungen an Darmwand-Ausspülungen aufweist, ist ein Risiko gegeben, dass innerhalb der Darmspiegelung die Darmwand durchstoßen werden kann. In diesem Fall wird auf die Untersuchung oftmals verzichtet oder sie wird abgebrochen.

Weniger Darmkrebs durch die Spiegelung?

Generell ist die Darmspiegelung als Vorsorge vor Krebs sehr umstritten. Als vorbeugende Maßnahme wird sie häufig nicht akzeptiert, um der Bildung beziehungsweise Ausbildung von Tumoren vorzubeugen. Studien belegen allerdings, dass Menschen, die den Darm regelmäßig untersuchen und spiegeln lassen, seltener am Darmkrebs erkranken.

Kritisiert wird allerdings, dass sich große Risiken aus der Verletzung des Darms ergeben könnten und dass die Belastung des Patienten in psychischer und physischer Art während des Eingriffes deutlich größer ist als der Nutzen, der sich aus der Untersuchung ergibt. Hierbei wurden Befragungen von Patienten durchgeführt, die diese Spiegelung haben vornehmen lassen.

Fakt ist, dass alle Menschen, die innerhalb der letzten 10 Jahre eine Darmspiegelung haben vornehmen lassen, deutlich seltener fortgeschrittene Vorstufen von Darmkrebs aufweisen. Von 600 Menschen haben innerhalb dieser Studie nur sechsunddreißig Menschen eine fortgeschrittene Vorstufe des Krebses aufgewiesen, was letztlich einer Quote von 6,1 Prozent entspricht. Bei Patienten, die diese Darmspiegelung nicht haben durchführen lassen, lag die Quote der fortgeschrittenen Darmkrebserkrankungen bei 11,4 Prozent.

Gerade im linken, also dem absteigenden Teil des Darms, treten Krebsfälle besonders häufig auf.

Ist Darmkrebs vererbbar?

Gerade der erblich bedingte Darmkrebs entsteht oft schon bei Menschen in sehr jungen Jahren. Ist das Risiko für Darmkrebs erblich bedingt, dann reicht es nicht, die Untersuchung auf Darmkrebs ab 56 Jahren durchführen zu lassen. Hier muss die Vorsorge schon deutlich früher beginnen.

Sinnvolle Alternativen zu Darmspiegelung sind allerdings bisher noch nicht ausreichend erforscht.

Ist in einer Familie der Darmkrebs häufiger vorhanden, so kann sich die Gefahr, am Darmkrebs zu erkranken im Laufe des Lebens auf eine Wahrscheinlichkeit von 80 Prozent erhöhen. Alle Menschen, die dieses Erbe angetreten haben, sollten, nach Empfehlungen von Ärzten, die Darmspiegelung einmal jährlich durchführen lassen. Innerhalb dieses Zeitraums können bereits wichtige Vorstufen von Darmkrebs entdeckt werden.

Gibt es Alternativen zur Darmspiegelung?

Regelmäßig wird von Wissenschaftlern nach Alternativen zu Darmspiegelung gesucht. Sehr erfolgreich ist hier die so genannte Hunde-Diagnose. Ein Hund ist durchaus – sofern ausreichend geschult – in der Lage, mit einer Sicherheit von 98 Prozent einen Darmkrebs am Atem eines Probanden oder an dessen Stuhl zu erkennen. Nachteilig ist allerdings, dass die Hundenase nur definitiv vorhandene Krebszellen schnüffelt, nicht aber die Vorstufen der Krebserkrankung.

Die Darmspiegelung ist bis heute die einzig sichere Technik, auch kleine Veränderungen in der Darmschleimhaut zu erkennen, sie zu beseitigen und so den Krebs bereits in seiner Vorstufe zu bekämpfen.

Alle alternativen Untersuchungsmethoden sind bisher noch nicht praxistauglich. Auch wenn im Blut oder Urin Abweichungen messbar sind, muss immer dann wieder eine Darmspiegelung durchgeführt werden, wenn die Blut- oder Urintests positive Ergebnisse liefern.

Urintest statt Darmspiegelung?

Generell kann ein Urintest durchaus unterschiedliche Krankheiten aufzeigen. Denkbar ist damit, dass in einigen Jahren der Urintest möglicherweise die aufwändige und unangenehme Darmspiegelung ablösen könnte. US Forscher arbeiten bereits an einem entsprechenden Urintest.

Sowohl Darmkrebs, als auch Lungenkrebs oder Prostatakrebs wurden schon in diesen Tests im Zusammenhang mit der unbilligen Probe nachgewiesen. Bei bestimmten Erkrankungen sind typische Stoffe im Urin zu finden, die dann im entsprechenden Test nachgewiesen werden können.

Bis heute sind diese Tests allerdings noch so unausgereift, dass die Darmspiegelung die einzige – wenn auch unangenehme – Vorsorgeuntersuchung ist, um den beginnenden Darmkrebs nachzuweisen und möglichst im Frühstadium aufzuhalten.

Für Sie recherchiert
» Darmspezialisten in Ihrer Nähe finden – www.darmspezialisten.de
» Erfahrungsbericht zu einer Darmspiegelung – www.hessen-gegen-darmkrebs.de
» Forum zum Thema Darmspiegelung – www.wakeup.de