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Tattoo und Piercing stechen – Darauf sollten Sie achten!

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Tattoo und Piercing stechen lassen
© olly - Fotolia.com

Piercings und Tattoos haben das soziale Schattendasein hinter sich gelassen. Sowohl Musiker als auch Schauspieler und andere Prominente schmücken sich mit einem Piercing oder einem Tattoo, ebenso wie Otto Normalverbraucher. Inzwischen sind in Deutschland zwischen 400.000 und 600.000 Menschen gepierct und noch häufiger ist das Tattoo anzutreffen. Piercer und Tätowierer machen hier einträgliche Geschäfte, die allerdings lebenslang unter die Haut gehen und deshalb zum einen mit Bedacht gewählt werden sollten was das Motiv angeht, zum anderen auch im Hinblick auf den Tätowierer gründlich überlegt sein sollten. Wer hier einem unhygienischen oder unerfahrenen Piercer oder Tätowierer vertraut, kann zum einen die Gesundheit gefährden, zum anderen auch für das gesamte Leben mit einem Bild geschmückt sein, das den eigenen Qualitätsansprüchen nicht genügt.

Basisinformationen zum Tattoo und Piercing

Während Piercings wieder entfernt werden können und nur ein mehr oder weniger großes Loch im Körperbereich übrig bleibt, sind Tattoos eine Anschaffung für das gesamte Leben, die auch mit Laserbehandlung oftmals nur bedingt entfernt werden können. Das Motiv sollte also gut bedacht und sowohl zeitlos als auch für das gesamte restliche Leben attraktiv sein.

Tattoos sind Kunst am Körper. Der Farbstoff wird hierbei mit einer Nadel direkt in die Haut eingebracht. Der Ursprung der Tattoos liegt darin, dass sie magische Zwecke verfolgen sollten. Beispielsweise wurde auf den Körper eines Menschen ein so genanntes Totem-Tier aufgebracht. In unserer Kultur waren Tattoos lange Zeit auf so genannte schwere Jungs und Seeleute ausgerichtet. Inzwischen gelten Tattoos aber quer durch alle Bevölkerungsschichten als fast schon selbstverständlicher Schmuck, der offen oder eher versteckt auf dem Körper getragen wird. Gerade bei Jugendlichen haben Tattoos oft schon einen echten Kultstatus. Gleiches gilt für Piercings. Auch hier soll der Körperschmuck Individualität ausdrücken.

Wichtig bei beiden Varianten ist, dass unbedingt Grundregeln eingehalten werden, denn in beiden Fällen ist Blut im Spiel.

Das richtige Piercing- oder Tattoo-Studio finden

Wichtig ist es zunächst, bei der Wahl des Tätowierers oder Piercers genau hinzuschauen. Das erste Studio, das sich im direkten Umfeld befindet, muss nicht immer das Beste sein. Sehen Sie sich verschiedene Studios an und fragen Sie ruhig auch tätowierte oder gepiercte Freunde oder Bekannte, ob sie eine Empfehlung für ein Studio aussprechen können. Gute Anhaltspunkte können auch Tattoomessen oder Conventions, zum Beispiel in Frankfurt am Main oder Bremerhaven, bieten. Wichtige Informationsquellen können zudem Zeitungen und Broschüren sowie Fachliteratur sein. Erfahrungsberichte von Freunden und Bekannten runden die Recherche ab.

» Hygiene hat oberstes Gebot
Die Entscheidung für das Studio sollte keinesfalls ausschließlich vom Preis abhängig gemacht werden. Qualität und Hygiene sind wichtige Kriterien, denn wenn hier unhygienisch und unsachgemäß gearbeitet wird, können sowohl Tattoo als auch Piercing zu einer echten Gesundheitsgefahr werden.

» Sterile Instrumente
Das Studio der Wahl sollte ein Sterilisationsgerät aufweisen, damit nur wirklich sterile Nadeln in die Haut gelangen. Die Geräte müssen nach jeder Behandlung eines Kunden sterilisiert werden, bevor sie erneut zum Einsatz kommen. Auch Instrumente, die nur bereit gelegt aber nicht genutzt wurden, müssen nach der Behandlung erneut sterilisiert werden. Die Instrumente müssen komplett steril sein, weil sich sowohl beim Piercen als auch beim Tätowieren Infektionen wie Tetanus, AIDS oder Hepatitis übertragen können.

» Nur mit schriftlichem Einverständnis
Ein Piercing kann durchaus mit einem operativen Eingriff verglichen werden. Grundsätzlich sollte das Piercen nur einem erfahrenen, ausgebildeten und geprüften Piercer überlassen werden. Generell handelt es sich beim Piercing um eine vorsätzliche Körperverletzung, die nur dann straffrei bleibt, wenn die betroffene Person diesen Eingriff ausdrücklich erlaubt hat. Das Studio wird daher auf eine schriftliche Einverständniserklärung bestehen, um im Nachhinein keine Probleme zu bekommen.

» Piercing und Tattoo bei unter 18-Jährigen
Vor der Einverständniserklärung muss eine Aufklärung über die Risiken erfolgen. Wichtig ist zudem, dass der Klient urteilsfähig ist. Jugendliche unter 18 Jahren müssen die Einverständniserklärung der Eltern vorweisen. Sollen Piercings oder Tattoos an Jugendlichen unter 16 Jahren erfolgen, müssen die Eltern zusätzlich beim Eingriff anwesend sein.

Die richtige Wundpflege beim Tattoo

Beim Tattoo handelt es sich um eine Wunde, die dem Körper mit Absicht zugefügt wurde. Wie bei jeder anderen Wunde auch, ist die Wundpflege sehr wichtig. Die Wundpflege beim Tattoo muss ähnlich verlaufen wie bei einer leichten Verbrennung. Bis zur vollständigen Heilung der Wunde muss das Hautareal sowohl sauber als auch feucht gehalten werden.

» Infektionen vorbeugen
Damit die Wunde sich nicht infiziert, sollten wichtige Verhaltensregeln eingehalten werden:

  • Die Wunde darf unter keinen Umständen angefasst werden.
  • Das Tattoo sollte direkt nach dem Stechen noch für mindestens 2 bis 12 Stunden abgedeckt werden.
  • Das Tattoo sollte so wenig wie möglich angefasst werden.
  • Auch andere Interessierte dürfen das Tattoo unter keinen Umständen anfassen.
  • Der Verband vom Tattoo sollte feucht entfernt werden. Am besten wird der Verband unter der Dusche entfernt. Ein angefeuchteter Verband lässt sich leichter von der Wunde entfernen und Reizungen können vermieden werden.
  • Das Tattoo darf nicht mit Alkohol desinfiziert werden
  • Gewaschen wird das Tattoo nur mit antibakterieller Reinigungslotion sowie mit viel Wasser. So lassen sich alle Rückstände von der Haut entfernen, ohne dass eine Infektion entsteht.
  • Nach dem Waschen darf das Tattoo nur trockengetupft, nicht aber gerieben werden
  • Dreimal am Tag sollte das Tattoo mit antibiotischer Salbe behandelt werden. Hierfür werden die Hände gereinigt, danach wird eine dünne Schicht der Salbe auf das Tattoo aufgebracht. So wird vermieden, dass die Haut austrocknet und sich Risse im Tattoo bilden.
  • Bei einer bestehenden Antibiotika-Allergie sollte vor dem Kauf der Salbe eine Beratung in der Apotheke erfolgen.
  • Infektionen sollten unbedingt vom Arzt behandelt werden.
  • Vaseline ist zum Einreiben der Haut nicht geeignet, denn hierdurch kann sich das Tattoo verformen und die Farbe matter werden.
  • Zwei Wochen nach dem Stechen muss nur noch Bodylotion für die Pflege des Tattoos verwendet werden. Diese sollte allerdings frei von Parfum oder Farbstoffen sein.
  • Das Tattoo sollte sich nach einem Zeitraum von sieben bis zehn Tagen nicht mehr empfindlich zeigen. Trotzdem sollte die Bodylotion über einen Zeitraum von zwei Wochen weiterhin genutzt werden.
  • Das Tattoo verträgt kein direktes Sonnenlicht oder Solarium. Innerhalb von vier Wochen nach dem Stechen sollte das Tattoo vor Sonneneinstrahlung geschützt werden. Bereits wenige Minuten Sonneneinstrahlung können das Tattoo gefährden und allergische Reaktionen sind die Folge. Auch nach der Heilung sollte das Tattoo im Solarium nicht direkt der Strahlung ausgesetzt werden.
  • Die Haut darf nicht durchweicht werden. Schwimmen in Chlorwasser oder übermäßig heiße Wannenbäder können das Tattoo im Heilungsprozess ruinieren. Der Heilungsprozess muss vollkommen abgeschlossen sein, bevor heiße Bäder oder Bäder in Chlorwasser genommen werden.

Schmerzfrei Tätowieren oder Piercen geht nicht

Generell kann man sagen, dass ein Tattoo sowie ein Piercing nicht völlig schmerzfrei ist. Wie stark der Schmerz gefühlt wird, hängt aber vom eigenen Schmerzempfinden ab. Während einige Kunden das Tätowieren als Kribbeln empfinden, spüren andere Klienten schon Schmerzen. Abhängig, wie stark der Schmerz empfunden wird, ist es auch, an welcher Körperstelle die Tätowierung angebracht wird. Generell sind die Schmerzen an Körperstellen intensiver, an denen die Haut besonders dünn ist. Gerade das Schulterblatt oder der Knöchel, sowie die Ellenbogen sind besonders empfindlich bei der Tätowierung.

Kein Tattoo oder Piercing bei Diabetes

Wichtig zu wissen ist, dass Menschen, die an Diabetes, an der Bluterkrankheit oder an Infektionskrankheiten leiden, kein Tattoo durchführen lassen dürfen. Weiterhin darf während einer Thrombosebehandlung auf keinen Fall gepierct werden. Bestehen Geschlechtskrankheiten, darf auf keinen Fall ein Intimschmuck gesetzt werden.

Die richtige Piercing-Pflege

Auch wenn es vielen Körperschmuckbegeisterten als weitaus preiswerter erscheint, das Piercing selbst zu setzen, ist dies ein erhebliches Risiko. Die Kosten, die der Besuch des Studios mit sich bringt, sind eine gute Investition in die eigene Gesundheit.

Das Piercing richtig pflegen

  • Vor der Pflege sollten unbedingt die Hände gewaschen werden.
  • Die tägliche Pflege muss gründlich erfolgen. Die Einstichstelle darf bis zum kompletten Abheilen nur mit gründlich gereinigten Händen berührt werden. Das reine Hautpiercing wird zunächst mit Desinfektionsmittel für die Haut, in der Folge mit Wasser und milder Seife gereinigt. Öffentliche Schwimmbäder, Saunen oder das Dampfbad sind bis zum kompletten Abheilen tabu. Das kann bis zu zwei Monate der Fall sein.
  • Der Körperbereich, an dem das Piercing gestochen wurde, muss immer gründlich sauber gehalten werden, damit die Heilung so unterstützt wird.
  • Wer das Piercing im Mund hat setzen lassen, muss den Mund mehrmals täglich gründlich reinigen. Kamillespülungen oder spezielle medizinische Mundspüllösungen sind ideal. Auf Alkohol und Zigaretten, scharfe oder sehr salzige Lebensmittel sollte man in dieser Abheilphase verzichten. Auch Küssen und Oralsex sind innerhalb der Abheilphase tabu.
  • Ein Piercing, das von Kleidung bedeckt ist – wie beispielsweise im Bauchnabel oder im Geschlechtsbereich, muss besonders gründlich gepflegt werden, da hier Reibung der Kleidung sowie Schweißbildung schneller zu Infektionen führen kann.
  • Die gepiercte Körperstelle muss nach der Heilung gut gepflegt werden, denn aus den Einstichkanälen werden Hautzellen und Talg sowie Schweißreste abgesondert. Die Schmuckstücke müssen regelmäßig entfernt und gründlich gereinigt werden. Besonders gründliche Reinigung braucht dabei der Einstichkanal.
  • Der gepiercte Hautbereich muss zweimal täglich mit einer antibakteriellen Seife gereinigt werden. Vorsicht gilt beim Waschen, allerdings müssen Rückstände und Krusten komplett entfernt werden. Seife und Rückstände müssen zudem gründlich abgespült werden. Bestehen Verkrustungen, kann Salzwasser diese leichter lösen.
  • Kontakt mit fremden Körperflüssigkeiten wie Speichel oder Schweiß sollte unbedingt vermieden werden. Zudem kann auch der eigene Schweiß die Wunde reizen. Nach dem Sport beispielsweise muss also gründlich geduscht werden.
  • Kleidung muss jetzt häufiger gewechselt werden. Immer saubere Kleidung sowie wöchentlich gewechselte Bettwäsche ist jetzt Bedingung.
  • Beim Ohrpiercing sollte auch daran gedacht werden, dass Brillengestelle oder das Telefon mit Alkohol gereinigt werden. Die Brille sollte jetzt regelmäßig mit Wasser und Seife gereinigt werden.
  • Das Zungenpiercing muss zweimal täglich kontrolliert werden. Der Schmuck darf hier nicht zu locker sitzen, denn wenn ein Zungenpiercing sich löst, kann das Schmuckstück verschluckt oder aber ein Zahn beschädigt werden.
  • Kontakt mit Make up oder Haarpflegeprodukten wie Haarspray gilt es zu vermeiden. Gerade beim Ohrpiercing ist hier oberste Vorsicht geboten. Vor der Nutzung von Haarsprays oder Sprühlotionen für die Haare sollte das Piercing gut abgedeckt werden.
  • Weiche Kleidung ist bei Körperpiercings Bedingung. Enge Kleidung sowie Bodies oder Gürtel sind beim Abheilen des Bauchnabelpiercings tabu. Auch auf das Schlafen auf dem Bauch sollte jetzt verzichtet werden.
  • Beim Zungenpiercing müssen die Zähne und die Mundhöhle nach jedem Essen gründlich gereinigt werden. Zudem sollte ein antibakterielles Mundwasser ohne Alkoholanteil verwendet werden. Gründliche Zahnreinigung ist wichtig und auch beim kleinsten Imbiss sollte zumindest der Mund gespült werden. Statt Mundwasser kann auch Salzwasser verwendet werden, das ein Mischungsverhältnis von einem Teelöffel Salz in vier Tassen Wasser aufweist.
  • Piercings im Intimbereich sollten mit Spülungen gereinigt werden, die für diesen Zweck geeignet sind. Sexuelle Enthaltsamkeit für mindestens zwei bis drei Wochen ist zwingend notwendig.
  • Besteht eine Infektion, sollte sofort der Arzt aufgesucht werden. Eine Antibiotika-Salbe kann in diesem Fall das Piercing noch retten.

Gesundheitliche Risiken beim Piercen

Beim Piercing handelt es sich um ein ungewöhnliches Schmuckstück und das Stechen stellt einen starken Eingriff in den Körper dar. Oftmals wird sogar Knorpelgewebe durchstochen und auch Nervenstränge sind beim Stechen eines Piercings beteiligt. Aufgrund dieser Tatsachen ist das Piercen auch mit gesundheitlichen Gefahren verbunden.

Infektionen sind die häufigsten Risiken, die sich durch das Piercen ergeben. Etwa 20 Prozent der Piercings entzünden sich. Begünstigt wird der Infekt durch mangelende oder falsche Hygiene beim Stechen oder der anschließenden Pflege. Bis hin zur Blutvergiftung kann die Infektion dann führen.

Auch Allergien können sich ergeben, die gerade durch nickelhaltigen Schmuck ausgelöst werden. Schwellungen und Schmerzen, Nachblutungen und Blutergüsse sowie Störungen bei der Wundheilung und Narbenbildung sind weitere gesundheitliche Probleme, die das Piercing nach sich ziehen kann.

Die Blutvergiftung tritt eher selten ein, allerdings besteht ein hohes Risiko, sich mit Hepatitis B oder C sowie G und HIV zu infizieren, wenn die hygienischen Bedingungen im Studio nicht optimal sind.

» Probleme beim Augenbrauenpiercing
Beim Augenbrauenpiercing kann sich eine Nervenschädigung ergeben. Auszuschließen ist auch nicht, dass der Lidhebermuskel nachhaltig geschädigt wird. Infektionen im Piercing können auf die Augen übergreifen.

» Probleme beim Zungenpiercing
Besonders geschädigt werden die Zähne durch das Zungenpiercing. Das Piercing wirkt permanent auf den Zahn ein und beschädigt langfristig den Zahnschmelz. In seltenen Fällen kann das Zungenpiercing auch so stark anschwellen, dass der Zustand lebensbedrohlich wird.

» Probleme beim Ohren- und Nasenpiercing
Gerade beim Durchstechen der Knorpel kann es zu Schädigungen und einer Zerstörung des Knorpels kommen. Infektionen können sich in Richtung Herz und Gehirn ausweiten.

» Probleme beim Brustwarzen-Piercing
Hier können die Milchgänge der Frau nachhaltig geschädigt werden, was dann letztlich beim Stillen eines Kindes zu Problemen führen kann.

» Probleme beim Bauchnabel-Piercing
Das Bauchnabel-Piercing wird als harmlos betrachtet. Durch die ständige Reizung dieses Körperbereichs können sich aber gerade hier besonders schnell Infektionen ergeben, die das Abheilen verzögern. Deshalb muss gerade das Bauchnabel-Piercing mit Bedacht und Erfahrung gestochen und gepflegt werden. Das Piercing sollte im Sommer gestochen werden, weil dann mehr Luft an die Haut gelangt und auch nicht so enge und warme Kleidung getragen werden muss.

» Probleme beim Genital-Piercing
Das Genital-Piercing ist je nach Stichstelle besonders schmerzhaft. Besonders bei Männern kann sich durch das Genital-Piercing eine schwere Harnwegsinfektion ergeben, die sich bis zu einer Niereninfektion ausweiten kann. Das Durchstechen der Harnröhre trägt hier Bakterien weiter.

Wichtige Nachsorge-Regeln sollten eingehalten werden, damit es nach dem Stechen des Körperschmucks kein böses Erwachen gibt.

» Shoppingtipp
Eine große Auswahl an Piercings zu erschwinglichen Preisen bietet der Onlineshop Crazy-Factory.

Video – Stechen eines Unterlippenpiercings

Wer sich vor oder nach dem Stechen eines Piercings oder Tattoos mit Gleichgesinnten austauschen will, findet im Forum auf www.piercing.de Rat und Hilfe.